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Boulevard Hendrikje Fitz vor ihrem Krebstod: „Leute, wir sterben hier so privilegiert“
Leipzig Boulevard Hendrikje Fitz vor ihrem Krebstod: „Leute, wir sterben hier so privilegiert“
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08:27 15.04.2016
Hendrikje Fitz stand auch während ihrer Brustkrebs-Behandlung noch lange in der Leipziger Media City vor der Kamera. Quelle: André Kempner
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Leipzig

 Kurz vor ihrem Krebstod am 7. April hat Schauspielerin Hendrikje Fitz, bekannt aus der ARD-Klinikserie „In aller Freundschaft“, der Hilfsorganisation German Doctors (ehemals Ärzte für die Dritte Welt) ihr letztes Interview gegeben. Damit wollte die 54-Jährige den Blick der Öffentlichkeit noch einmal auf diejenigen lenken, die „nicht so privilegiert sterben dürfen“, wie sie „als einfache Kassenpatientin hierzulande“. Gemeinsam mit einer guten Freundin, German Doctors-Einsatzärztin Annekatrin Witte, sprach sie in bewegenden Worten über das Sterben in Deutschland und das Sterben in Afrika.

Die Schauspielerin war seit 2014 Patin für ein Projekt der medizinischen Hilfsorganisation im westafrikanischen Sierra Leone. Bei einem Besuch vor Ort war sie gewissermaßen als Zaungast mit Leid und Sterben im afrikanischen Busch konfrontiert. Durch ihre eigene Krebserkrankung erlebte sie Kranksein in Deutschland ganz persönlich. „Es ist mir wirklich ein Anliegen zu sagen: Leute, wir sterben hier so privilegiert. In Sierra Leone wird so ein Brustkrebs von A bis Z durchlebt, mit allem was er mit sich bringt. Mit Schmerzen, mit Siechtum. Und das müssen die Betroffenen dort in der Hitze, in einer ganz simplen Hütte durchhalten. Deswegen finde ich, wir müssen etwas abgeben.“

In Sierra Leone praktizieren nach der Ebola-Epidemie nur noch weniger als 100 Ärzte. „Ich bin einfach beglückt, so eine gute Organisation gefunden zu haben“, erklärte Projektpatin Fitz noch im Dezember 2015. Der Kontakt kam über ihre Freundin Annekatrin Witte zustande, die selbst einen sechswöchigen Einsatz als Kinderärztin in Sierra Leone absolviert hat. „Ich war ja wirklich nur kurzer Zaungast, aber es ist einfach schön zu sehen, wie die Einsatzärzte versuchen, diese Strukturen, die da sind und diese tollen Menschen, die sehr lernwillig sind, auf die Spur zu bringen und auch zu sehen, wie begierig die Menschen das aufsaugen und wirklich lernen, lernen, lernen. Das ist einfach toll.“

Bereits 2011 hatte die Schauspielerin, unterstützt von ihren Serienkolleginnen Cheryl Shepard und Alexa Maria Surholt, einen dreiwöchigen Hilfseinsatz auf dem Mercy Ship Africa vor Sierra Leone absolviert. Das schwimmende Hospital für die Ärmsten der Welt ist an der Westküste Afrikas im Einsatz. In sechs Operationssälen wurde wie am Fließband operiert: Brandverletzungen, Wangenbrand, Lippen- und Gaumenspalten, Tumore, gynäkologische Krankheiten, Augenerkrankungen, Zahnkrankheiten.

In Sierra Leone erlebt etwa jedes dritte Kind nicht einmal seinen fünften Geburtstag. Auch sterben sehr viele Frauen während der Schwangerschaft oder unter der Geburt. Dass schon kleine Summen Leben retten können, verdeutlicht die Geschichte vom kleinen Thomas. Die German Doctors nahmen den knapp Einjährigen mit einem Gewicht von nur vier Kilogramm in ihrem Hospital in Sierra Leone auf. Dort wurde der stark unterernährte Junge fachgerecht aufgepäppelt. Nach nur zwei Monaten konnte er mit einer guten Perspektive entlassen werden. Die Behandlung kostete nicht mehr als 30 Euro. Das Hospital der German Doctors ist die einzige medizinische Anlaufstelle für rund 65.000 Menschen. Der Schwerpunkt liegt auf der Versorgung von Schwangeren und Kindern sowie der Geburtshilfe.

Von Kerstin Decker

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