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Erster Leipziger Bürgermeister hat Dienst am Wickeltisch

Bonew in Elternzeit Erster Leipziger Bürgermeister hat Dienst am Wickeltisch

Seit einigen Wochen war Finanzbürgermeister Torsten Bonew (CDU) nur noch selten im Leipziger Rathaus anzutreffen. Dafür hat er einen guten Grund: Elternzeit. Er kümmert sich zuhause um Sohn Jacob.

Einfach mal so durch die Stadt gehen und sich entspannt irgendwo niederlassen – das schafft Torsten Bonew nur jetzt in der Elternzeit.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Seit einigen Wochen war Finanzbürgermeister Torsten Bonew (CDU) nur noch selten im Rathaus. Dafür hat er einen guten Grund: Elternzeit! Sohnemann Jacob wird im September ein Jahr alt. Bevor der kleine Mann dann ganztags in die Kita geht, hat er beide Eltern ganz für sich alleine – Mama und Papa teilen sich seit Juli den Dienst am Wickeltisch. Mutter Anja Schöpe (34) arbeitet ebenfalls in der Stadtverwaltung, im Ordnungsamt. Sie will ebenfalls Mitte September in ihren Job zurückkehren.

Dienstliche E-Mails erreichen den obersten städtischen Finanzchef derzeit nicht, dienstliche Anrufe nimmt er selten an, seinen Kalender hat er ausgeschaltet. „Ich habe lange überlegt und mit Freunden gesprochen, die auch Elternzeit genommen haben. Warum sollte bei einem Bürgermeister nicht gehen, was bei einem Sachbearbeiter geht?“, fragt der 46-Jährige. Sein Vertreter im Dezernat, sein Persönlicher Referent sowie sein „erstklassiges Büro“ schwingen den Laden auch mal eine Weile ohne ihn. Wichtige Unterschriften hat Bonew sogar schon zu Hause auf seiner Terrasse geleistet. Bei den allerwichtigsten Terminen zur Zukunft Leipzigs ist er ohnehin dabei. „Und damit in der Zwischenzeit niemand das Geld mit vollen Händen ausgeben kann, hab’ ich alles gut abgeschlossen“, lacht er.

Auf dem Spielplatz oder im Café falle ein Vater mit Baby längst nicht mehr auf: „Das ist inzwischen Normalzustand, und das ist auch sehr schön so.“ Wie alle stolzen Eltern weiß der Papa nur Gutes über seinen Sprössling zu berichten: Der Kleine schläft nachts durch, hat ohne Probleme die ersten acht Zähne bekommen, hat viel Spaß am Babyschwimmen mit dem Papa und will gerade laufen lernen. „Unsere gemeinsamen Baumarktbesuche haben schon begonnen. Außerdem liebt er es, mir beim Rasenmähen zuzuschauen“, freut sich Papa Bürgermeister. Wenn es nach ihm geht, fände er es toll, später mit seinem Jungen zusammen „heimwerken“ zu können, unter anderem soll im heimischen Garten in Thekla ein Baumhaus entstehen.

Mit der großen Tochter dem Abitur entgegengehen, mit der Kleinen die Hürden der zweiten Klasse meistern und dem Baby die Windeln wechseln – so gestaltet sich derzeit der Alltag des Bürgermeisters. Der Tagesablauf wird vom kleinen Sohn bestimmt. „Das ist überhaupt nicht anstrengend, sondern Erholung pur und wunderschön“, strahlt Bonew. Der Bürgermeister hat schon eine 17-jährige Tochter aus erster Ehe, seine Lebensgefährtin hat eine achtjährige Tochter mitgebracht. Der gemeinsame Sohn macht nun die Familie komplett. Als erfahrene Eltern sehen Mama und Papa manches gelassener als damals bei ihren Erstgeborenen.

Abgesehen von aller privaten Freude an der Familie, hat der junge Papa ganz neue Erfahrungen gewonnen. Als es um den Antrag für die Elternzeit ging, lernte er die Widrigkeiten der Bürokratie kennen. Bei den nötigen Gängen zum Standesamt, zur Elterngeldstelle oder Kindergeldstelle erlebte er die Verwaltung aus einer anderen Perspektive: „Da schickt man der Stadt die gleiche Urkunde zu, die man vorher erst von der Stadt bekommen hat. Es müsste doch reichen, wenn die Daten einmal online eingegeben worden sind“, findet er. Einen Kitaplatz hat die Familie zum Glück schon sicher: „Wir konnten die Geschwisterregel nutzen, Grundschule und Kita haben den gleichen Träger.“ Zu den Spielplätzen und Parkanlagen in seiner Wohnnähe hat Bonew eine ganz andere Beziehung entwickelt, seit er sie mit dem Kinderwagen erkundet. Dass die Fuß- und Fahrradwege im Wohngebiet eher schlecht sind, weiß er inzwischen. Welche Restaurants besonders kinderfreundlich sind und welche nicht, ebenfalls.

Nach seiner Rückkehr in den Job will sich der Dezernent einen Nachmittag pro Woche terminfrei halten und seinen Sohn von der Kita abholen, „weil die Zeit, in der die Kinder klein sind, so schnell vorbei ist“. Am Wochenende wird er keine dienstlichen Termine wahrnehmen, und wenn doch, dann mit der ganzen Familie.

Von Kerstin Decker

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