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Als „Kleiner Prinz“ auf der Bühne des Gewandhauses

Musical-Hauptrolle für Leipzigerin Als „Kleiner Prinz“ auf der Bühne des Gewandhauses

Ihre ersten wichtigen Rollen hat die Rückmarsdorferin Isabel Waltsgott im Kinderchor der Oper Leipzig gesungen. Jetzt ist die 22-Jährige ausgebildete Musicalsängerin und tourt derzeit mit dem Stück „Der kleine Prinz“ durch den deutschsprachigen Raum. Am Montagabend steht sie als Hauptdarstellerin im Gewandhaus auf der Bühne.

Das Hobby zum Beruf gemacht: Isabel Waltsgott hat fünf Jahre lang im Kinderchor der Oper Leipzig gesungen und ist jetzt ausgebildete Musicalsängerin.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Oma und Opa warteten am Montagnachmittag schon am Bühneneingang des Gewandhauses, um ihre Isa zu begrüßen: Die Rückmarsdorferin Isabel Waltsgott traf gegen 16 Uhr mit der Musicalcrew des „Kleinen Prinzen“ am Augustusplatz ein. Sie kam aus Braunschweig, war sozusagen dienstlich in Leipzig: Die 22-jährige Sängerin tourt seit Mitte Dezember für zweieinhalb Monate mit dem Musical „Der kleine Prinz“ durch Deutschland, Österreich und die Schweiz. Sie ist die Zweitbesetzung für die Hauptrolle und hatte sich gewünscht, in ihrer Heimatstadt spielen zu dürfen. Natürlich freut sie sich auf Oma und Opa, Eltern, Großonkel und Großtante sowie Freunde, die am Abend im Publikum sitzen werden. „Im Gewandhaus fühle ich mich heimisch, alles erinnert mich an meine Kindheit, als ich hier mit dem Max-Klinger-Chor in der Weihnachtszeit aufgetreten bin“, erzählt die „Prinzessin“.

Ihre ersten Schritte Richtung professioneller Bühnenlaufbahn hat Isabel allerdings auf der anderen Seite des Augustusplatzes absolviert, im Kinderchor der Oper Leipzig, in dem sie fünf Jahre lang sang. Zusammen mit Zwillingsschwester übernahm sie immer mehr große Rollen, sei es in „One Touch of Venus“, „Die arabische Prinzessin“ oder in den eigenen Stücken des Ensembles. „Der Kinderchor hat mir viel für den Beruf mitgegeben, wie zum Beispiel Bühnenpraxis auch mit kleineren Rollen, Musikalität oder das mehrstimmige Singen“, erinnert sie sich. Techniken wie das Singen mit Kopfstimme musste sie allerdings später komplett neu lernen.

Isabel machte nach dem Abitur das Hobby zum Beruf, für sie ging es nahtlos mit einem Musicalstudium in Osnabrück weiter, da sie auch das Tanzen liebt. „Ich habe mich damals an allen deutschen Musikhochschulen beworben, in Osnabrück wurde ich angenommen.“ Schwester Carolin musste ein Jahr länger warten und studiert jetzt ebenfalls Musicalgesang in Osnabrück. Die eineiigen Zwillinge sind sehr gespannt, welche Berufschancen sie haben, wenn sie in Zukunft sozusagen doppelt auf dem Markt sind. „Sicher wird es schwer, denn wir müssen um dieselben Rollen konkurrieren“, glaubt Isabel. Allerdings gebe es kein einziges Musical-Zwillingspaar auf dem deutschen Markt. Ob sie sich als Zweitbesetzung, als Double der anderen gegenseitig ergänzen können, „das wird sich im Sommer herausstellen.“

Isabel Waltsgott jedenfalls ist schon fertig mit dem Studium und „total glücklich, jeden Tag auf der Bühne zu stehen und so viele unterschiedliche Städte zu sehen.“ „Der kleine Prinz“ ist ihre zweite Hauptrolle – die erste übernahm sie während des Studiums am Stadttheater Osnabrück – und zugleich ihre erste Hosenrolle. „Die besondere Herausforderung besteht darin, dass ich mich in den Körper einen Jungen hineinversetzen muss. Und dass ich naiv wie ein zehn- oder zwölfjähriges Kind durch die Welt gehen muss.“ Dass das Stück gut ankommt und überall gute Kritiken bekommt, findet sie wunderbar. Isabels Ziel: dass sie von ihrem Künstlerberuf leben kann und regelmäßige Jobs bekommt. Ihre bisherige Wohnung in Osnabrück hat sie gekündigt. Wenn die Tournee mit dem „Kleinen Prinzen“ zu Ende ist, will sie sich eine Wohnung in Leipzig suchen und sich dann in Ruhe um neue Rollen bewerben.

Von Kerstin Decker

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