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Hotel „Fürstenhof“ und Ex-Eigentümer Erwig sind jetzt Stoff eines Romans

Geschrieben vom Urenkel Hotel „Fürstenhof“ und Ex-Eigentümer Erwig sind jetzt Stoff eines Romans

Seit Ende August ist der Roman „Die unsterbliche Familie Salz“ auf dem Markt. Er beruht auf historischen Tatsachen rund um das Leipziger Hotel „Fürstenhof“ und die ehemalige Eigentürmerfamilie Erwig. Geschrieben wurde das Buch von Christopher Kloeble, ein Nachfahre der Erwigs. Der 34-Jährige hat am Leipziger Literaturinstitut studiert.

Hoteldirektor Jörg Müller (links) begrüßt zur Lesung Anna Kloeble, die 2009 ein Praktikum im Hotel gemacht hat, ihren Vater Tilman Kloeble-Erwig und ihren Bruder, den Buchautoren Christopher Kloeble.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Hotels sind beliebte Schauplätze von Romanen oder Filmen – jetzt kommt auch der Leipziger „Fürstenhof“ zu dieser Ehre: Ende August ist „Die unsterbliche Familie Salz“ erschienen, ein Roman des 34-jährigen Christopher Kloeble. Das Besondere daran: Der in Bayern aufgewachsene Schriftsteller hätte Hotelerbe des „Fürstenhofs“ sein können. Er ist der Urenkel von Mathias Erwig, der 1914 aus München nach Leipzig zog, neuer Besitzer des Hauses wurde und ihm den Namen „Erwigs Hotel Fürstenhof“ gab. Kurz nach der Wende verkaufte die Familie jedoch die Herberge am Tröndlinring, die nie offiziell enteignet worden war: Der Sanierungsbedarf war einfach zu groß. „Ich bin also kein reicher Hotelerbe, sondern ein ganz armer Autor“, betonte Kloeble während der Lesung, die am Sonntag in Zusammenarbeit mit Lehmanns Buchhandlung direkt am Ort des Geschehens stattfand.

Im Roman vermischen sich historischen Tatsachen mit erdachten Ereignissen. „Der grobe Rahmen ist aber sehr ähnlich dem, was wirklich in der Familie passiert ist“, erzählte der Verfasser. Die Erwigs treten im Buch als Familie Salz in Erscheinung. „Aber der Fürstenhof ist der Fürstenhof“, freut sich Hoteldirektor Jörg Müller. Er hat den Roman bereits als Vorabdruck gelesen – besonders aufmerksam jene Stellen, in denen es ums Haus geht. Christopher Kloeble war auch einige Male zu Besuch und hat im Hotel recherchiert. Während seines dreijährigen Studiums am Leipziger Literaturinstitut hat er es manchmal bedauert, dass das Hotel nicht mehr der Familie gehört und demzufolge kein Zimmer für ihn zur Verfügung stand.

Eine wichtige Person im Roman ist ein gewisser Kurt Salz – in Wirklichkeit heißt er Tilman Kloeble-Erwig (76), ist Schauspieler, Drehbuchautor und Fernsehproduzent und der Vater des Schriftstellers. In den fünfziger Jahren hat er seinen Großvater Mathias Erwig in Leipzig besucht. Nachdem seine Mutter und sein Onkel ihren Anteil an ihn überschrieben hatten, stand er als Eigentümer im Grundbuch. Zusammen mit seinem Cousin Klaus Horn, der sich nach der Wende die Gohliser Likörfabrik seines Vaters zurückübertragen ließ. Wie Tilman Erwig 1990 mit seinem Porsche nach Leipzig fuhr, um das damalige Hotel International in Augenschein zu nehmen, und dabei zweimal von der Volkspolizei abkassiert wurde, ist im Roman unterhaltsam beschrieben. Was er vorfand, war bedrückend: Abgewetzte Sessel, abgestandener Zigarettenrauch, blätternde Tapete, klemmende Fenster, quietschende Bettfedern, gelb verfärbtes Wasser, der Aufzug außer Betrieb. Cousin Klaus Horn und er suchten mehrere Monate nach einem Käufer und waren heilfroh, dass sie mit Jürgen Schneider einig wurden: „Er hat noch bezahlt, kurz bevor er aufgeflogen ist“, so Kloeble-Erwig. 1996 wurde das von der Hypobank sanierte Hotel wiedereröffnet. Heute gehört es der Münchner Unternehmensgruppe Schörghuber.

Von Kerstin Decker

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