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Die letzte Diakonisse geht in den Ruhestand

Die letzte Diakonisse geht in den Ruhestand

Vor Ort in Lindenau, im Mutterhaus, verbringen mit ihr jetzt fortan insgesamt zehn Schwestern ihren Lebensabend. "Es scheint, als ob die alle nur auf mich gewartet hätten!", meint Schwester Maria mit verständnisvollem Schmunzeln.

. Immerhin ist sie mit ihren 65 Lenzen nun die Jüngste dieser kleinen Gemeinschaft, deren ganzes Tun ein im christlichen Glauben verrichteter Dienst am Nächsten war.

Aufgewachsen in Grimma, hatte Schwester Maria im August 1965 erstmals ihren Fuß in die evangelische Heilstätte im Leipziger Westen gesetzt. Da der Staat damals die Ausbildung junger Leute "nicht gern der Kirche überließ und diese selbst nur für ihren Bedarf ausbilden durfte", wie sie sagt, habe sich ihr Berufswunsch mit seiner speziellen christlichen Prägung seinerzeit nur über die "Erwachsenenqualifizierung" verwirklichen lassen, der ein "Helferinnenjahr" vorausging. Doch wenngleich der Weg etwas müßig war, Maria Wermuth wurde im Diakonissenkrankenhaus zur Krankenschwester ausgebildet; bekam ihren Facharbeiterbrief; erlangte einen Wissensschatz, den sie ab 1974 - bis auf wenige Unterbrechungen - letztlich selbst an den Nachwuchs in der hauseigenen Berufsfachschule weitergab. "Immerhin waren das 40 Jahrgänge mit jeweils 20 Schülern", flicht Krankenhaus-Geschäftsführer Pfarrer Michael Kühne an dieser Stelle ein. "Wobei es anfangs hauptsächlich junge Frauen waren. Erst mit der Einführung des Zivildienstes kamen zunehmend junge Männer, von denen dann etliche auch blieben", fährt Schwester Maria fort. Es wird spürbar: So ganz losgelassen hat sie "ihre" Schule offenbar noch nicht. "Also, bei der Abnahme der Prüfungen jetzt mache ich noch mal mit", kommt es denn auch prompt.

Natürlich - morgens punkt 6 Uhr müsse sie nun nicht mehr zum Dienst erscheinen. Dennoch bliebe im Hause noch gut zu tun: "Sowohl der Garten als auch das Archiv des Krankenhauses bedürfen einer ordnenden Hand." Pfarrer Kühne nennt es charmant lächelnd nicht Ruhestand, was Schwester Maria nun alles auf dem Schirm hat. "Es ist nur der Wechsel in einen neuen Dienst", formuliert er.

Ob es sie traurig stimme, dass mit ihrem beruflichen Ausscheiden niemand mehr in Diakonissentracht in Lindenau den Job macht? "Ach, zum Traurigsein hatte ich noch gar keine Zeit", winkt sie ab. Und Kühne hakt mit einer Portion Zuversicht ein: "Ich habe doch noch die Vision, dass das Lebenskonzept der Diakonissen - füreinander da zu sein, für eine Aufgabe einzustehen - Menschen anspricht und, gewiss den gesellschaftlichen Gegebenheiten angepasst, auch weiterhin gelebt wird."

"Die Sache geht weiter!", gibt sich unterdessen auch die Schwester überzeugt. Es gebe ja auch heute junge Frauen, die zwar inzwischen verheiratet sind, aber diesen Beruf ebenso als Berufung verstünden. "Der Inhalt trägt sich weiter. Aber die Form, was unsereinem vielleicht lieb und wert ist, muss eben auch zur Sache passen - und nicht um ihrer selbst willen erhalten werden", sagt sie. Seit 1836 Pfarrer Fliedner in Kaiserswerth die Arbeit der Diakonissen begründet habe, hätten sich nun mal die Stellung der Frau und das gesamte Gesundheitswesen verändert - "Da liegen uns heute ganz andere Aufgaben zu Füßen - wenn ich nur an Streetwork, an Migrantenbetreuung denke - die auch andere Formen zur Bewältigung benötigen."

Fast ein bisschen kämpferisch mutet es dennoch an, wenn Maria Wermuth die schlichte graue Schwesterntracht zurecht zupft und namens ihres, in die Jahre gekommenen Häufleins Mitschwestern so kategorisch meint: "Aber überhaupt - was heißt, wir Diakonissen sind weg? Wir sind hier im Klinikgelände schon noch präsent! Eine jede hat hier ja noch so ihr Ämtlein, das sie - zugegeben nun noch nach Kräften - ausfüllt!"

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 11.07.2014
ANgelika Raulien

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