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Boris Lochthofen: Wellenreiter aus der Radiohölle

Boris Lochthofen: Wellenreiter aus der Radiohölle

Wie aus einem Radio sprudeln die Worte aus Boris Lochthofen. Der Marktverantwortliche von Regiocast und Geschäftsführer von Radio PSR und R.SA wirkt smart und streut geschickt "Werbeblöcke" ins Gespräch.

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On Air: Die Preisliste für Hörfunkwerbung trägt der Geschäftsführer von Radio PSR und R.SA auf dem USB-Stick in Form eines Zauberwürfels stets mit sich. Was die diversen Schließgeräte angeht, fährt der Chef eher das Sparprogramm: An seinem Bund sind ein Schlüssel für die Wohnung in der Südvorstadt, für das Haus der Eltern, für das Büro, den Briefkasten und den Keller. Der Fahrradschlüssel kommt leider viel zu selten zum Einsatz. Dafür ist der Kofferschlüssel oft in Gebrauch: Mit einem Alukoffer

Quelle: Putzmann Nick

Auch sein Schlüsselbund bleibt nicht vom Marketing verschont: Auf einem bunten USB-Stick, der an einen Zauberwürfel erinnert, sind die Anzeigenpreise für die Radioprogramme abgespeichert. Den Würfel verteilt der Chef überall, wo er Kunden wittert, auch abends in der Kneipe. Selbst der Briefkastenschlüssel dient vorrangig dem einen Zwecke: anhand der eingeworfenen Anzeigenblättchen die geschäftliche Werbe-Konkurrenz abzuchecken. Der 36-Jährige reitet stets auf der neuesten Welle, was Wirtschaft und Radiotrends angeht.

Herr Lochthofen, wir schließen morgens Ihre Haustür auf. Was ist da los?

(Lacht.) Die Radiohölle: In der Küche, im Bad, überall laufen andere Radiosender. Morgens ist ja Großkampfzeit für den Hörfunk. Da bin ich schon ein sehr hektischer Hörer. Für meine Frau ist das mitunter ein bisschen schwierig, denn ich höre alles querbeet: unsere Programme natürlich und dann noch andere öffentlich-rechtliche und private. Als Absolvent der Politik- und Medienwissenschaften interessieren mich natürlich auch ganz klassische Sender wie MDR-Info oder Deutschlandfunk. So kann ich mir dann ein Bild davon machen, wie gut wir sind, welche Themen wir haben und ob die Moderatoren morgens gut drauf sind.

Das ist ja die gute Laune "on air". Aber wie sieht es damit im Arbeitsalltag aus, wenn Sie den Büroschlüssel herumdrehen?

Da herrscht natürlich auch beste Laune! - Gut gemachte Heiterkeit ist ja ein sehr schwieriges Geschäft. Aber wir machen das gut und haben da auch bestimmte Mechaniken, das bedeutet: viel Energieaufwand, hohe Professionalität und ein gutes Gefühl für Themen. Die Leute schalten nur ein, wenn der Sender auch authentisch ist. Das ist auch mein Anspruch: Der Chef muss glaubwürdig sein, wenn er motivieren will.

Welches berufliche Schlüsselerlebnis führte Sie hierher?

Der Zufall. Ich arbeitete vor einigen Jahren in Berlin als freier Journalist für diverse Medien. Dann sprach mich jemand an, der sagte, es gäbe da so eine Radiotruppe, Regiocast. Die fragten mich, ob ich Lust hätte, die Unternehmenskommunikation aufzubauen. Das war eine tolle Gelegenheit, denn mich interessierten auch die Strukturen hinter den redaktionellen Inhalten. Dadurch bin ich quasi in die Radioecke abgebogen, ohne vorher dorthin unterwegs gewesen zu sein. Ich sehe das Ganze auch nicht als Wechsel vom Journalismus zur PR, sondern eher als eine Art ausgedehnte Recherchereise.

Sie sind im Herzen Journalist?

Ja, schon alleine durch meine Familie gab es da eine bestimmte Prägung. Mein Großvater war Journalist mit einer bewegten Biographie, und mein Vater, Sergej Lochthofen, arbeitete als Chefredakteur bei der Thüringer Allgemeinen. Er und meine Mutter haben 1990 das SED-Organ "Das Volk" unter hohem persönlichem Risiko in die Unabhängigkeit geführt. Das ist natürlich etwas, das ich als Sohn wahrgenommen habe und das mich beeindruckt hat. Durch die Familie kam ich auch sehr früh mit guter journalistischer Literatur in Berührung, mit Jack London, Hemingway, Tucholsky, Egon Erwin Kisch und so weiter.

Und so haben Sie als Kind schon rasender Reporter gespielt.

(Lacht.) Ja, tatsächlich. Ich saß nach der Schule draußen und habe Geschichten aufgeschrieben. Es passierte natürlich nicht so viel. Dann habe ich, völlig gaga, selber Zeitungen gemacht und sie meinen Eltern verkauft.

Wie haben Ihre Eltern gezahlt?

Oh, sehr schlecht. Aber wäre ich damals unternehmerisch so geschickt gewesen wie heute, dann hätten Sie gekauft und abonniert. (Grinst.)

Wenn Sie für einen Tag einen beliebigen Schlüssel haben könnten, welcher wäre das?

Am spannendsten wären natürlich Schlüssel zu den intimsten Stellen der Macht, zum Beispiel zum Weißen Haus. Oder ich hätte gerne einmal den Schlüssel zum Grünen Gewölbe in Dresden. Ich interessiere mich sehr für bildende Kunst und liebe den Kulturreichtum Sachsens.

 

 

@Alle Teile: www.lvz-online.de/schluesselfiguren

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 28.08.2013

Lisa Berins

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