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Claudia Nündel: Von der RFT-Dolmetscherin zur Kreuzfahrtdirektorin

Claudia Nündel: Von der RFT-Dolmetscherin zur Kreuzfahrtdirektorin

"Leipzig war mein Startpunkt. Hier bekam ich das Rüstzeug fürs Berufsleben. Vor allem meine Französisch-Ausbildung an der früheren Karl-Marx-Uni war top", sagt Claudia Nündel, als sie jetzt in einem Café in der Leipziger City am Kaffee nippt.

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Eine Seereise dauert ein wenig - Claudia Nündel sorgt für Abwechslung, Unterhaltung und Sicherheitsschulungen an Bord.

Quelle: Privat

Es ist eine Stippvisite. Die Kreuzfahrtdirektorin "überwintert" gerade in heimatlichen Gefilden, ehe sie im April auf einem jener Schiffsriesen wieder anheuert. Weiß Gott: Die 52-Jährige kam schon ganz schön herum in der Welt.

Gebürtig aus Döbeln, verbrachte sie einen Teil ihrer Kindheit in Ägypten: Der Vater arbeitete für die ägyptische Post und den Weltpostverein. "Eine Art sozialistische Entwicklungshilfe. Präsident Nasser wollte einen sozialistischen Weg einschlagen-", sagt Nündel. Und, dass sie jene Jahre in der Ferne geprägt hätten: "Schon damals keimte der Wunsch auf, später mal auf internationalem Parkett tätig zu sein". Ein Ziel, das sie vehement verfolgte.

Nach behüteter Kindheit und ausgezeichnetem Abitur in Grimma zog es sie 1981 zum Studium an die Pleiße. '85 hatte sie das Diplom als Dolmetscherin für Französisch/Spanisch in der Tasche. Und, wie sie sagt, so ihre Zweifel am DDR-Staat angestaut. Zunächst wurde sie aber von der Uni als Übersetzerin zum RFT Anlagenbau Berlin vermittelt. Die Perspektiven - nicht wirklich attraktiv. Sie wechselte ins hauptstädtische Grand Hotel. "Wo ich Größen wie Udo Jürgens, Mireille Matthieu, Udo Lindenberg- betreuen durfte." Was ihr zunehmend zu schaffen machte: "Die krassen Unterschiede zwischen dem Leben im Hotel und dem Leben ,draußen'", wo es infolge einer allseits spürbaren Mangelwirtschaft so unendlich schwer war, eine kleine ruinöse Einzimmerwohnung in einem alten Hinterhaus in Prenzlauer Berg halbwegs bewohnbar zu machen. Selbst "eine handfeste Eingabe an Erich Honecker, in der ich meinen ganzen Frust über alles bisher Erlebte abließ", brachte nichts. Und während 1987 die Stasi um die gut aussehende, qualifizierte Dolmetscherin erfolglos warb, hatte das Jahr darauf ein Hotelgast aus dem verpönten Westen bei ihr Glück. Mit Hilfe des Ostberliner Staranwalts Dr. Vogel konnte sie den Nürnberger am 21. August 1989 heiraten. Am 10. Oktober '89 wurde sie aus der DDR-Staatsbürgerschaft entlassen und reiste aus. "Mit üblen Folgen für die ganze Familie. Mein Vater etwa hatte diesen Schritt seiner Tochter offiziell zu rechtfertigen, und ich werde ihm nie vergessen, dass er zu mir hielt, anders, als seine Vorgesetzten sich das vielleicht erhofft hatten", erzählt Nündel.

Das Eheglück sollte nur kurz währen. Und beruflich hatte sich die junge Frau auf bundesdeutschem Boden von ziemlich unten hochzuarbeiten. Los ging das in einem renommierten Westberliner Tourismus Incoming Büro. Als Kaufmännische Angestellte. "Ich stapelte sehr tief, verdiente sehr wenig. Ich wollte erst schauen, was meine Ausbildung im Westen wert war. Und stellte schnell fest, dass ich allen mehr als das Wasser reichen konnte. Die Deutsch- und sogar Englischkenntnisse meiner westdeutschen Kollegen dort waren teils viel schlechter als die meinen", schildert sie schmunzelnd. Ein Schub fürs Selbstvertrauen!

In Düsseldorf sei es dann gewesen, wo ihr "zweites, wirklich interessantes Berufsleben" losging: Bei L'Oréal sammelte sie Erfahrungen in Marketing und Ökonomie. Beim nach Düsseldorf verlagerten, ehemals ostdeutschen Pharma-Unternehmen Ankerpharm (früher Ankerplast) stieg sie zur Assistentin der Geschäftsführung auf. Und dann lotste sie eine Freundin auf ein Kreuzfahrtschiff in Amerika. Royal Caribbean verpflichtete Nündel 1998 als Internationale Hostess zur Betreuung von Gästen verschiedenster Nationalitäten und Couleur. "Ein lang geträumter Traum begann wirklich zu werden. Für so etwas hatte ich in Leipzig studiert!" In der Folge heuerten sie Reedereien wie Costa Crociere für deren Ozeanriesen an, in den letzten Jahren bis heute MSC Kreuzfahrten. Aus der Hostess wurde die Assistentin des Kreuzfahrtdirektors - mit sprachlichem Talent im Dauereinsatz: Sie beherrscht halt Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch, Russisch, Deutsch. Und längst darf sie sich selbst Kreuzfahrtdirektorin nennen - auf Ozean-Riesen mit 3000 Gästen und über 1000 Besatzungsmitgliedern.

"Ich stehe 90 Mitarbeitern vor, mit denen ich das Unterhaltungsprogramm organisiere. Es sind Künstler, Sänger und Tänzer, deren Shows ich jeden Abend in traumhaften, an Land kaum auffindbaren Bordtheatern mehrsprachig präsentiere. "Ebenso gehören die Bild- und Tontechniker, Lounge-Techniker, Musiker, Animateure für Groß und Klein, Muttersprachler-Hostessen dazu", erzählt Nündel. Wobei es schon nicht einfach sei, Verantwortung für so viele Leute unterschiedlichster Mentalität zu tragen. "Da wird immer mal einer krank, verspätet sich oder, was auch schon vorkam, müssen wir jemanden vom Team ausfliegen, weil irgendwo am anderen Ende der Welt etwa die Mutter im Sterben liegt. Zudem habe ich etliche weitere Tages-Veranstaltungen zu präsentieren; täglich will mit allen Abteilungen auf dem Schiff das Bordprogramm erarbeitet sein. Alle Mitarbeiter müssen regelmäßig in puncto Job und Sicherheit auf dem Schiff geschult werden."

Nündel kreuzte in den zurückliegenden 16 Jahren nahezu alle Meere auf dem Globus. "Ich bin stolz, was ich da auf dem steinigen Weg in den internationalen Reedereien alles geschafft habe", meint sie lächelnd beim letzten Schluck Kaffee. "Und wenn Leute von Bord gehen, die sagen, die Reise sei das schönste Erlebnis ihres Lebens gewesen, bin ich einfach glücklich."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 14.02.2015

Raulien, Angelika

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