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Ein Tagesvater, zwei Sprachen und ein bisschen Bolivien in Leipzig

Ein Tagesvater, zwei Sprachen und ein bisschen Bolivien in Leipzig

Germán Muruchi Poma stammt gebürtig aus Bolivien, zählt ethnisch gesehen sowohl zum Indio-Volk der Quechua als auch der Aymara und in Leipzig zu einer besonderen Gruppe: Poma ist Tagesvater.

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Hält viel davon, Kinder zweisprachig und interkulturell zu erziehen: Germán Muruchi Poma stammt gebürtig aus Bolivien und arbeitet als einer der wenigen Tagesväter in Leipzig.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Einer der wenigen unter den 571 von der Verwaltung registrierten Tageseltern in der Stadt und der einzige unter dem Dach der Volkssolidarität, die neben ihm fünf weitere Tagesmütter beschäftigt.

"Rumi" steht auf dem Klingelschild zu der Erdgeschosswohnung eines Mehrfamilienhauses in Kleinzschocher. Kein Nachname, sondern ein Begriff aus der indigenen südamerikanischen Sprache Quechua, der wörtlich "Stein" bedeutet. Im übertragenen Sinn heißt das: Der Gast steht an der Schwelle zu einer Parterrewohnung. "Rumi" verrät damit viel über den 63-jährigen Mann, der die Tür öffnet.

Sein Job sei "eine Frauendomäne", bemerkt Tagesvater Germán Muruchi Poma in tadellosem Deutsch und lacht. So als müsse auch er sich manchmal noch darüber wundern. Poma mag eine Ausnahmeerscheinung in seinem Metier sein. Aber er steht enorm hoch im Kurs bei Eltern, die Wert auf eine zweisprachige Erziehung legen. Und auf Kultur."Ich beherrsche Quechua und Aymara", verdeutlicht der Lateinamerikaner, "Spanisch ist meine Muttersprache."

In der bolivianischen Provinz geboren, ist er interkulturell geprägt aufgewachsen. Sein Hintergrund, sagt Poma, "spielt auch für meine Kinder eine große Rolle". Gemeint sind nicht nur die leibliche Tochter und der leibliche Sohn, sondern auch die fünf Knirpse im Alter zwischen ein und drei Jahren, die Poma in seiner Erdgeschosswohnung betreut. "Ich habe es bei meinen eigenen Kindern erlebt, wie vorteilhaft es ist, zweisprachig aufzuwachsen", erklärt er. Zumal auch Kultur über Sprache transportiert werde. Und das ist ihm wichtig.

Mit acht Brüdern wurde Poma in einer Gegend groß, wo den Menschen Mutter Erde heilig ist. "Buen Vivir" laute dort die Alltagsphilosophie, "das gute Leben", übersetzt Poma. Deswegen pflanzt er im Hinterhof Kartoffeln mit den Kindern, besucht mit ihnen den Garten, den er hobbymäßig mit seiner Frau bewirtschaftet - übrigens einer Deutschen.

"Nach dem Abitur in Bolivien bin ich 1974 nach Leipzig gekommen, um zu studieren", erzählt Poma. Sieben Jahre später schließt er in Wirtschaftswissenschaften ab, promoviert und lässt sich nach kurzer Rückkehr in die Heimat mit seiner Familie wieder hier nieder. Seine Kultur bringt er mit, schreibt zunächst darüber. Im März 2007 veröffentlich Poma eine Biografie über Boliviens Präsident Evo Morales, schildert dessen Karriere vom Kokabauern zum Regierungschef. Der Autor und der Staatsmann stammen aus demselben Volk.

Seit September 2012 arbeitet Poma als Tagesvater. Die Entscheidung dazu war für ihn schlicht die Summe aus den Faktoren Herkunft und Familie. Er besucht Lehrgänge und Schulungen, holt sich die nötige Pflegeerlaubnis beim Jugendamt und liest bis heute viel über Psychologie und Spracherwerb bei Kindern. "Durch ihre Empathie nehmen Kinder Sprache intensiver auf, als Erwachsene", rezitiert Poma. So müsse er weder die Knirpse noch sich selbst zwingen, Spanisch zu sprechen, die Neugier komme von ganz alleine. "Das ist ja das Wunderbare an Kindern", sagt Poma.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 07.12.2013

Felix Kretz

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