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Leipzig Boulevard Ankommen und Abschied: Tanzen verbindet
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17:19 18.06.2018
Cornelia Richter-Dorndeck – einst Schülerin von Gret Palucca. Heute arbeitet die 50-Jährige als Physio­therapeutin für die Tänzer der Oper Leipzig. Quelle: Regina Katzer
Leipzig

Mit einer Fotodokumentation erinnerte Cornelia Richter-Dorndeck (50) an ihre Lehrerin Gret Palucca (1902 bis 1993) von der gleichnamigen Schule in Dresden. Die Schwarz-Weiß-Aufnahmen stammen von ihrem Vater Rainer Dorndeck (1941–2011), einem bekannten Werbe- und Modefotografen.

Mit sieben Jahren besucht Cornelia das erste Mal einen Ballett-Saal in der Sporthalle Tarostraße. „Pianist Paul haben wir alle geliebt“, erzählt sie. Frau Fexer, die Tanzlehrerin, sieht damals eine besondere Begabung und bittet die Eltern, das Kind bei Gret Palucca vorzustellen. Kurz vor Weihnachten reist die Familie nach Dresden – und während die Mutter und der Vater mit der älteren Tochter über den Striezelmarkt schlendern, taucht Cornelia in die Welt der Spitzenschuhe ein.

„Mit offenem Blick habe ich alles aufgesogen – die riesigen Säle und die anderen Kinder.“ An diesem Tag besteht die Leipzigerin als einzige von 70 Anwärtern die Eignungsprüfung. Als nächstes folgt eine Einladung zur dreitägigen Aufnahmeprüfung an die renommierte Ballettschule in die damalige Bezirkshauptstadt. Im Sommer 1978 beginnt Cornelia ihre achtjährige Ausbildung zur Bühnentänzerin. Die Tanzlegende Palucca ist damals schon 76 Jahre alt.

Tanzpädagogin Gret Palucca mit der 17-jährigen Cornelia. Quelle: privat

Noch heute ist Cornelia Richter-Dorndeck begeistert von ihrer Lehrerin, die alle Schüler mit Namen kannte. Diese lernte Gret Palucca anhand der Passbilder der Eleven in ihrer Sommeridylle auf Hiddensee. „Jeder einzelne war ihr wichtig. Frau Palucca, wie wir Jüngeren sie damals nannten, fragte nach, wenn einer Heimweh hatte. Wie in einer Familie“, schwärmt die 50-Jährige.

Karriere als Tänzerin

Ihr erstes Engagement bekommt sie 1986 an der ein Jahr zuvor wiedereröffneten Semperoper in Dresden. „Die Karriere einer Tänzerin ist kurz. Deshalb bin ich nach der Wende erst nach Luxemburg zum Euroballett gegangen, später nach Frankreich zum Ballet National de Nancy et de Lorraine, einer klassischen Company.“

Mit 28 hört Conny als Profi-Tänzerin auf. Das ständige Herumreisen und Aus-dem-Koffer-Leben will sie nicht mehr. Die Sehnsucht nach Familie keimt in ihr auf: In Dresden warten viele Freunde auf sie, in Leipzig gibt es eine kleine Wohnung im Plattenbau am Brühl. Ein zweites Standbein muss her – sie macht eine Ausbildung zur Physiotherapeutin und beginnt zunächst in einer Leipziger Praxis. Als Masseurin Eva Mättig 2001 an der Oper Leipzig aufhört, zögert Cornelia anfänglich.

Nach einem Probearbeitstag entscheidet sie sich für die Company am Augustusplatz. Mit Fingerspitzengefühl und medizinischer Kompetenz ist sie nunmehr seit 17 Jahren für andere da – wenn es zwickt und auch mal im Herzen sticht. Und zwei Mal wöchentlich steht sie selber noch im Ballettsaal – als Lehrerin.

Alles in Balance

Komm tanzen“ mit Cornelia Graumann – jetzt hat sich die Leipzigerin von ihrem Refugium, dem Studio Tanzbalance im Zentrum-Südost, verabschiedet und es bereits an einen Nachfolger übergeben. „15 Jahre lang war ich Insel für andere. Männer und Frauen kamen, um sich zu bewegen, fernab vom Alltag, unbeobachtet und völlig frei. Jetzt gehe ich auf eine Insel“, sagt die Trainerin, die Anfang Juli ihre Heimatstadt in Richtung Rügen verlässt.

Ein bisschen Wehmut schwang mit, als die bald 60-Jährige von den Anfängen erzählte: in den 1960er-Jahren Tanzausbildung, ab 1989 Übungsleiterin für Popgymnastik und Fitnesstrainerin. Später beschäftigte sie sich mit Yoga und Pilates und bildete aus. Den verbindenden Gedanken des Tanzens nimmt sie mit in ihre neue Heimat.

Tänzerin Cornelia Graumann geht auf die Insel Rügen. Quelle: Regina Katzer

Von Regina Katzer

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