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Der Sanierer - Leipzigs Zoochef Jörg Junhold im Porträt

Der Sanierer - Leipzigs Zoochef Jörg Junhold im Porträt

50 Jahre - 25 Jahre Leben in der DDR, 25 im wiedervereinten Deutschland. Jörg Junhold hat viel daraus gemacht. Als er 1997 Direktor des Zoologischen Gartens in Leipzig wurde und sich gegen die Konkurrenz von 55 Mitbewerbern durchsetzte, wurde der promovierte Veterinär der jüngste Zoochef hier zu Lande.

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Sein bisheriges Meisterwerk: Leipzigs Zoodirektor Jörg Junhold wenige Tage vor der Eröffnung der riesigen Tropenhalle Gondwanaland Anfang Juli 2011.

Quelle: Christian Nitsche

Leipzig. Er war ein Quereinsteiger, der sich nach dem Studium an der hiesigen Universität zunächst um die Vermarktung von Nahrung für Heimtiere gekümmert hatte.

"Ich habe den Sprung gewagt, wusste aber von der riesigen Verantwortung, die ich mir auflud. Ich hatte eine Grundidee, wie sich der Zoo entwickeln soll. Wie das alles letztlich gelaufen ist, konnte ich vor 16 Jahren nicht ahnen", sagt Junhold anlässlich seines heutigen 50. Geburtstages. Dem umtriebigen Manager war schnell klar, dass es ein veritabler Sanierungsjob ist, den er da übernommen hatte. Es galt, grundlegende Entscheidungen für die Entwicklung des in die Kritik gekommenen Zoos zu treffen. Junhold bat erst mal nicht um Geld, sondern um Zeit, um strategische Entscheidungen vorbereiten zu können. Höchste Ansprüche an die Tierhaltung und der Artenschutz mussten zusammengebracht werden mit den neuen Freizeitbedürfnissen des Publikums. Im Jahr 1999 wurde dann als Grundidee der "Zoo der Zukunft" geboren. Junhold weiß noch, wie er in seinem ersten Interview mit der Leipziger Volkszeitung davon sprach, wieder eine Million Besucher im Jahr zu haben. Längst Geschichte. Junholds Anspruch lautet unverändert: "Das, was wir tun, müssen wir gut tun, und wenn wir etwas Neues entwickeln, müssen wir innovativ und immer ein Stück besser sein gegenüber dem, was es schon gibt." Das wurde mit aller Konsequenz durchgezogen - von der Pongoland-Eröffnung im Jahr 2001 über die Gondwanaland-Fertigstellung 2011 bis hin zur Freigabe des Leoparden-Tals vor wenigen Tagen.

Der Zoo ist, keine Frage, seine Erfolgsgeschichte. Heute ist Junhold der Vorgesetzte von 250 Mitarbeitern. Als er anfing, stand ihm ein Etat von 5,5 Millionen Euro zur Verfügung. Heute sind es 30 Millionen Euro. Wurden einst 1,5 Millionen Euro erwirtschaftet, sind es nun 27 Millionen Euro, wovon 20 Millionen Euro durch Eintrittsgelder akquiriert werden. War die Stadt Leipzig früher zu einem Drittel Zoo-Finanzier, so schießt das Rathaus inzwischen nur noch zehn Prozent zu. Auch an den Zahlen sehe man, was in den vergangenen Jahren passiert sei. Junholds Zoo spielt längst in der Champions League der Zoologischen Gärten und auf dem Niveau von Wien und Zürich. Junhold weiß, wovon er spricht. 200 Zoos hat er als Vorsitzender des Internationalen Zoo-Verbandes, dem er zwei Jahre lang vorstand, in aller Welt besucht. Leipzig wird er treu bleiben. Bisher gibt es keine Anzeichen, dass ihm der Job keinen Spaß mehr macht. "Solange ich die Chance habe, hier Neues zu gestalten, habe ich keinen Grund, über Veränderung nachzudenken", sagt Junhold. Der Vertrag währt bis 2015, er hat angezeigt, über eine Verlängerung reden zu wollen.

Daheim ist Herr Zoodirektor in Panitzsch. Er hat Familie, Frau, zwei Kinder, 13 und 15 Jahre alt. Privat ist privat, eine Homestory gibt es nicht. Diese Tür bleibt zu. Auf dem sanierten Bauernhof legt der gelernte Baufacharbeiter gern Hand an, auch mit der Maurerkelle. Tiere gibt es, die Kinder haben sich um Katzen und Kaninchen zu kümmern. Junhold liebt alte Fahrzeuge, eine kleine DDR-Flotte steht in seiner Scheune. Wenn's Herrn Direktor so ist, heizt er auf einem Zweirad durchs Muldental. Auch das macht den Kopf frei.

Jüngst war Junhold wieder mal in Ortrand. In dem Städtchen, das nun zu Brandenburg gehört, kam er vor 50 Jahren zur Welt. Zur 775-Jahr-Feier der Stadt durfte er sich als aktuell bekanntester Sohn des Ortes ins Goldene Buch eintragen. Im Kreis Bad Liebenwerda, wo der Vater Tierarzt war, wuchs er auf und bekam von klein auf die Liebe zu den Tieren vermittelt. Wenn nun in Junholds Meisterstück - dem Gondwanaland - zum Geburtstagsempfang geladen wird, ist Junhold senior dabei. Seinen Eltern verdankt Sohn Jörg eine Maxime, nach der er im Leben stets unterwegs ist: "Du musst immer gut sein." Bliebe die Frage nach seinem Lieblingstier: "Es ist kein Geheimnis, dass es mir die Elefanten besonders angetan haben. Sie haben Eigenschaften, mit denen ich mich sehr wohl identifizieren kann. Sie sind majestätische, schöne Tiere, sie sind stark, aber doch sensibel, sie haben ein hervorragendes Gedächtnis und sind unheimlich sozial. Ich habe sie in der freien Wildbahn mehrfach erlebt. Unvergessen mein Besuch in einem Elefantenpark in Südafrika, wo ich ganz allein mit einem Mietauto in einer Elefantenherde stand. Das war einfach traumhaft."

Und welches Tier ist eigentlich so alt wie sein Direktor? - "Die Geierschildkröte, im Terrarium gleich rechts, die kann 100 werden." Jörg Junhold hat das auch vor.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 26.03.2014

Thomas Mayer

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