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Franziska Rothe - die "Ersthelferin" von der Kinderintensivstation

Beistand für Eltern Franziska Rothe - die "Ersthelferin" von der Kinderintensivstation

Baby Liana-Michelle schläft friedlich im Bettchen auf der Kinderintensivstation des Leipziger Uni-Klinikums. Eine Trachialkanüle im Hals sorgt dafür, dass die Kleine Luft bekommt. Franziska Rothe, Elternberaterin der Station, findet beruhigende Worte für Mutter Franziska Erbe (25) und Vater Marco Baunack (28).

Franziska Rothe von der Kinderintensivstation des Uni-Klinikums hilft den Eltern Franziska Erbe und Marco Baunack, die mit der Krankheit der Kleinen verbundenen Fragen und Probleme zu bewältigen.

Quelle: André Kempner

Leipzig. "Unsere Tochter ist ein Kanülenkind", sagt Franziska Erbe über den künstlich geschaffenen Luftweg, der nötig war, weil das Mädchen vor acht Monaten mit einem Gendefekt zur Welt kam, der eine freie Atmung auf normalem Wege unmöglich macht. In seinen ersten fünf Lebensmonaten verblieb das Kind auf der Frühchenintensivstation der Klinik, danach gab es eine Reha. Jetzt aber hatte es einen Infekt, den nun wiederum die Mediziner auf der Kinderintensivstation in den Griff bekommen wollen.

Kaum nachvollziehbar, wie sehr solch eine Situation Eltern belastet. Wie viele Sorgen, wie viele Fragen auf sie einströmen. Und wie wenig Zeit Ärzte und Schwestern im Klinikalltag haben, sich einem einzelnen Elternpaar zuzuwenden. "Wir sind froh, dass es Frau Rothe hier gibt", bekennt Franziska Erbe denn auch frank und frei. "Ihre psychologische, ihre seelsorgerische Art. Anders gesagt: Man kann sich bei ihr auch mal so richtig ,auskotzen', wenn einem danach zumute ist", sagt die junge Frau und entschuldigt sich für die Wortwahl, die letztlich die so oft aufbrechenden Momente verzweifelter, innerster Aufgewühltheit beschreibt. Und die ebenso Liana-Michelles Vater ereilen. "Ich bin dankbar, dass sich Frau Rothe sogar bei meinem Arbeitgeber für mich eingesetzt hat und ich eine Freistellung bekam, um bei der Kleinen zu sein", fügt Marco Baunack hinzu.

70 bis 100 Eltern in ähnlichen Situation betreut Franziska Rothe mittlerweile jährlich. "Die Uni-Kinderklinik ist ja ein Zentrum zur Behandlung seltener Krankheiten und hat von daher ein großes Einzugsgebiet für Patienten - vom Baby bis zum 18-Jährigen. Viele von ihnen werden regelmäßig auf unserer Kinderintensivstation behandelt, somit bestehen Kontakte teilweise über viele Jahre", erzählt die 33-Jährige. Sie erlebt junge Patienten, die nach einem Unfall, nach dem Sturz in einen Gartenteich, nach einem Schlaganfall oder einer plötzlichen schweren Erkrankung eingeliefert werden. Rothe muss dabei nahezu multifunktionl agieren. Krisenintervention gehört oft dazu: "Etwa, wenn Eltern eine schlimme Diagnose ereilt.

Oder es gilt, sie in Wartezeiten zu unterstützen, in denen sie noch nicht zu ihren Kindern dürfen, weil Ärzte noch vollauf mit der Notfallversorgung beschäftigt sind", sagt sie. Und, nicht genug damit, dass viele Mütter und Väter - die schweren Probleme ihres Kindes vor Augen - immer neue Fragen haben: Zugleich gehe damit oft auch eine Vielzahl behördlicher Dinge einher. "Eltern werden da mit Sachen konfrontiert, die man normalerweise für ein Kind nicht im Sinn hat. Die Pflegestufe, den Schwerbehindertenausweis oder die Kostenübernahme für nun nötige Hilfsmittel bei den Kassen beantragen. Teils müssen auch die Arbeits- und Wohnsituationen der Familien neu gestaltet werden", so Rothe.

Alles das macht sie; hilft Formulare ausfüllen; informiert Eltern darüber, was ihnen in ihrer Situation zusteht, ihnen bloß kaum einer sagt. Oder sie setzt Widersprüche auf, wenn Krankenkassen wieder mal einen bestimmten Rollstuhl ablehnen. Und sucht Kontakt zu einer Kita, wenn ein Steppke - etwa nach einem Unfall - wieder dorthin zurückkehren soll, sich leider aber in einem anderen Zustand als zuvor befindet.

Und sie kontaktiert ambulante Kinderpflegedienste, die nach dem Klinikaufenthalt die Versorgung eines jungen Patienten übernehmen müssten, weil die Betreuung daheim zu komplex ist und die elterlichen Kräfte übersteigt. "Die Dienste werden dann durch unser Pflegeteam bereits auf der Station eingearbeitet, um die speziellen Bedürfnisse kennenzulernen", schildert Rothe. Irgendwie, überlegt sie, sei in diesem Land alles geregelt. Die medizinische, die therapeutische, die Hilfsmittel-Versorgung. "Nur nicht, wie eine Familie nach einem tragischen Ereignis die neuen Lebensumstände in ihren Alltag integrieren kann. Ich sehe mich als Ersthelfer, der sie auf den Weg dahin begleitet."

Doch bei all dem: Die junge Frau, diplomierte Pflege- und Gesundheitswissenschaftlerin, ist auch "nur Mensch" - und vor allem selbst Mutter zweier Kinder. Täglich mit so viel Leid auf Arbeit konfrontiert zu sein - wie hält sie das aus? "Ganz ausschalten kann ich das nie, viele Familien bewegen mich schon sehr", bekennt sie. "Aber es beruhigt mich, wenn ich für sie auf der Station etwas tun konnte, um ihnen ein größtmöglichstes Maß an Lebensqualität mit ihren Kindern zu sichern."

Indes: Eine Selbstverständlichkeit ist Rothes Stelle in der Uni-Kinderklinik nicht. Das Klinik-Budget gibt sie nicht her. Seit 2012 wird sie einzig aus Spenden bestritten, die die Stiftung Kinderklinik Leipzig Jahr für Jahr erneut aufzutreiben sucht. "Wir hoffen sehr, dass uns das weiterhin gelingt", wünscht sich Vorstandsmitglied Kerstin Sommerfeld.

Kontakt zur Stiftung Kinderklinik Leipzig: telefonisch unter (0341) 97 202 11; E-Mail: post@stiftung-kinderklinik.de

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 29.07.2015

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