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Andreas Schulz: Led Zeppelin und Klassik

Andreas Schulz: Led Zeppelin und Klassik

Andreas Schulz ist die Musik in Fleisch und Blut übergegangen. Im Saal des Gewandhauses lehnt der Direktor am Emporengeländer und dirigiert seine Sätze mit ausschweifenden rhetorischen Handbewegungen.

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Andreas Schulz.

Quelle: André Kempner

Schon als Kleinkind ist der Pastorensohn in die Kirchenmusik "hineingewachsen", spielte Posaune und bis heute hin und wieder Kirchenorgel. Seit 1998 führt Schulz als Intendant die Geschäfte des Gewandhauses und dessen Orchester und doziert in den Bereichen Musik- und Kulturmanagement an der Hochschule in Bremen. Ein vielfältiger Mensch mit vielen Aufgaben also. Und der Schlüsselbund? Ein Generalschlüssel für sämtliche Türen des Gewandhauses ist daran; ein Autoschlüssel, ein Wohnungsschlüssel. Seinen privaten Bund gibt der Direktor morgens vor der Arbeit am Empfang ab und holt ihn nachts wieder. An seinem "Berufsschlüsselbund" baumelt ein Anhänger mit der Aufschrift San Francisco..

Haben wir es etwa mit einem Achtundsechziger zu tun?

Den Anhänger habe ich im Oktober 2001 in San Francisco gekauft. Als Andenken an eine sehr emotional aufgeladene Reise. Kurz nach den Terroranschlägen waren das Gewandhausorchester - damals unter der Leitung von Herbert Blomstedt - und ich auf Tournee in den USA. Wir starteten in San Francisco und hatten dann Auftritte in Chicago, Washington und in der Carnegie Hall in New York. Jedes Konzert haben wir mit einer Gedenkminute an die vielen Toten begonnen und waren natürlich auch selbst am Ground Zero. An den Flughäfen mussten wir schon Stunden vorher einchecken, aufgrund der strengen Sicherheitskontrollen. Soldaten hatten sich überall postiert, und man durfte noch nicht einmal im Flugzeug auf Toilette gehen. Sonst, so sagte man uns, würde das Flugzeug notlanden und man verhaftet werden. Das war sehr ernst gemeint. Das öffentliche Leben war enorm angespannt. Heute fahren wir regelmäßig in die USA, vor zwei Jahren haben wir dort einen amerikanischen Freundeskreis für unser Orchester gegründet. Aber die Reise vor 12 Jahren war schon etwas sehr Besonderes.

Der wichtigste Schlüssel ist der Generalschlüssel für das Gewandhaus. Soll er auch jungen Menschen die Türen öffnen?

Natürlich. Mit der "Audio-Invasion" oder den "Entdeckerkonzerten" möchten wir die jungen Leute ja auf lange Sicht auch für die großen Konzerte gewinnen. Bei Studenten ist es zwar nicht sicher, ob sie in drei, vier Jahren noch in Leipzig wohnen. Aber wenn wir bei ihnen ein Interesse an klassischer Musik wecken können, und sie sich in zehn Jahren an die schönen emotionalen Erlebnisse mit Freunden und mit der Musik erinnern und vielleicht an einem anderen Ort ins Konzert gehen oder Abonnenten werden, dann ist schon sehr viel gewonnen. Wir überlegen auch, wie man junge Eltern, die vielleicht keinen Babysitter haben, für Konzerte gewinnen könnte, vielleicht mit speziellen Programm- oder Betreuungsangeboten.

Stichwort "Audio-Invasion". Tanzen Sie denn zu elektronischer Musik?

Nein. Also, um ehrlich zu sein, kenne ich mich in dem Genre weniger aus. Wenn ich mir meinen Schallplattenschrank zu Hause anschaue, dann stehen da Alben von Yes und Deep Purple, von Led Zeppelin und anderen Bands - Für die Musikauswahl und den Bandeinkauf im Gewandhaus arbeiten wir mit einem kompetenten Partner, einer Agentur, zusammen. Ich vertraue, dass so die richtige Wahl getroffen wird.

Wenn Sie für einen Tag einen beliebigen Schlüssel haben könnten, welcher wäre es?

Ich wünsche mir einen "Schlüssel", mit dem ich die Herzen und Köpfe von Entscheidungsträgern - am besten aller Menschen - für die Kunst öffnen kann: Die Förderung der kulturellen Bildung und der kulturellen Vielfalt ist grundlegend für unser heutiges und zukünftiges Dasein.

 

 

@Alle Teile: www.lvz-online.de/schluesselfiguren

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 13.08.2013

Lisa Berins, Sebastian Broening

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