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Das ewige Model - Toni Knorr aus Leipzig präsentierte 36 Jahre lang die neueste Mode

Das ewige Model - Toni Knorr aus Leipzig präsentierte 36 Jahre lang die neueste Mode

Dieser Frau scheint ewige Jugend geschenkt worden zu sein: Wer Toni Knorr aus Stötteritz begegnet und erfährt, dass sie 78 Lenze zählt, kommt aus dem Staunen nicht heraus.

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Toni Knorr.

Quelle: Volkmar Heinz

Leipzig. Unglaubliche 36 Jahre lang präsentierte sie als Mannequin die neueste Mode. Als Model ist sie heute noch gefragt.

Es war Mitte der Fünfziger, als in Leipzig für eine zentrale Verkaufsmesse der DDR-Textilindustrie Mannequins gesucht wurden. Eine Nachbarin im kleinen Eilenburg, wo Toni aufwuchs, empfahl der jungen hübschen Frau, doch mal in die Großstadt zu fahren und sich vorzustellen. So machte sich Toni auf den Weg zu Stentzlers Hof, passierte ungeniert eine lange Schlange wartender Frauen ("Ich dachte, die stünden vor einem Fischgeschäft an") - und wurde auch schon in Augenschein genommen. Die Freude bei den Begutachtern war groß: "Endlich mal eine ganz Junge. Die ist aber niedlich", schallte es ihr entgegen. Prompt hatte die damals 21-Jährige, die gerade ihre Ausbildung zur Kauffrau abgeschlossen hatte, einen neuen Job. Erster Einsatz im Mai 1956 - als Putten-Model, wie die Nachwuchskräfte in der Branche genannt wurden.

Es folgte eine aufregende Zeit, die bis 1992 dauerte. Toni - nach ihrer ersten Hochzeit Toni Krüger - nahm an unzähligen Modenschauen im In- und osteuropäischen Ausland teil, präsentierte mit Charme und Gefühl die Modelle von DDR-Spitzenfirmen der Modebranche wie Bormann (Magdeburg), Lucie Kaiser (Altenburg), Mönter & Stieler (Dessau), Brühlpelz (Leipzig) oder Textilkombinat Cottbus. Gebucht wurde das mit 1,68 Meter Körpergröße für heutige Verhältnisse geradezu kleine Model auch für Modefilme und -fotos. Es lächelte von Illustrierten-Titelseiten und warb für etliche Produkte: vom Schnellkochtopf über Komet-Speiseeispulver bis zu Halberstädter Würstchen. Und immer wieder Ausdruck und Posen - ein Knochenjob. "Ich habe mich stets bemüht, die Modelle zu 'fühlen', als wären sie eine zweite Haut. Es ging schließlich nicht um mich, sondern darum, Ware zu verkaufen", so ihr Credo.

Eine solche Arbeitsauffassung macht Freunde. In den Achtzigerjahren wurde innerhalb der "Plauener Spitzen"-Industrie der exklusive "Salon Plauener Spitze" geboren. Jedes Kleid ein Unikat: edel in Qualität und Preis. Genau das Richtige für Größen aus Partei und Regierung, interne Modenschauen für ihre in- und ausländischen Gäste zu veranstalten. Manchen Ministern gefielen nicht nur die Kleider, sondern auch das, was darunter steckte. Doch da war Toni Krüger zwischen: "Mit mir nicht, Genosse Minister, gucken erlaubt, anfassen verboten."

Auch der Klassenfeind wurde aufmerksam. Grete Schickedanz wollte sie für den Katalog ihres Versandhauses Quelle buchen. "500 D-Mark pro Tag hätte es gegeben. Das war absolute Spitze." Doch der Traum von der Reise nach drüben und den harten Devisen platzte, es blieb bei der Ost-Mark. "Bei uns habe ich deutlich weniger verdient. Für Werbeaufnahmen, etwa für das Konsument-Warenhaus im Jahr 1968, wurden 60 Mark gezahlt. Und damals hatte ich schon einen Namen und habe mich auch mal getraut, über das Honorar zu reden", schildert Toni Knorr.

Kontakte zu westlichen Firmen stellten sich dennoch ein. Bei Einsätzen während der Internationalen Messemodenschauen in Leipzig war Toni häufig auf Tuchfühlung mit Stoffen aus Ita- lien, Frankreich oder Schweden. Zudem geriet sie in den Fokus der Araber. Ein Scheich muss ihre verblüffende Ähnlichkeit mit der jungen Liz Taylor bemerkt haben. "Er wollte mich kaufen. Als er dann vom Leipziger Messeamt erfuhr, dass ich einen Ehemann habe, war er empört." Eine verheiratete Frau im Rampenlicht einer Modenschau - für den Gast aus der Ferne ein Skandal.

Der Erfolg des attraktiven Mannequins setzte sich nach der Geburt des zweiten Kindes fort. Vorausgegangen war eine Tortur, die zum Modeln gehört wie die Gerte zum Reiter. "Was ich gehungert habe, das kann sich keiner vorstellen. Bis runter auf 48 Kilo. Nur wer schlank war, bekam viele Aufträge. Das war schon immer so", sagt Toni Knorr. Als die Karriere nach der Wende zu Ende ging, gab es für sie kein Halten mehr. "Ich habe mich erst mal satt gegessen", erzählt die gebürtige Weißenfelserin. Heute trägt sie Konfektionsgröße 44 und fühlt sich pudelwohl. Auch wenn ihr zweiter Mann Wolfgang sie hin und wieder "Moppelchen" ruft. "Ich nehme es, wie es kommt, tue aber auch etwas für meinen Körper, trainiere einmal in der Woche im Fitnessstudio, mache Wassergymnastik im Schwimmbad und schwitze in der Sauna. Jeden Tag eine Stunde spazieren gehen ist zudem gut für Rücken und Nerven."

Und so meldet sich manchmal sogar das alte Leben zurück. Hin und wieder, wenn schicke Klamotten ins Bild zu setzen sind, modelt Toni Knorr in Sendungen des MDR-Fernsehens; zuletzt gemeinsam mit dem Gatten. Als Komparsin spielt die ewig Junggebliebene ebenfalls eine gute Rolle. Gerade erst ist sie für die ZDF-Produktion "Soko Leipzig" besetzt worden. Als Bistro-Besitzerin. "So erfülle ich mir doch noch einen Kindheitstraum, denn eigentlich wollte ich Schauspielerin werden", sagt Toni Knorr und feilt auf dem Augustusplatz an ihrer Pose. Ein Bild des jungen Mannequins in einem Benazzi-Kostüm, das der frühere Modefotograf Rainer Dorndeck 1966 produzierte, soll 47 Jahre später nachgestellt werden. Die 78-Jährige hat sich in Schale geschmissen, zieht die Umstehenden schnell in ihren Bann. LVZ-Bildchef Volkmar Heinz, der die Idee zu diesem Shooting hatte, ist hin und weg, das Promotionteam an einem Skoda-Stand, das auf Toni Knorr aufmerksam wird, nicht minder. Gelernt ist eben gelernt.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 11.11.2013

Dominic Welters

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