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Ein ganz hohes Tier

Ein ganz hohes Tier

"Eigentlich wollten wir gar kein Haustier haben", gibt Teta Moehs zu. Kein Wunder, denn die Konsulin ist berufsbedingt ständig auf Achse, reist durch Deutschland, regelmäßig in die USA und wird alle paar Jahre in ein anderes Land versetzt.

Trotzdem oder gerade deswegen hat sich die 53-Jährige für ein Haustier entschieden. "Es ist erstaunlich, wie viele Menschen, die oft umziehen müssen, ein Haustier haben", berichtet die gebürtige Frankfurterin, deren Eltern sich im amerikanischen Bundesstaat New York niederließen, als sie vier Jahre alt war. "Es ist ein Stück Heimat, das man immer mitnimmt."

Dass Mina jetzt durch ihre Wohnung tigert, ist dem Zufall zu verdanken. Die Katzendame kam vor zwölf Jahren in die Familie, als Moehs in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul arbeitete - damals noch als Ortskraft der amerikanischen Botschaft. "Ein deutscher Freund hat im Squash-Raum des Hyatt-Hotels ein Miauen gehört", erinnert sich die Amerikanerin. Ein Kätzchen steckte in einem Rohr fest, aus dem es nach drei Stunden mühevoll befreit werden konnte.

Doch bei seinem Lebensretter konnte das Tier nicht bleiben. "Er war sehr viel unterwegs und musste eine neue Familie suchen", so Moehs. Die weiß-orange gescheckte Schönheit kam vor allem auf Drängen ihrer zu diesem Zeitpunkt sieben Jahre alten Tochter Alina in die Familie. "Dazu kam, dass ich für vier Monate für meine Ausbildung zur Konsulin in die USA reisen musste und in dieser Zeit getrennt von meiner Tochter war." Mina tröstete damals Alina nicht nur über die Zeit ohne ihre Mutter hinweg, sondern wurde ein festes Familienmitglied.

Nach ihrem Dienst in Korea vertrat Teta Moehs die USA zwei Jahre lang in Berlin, vier Jahre in Peking und ab August 2013 in Leipzig. "Gerade für unsere Tochter, die Einzelkind ist, hat Mina die Umzüge immer erleichtert", verrät sie. Doch auch für die Katze brachte jeder Dienstort neue Herausforderungen mit sich. "Wir haben im Berliner Stadtteil Grunewald gelebt, wo es viele Wildschweine gibt", erinnert sich die Diplomatin. "Glücklicherweise hatten wir einen Zaun."

Im riesigen Botschaftsgebäude in China habe sich Mina dafür im Treppensteigen üben können. Grundsätzlich sei sie eine sehr anpassungsfähige Schmusekatze. "Nach einem Umzug verkriecht sie sich immer erstmal in die Ecke, aber nach ein paar Tagen nimmt sie ihr neues Zuhause an", sagt die Katzenliebhaberin. Auch daran, dass kein Garten zur Leipziger Wohnung gehört, in dem sie auf Pirsch gehen kann, habe Mina sich schnell gewöhnt.

Als Jugendliche habe die Katze dagegen ein wildes Gemüt gehabt. Das bescheinigte auch der koreanische Tierarzt bei der ersten Impfung. "Sie wollte nicht stillhalten", sagt Moehs lachend. Wie ihr Mann Bill mit einem Augenzwinkern berichtet, hätte der Stubentiger sogar einmal beinahe ein Problem mit dem Militär bekommen: "Als wir in Seoul einmal bei einem General eingeladen waren, hatte Mina plötzlich einen Baby-Fasan, der im Garten herumlief, im Maul." Doch der kleine Vogel überlebte und der Frieden blieb gesichert. Kulinarisch halte sich Mina bis auf den Vorfall mit dem Fasan allerdings an die Gepflogenheiten ihres Geburtslandes: "Es muss Fisch sein", betont Teta Moehs. "Der wird jedoch ohne Stäbchen gegessen", witzelt ihr Mann Bill. "Wir versuchen, sie nicht zu sehr zu verwöhnen."

Obwohl die Mieze im Laufe der Jahre ruhiger geworden ist, flammt ihr wilder Charakterzug auch heute noch dann und wann auf, wenn sie auf Artgenossen trifft. "Vor allem mit den chinesischen Katzen hinter dem Fenster hat Mina immer heftig diskutiert." Von Katern lässt sie ebenfalls lieber die Pfoten. Das könnte mit Verständigungsschwierigkeiten zusammenhängen, schließlich wird zu Hause Englisch gesprochen. "Koreanisch würde sie bestimmt nicht mehr verstehen", lacht Moehs, die dieses Jahr wieder in ein anderes Land berufen wird. Wo genau es die Familie hinziehen wird, ist noch nicht offiziell. Fest stehe aber, dass Mina auch am neuen Arbeitsort nicht fehlen darf.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 18.02.2014
Felix Forberg

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