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Boulevard "Ich lasse mein Herz zurück" - Leiter des Polnischen Instituts in Leipzig im Interview
Leipzig Boulevard "Ich lasse mein Herz zurück" - Leiter des Polnischen Instituts in Leipzig im Interview
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23:30 29.07.2014
Wojciech Wieckowski verlässt die Filiale Leipzig des Polnischen Instituts. Quelle: André Kempner
Leipzig

Nach nur zwei Jahren kehren Sie Leipzig bereits den Rücken. War das so geplant?

Im Auswärtigen Dienst weiß man nie, für wie viele Jahre man versetzt wird. Wir sind in ständiger Rotation.

Wo erfuhren Sie, dass Leipzig Ihr nächster Arbeitsplatz sein würde?

In Warschau. Ich war sehr froh, denn ich hatte mich um diese Stelle beworben. Ich kannte bereits Leipzig sowie das Institut und wusste, dass diese Arbeit hier sehr wichtig und verantwortungsvoll ist. Das Institut agiert in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, da sind zum Teil Grenzregionen. Das Programmangebot und die Nachfrage waren sehr groß. Die Menschen hier interessieren sich für Polen, auch als Nachbarland. Das Institut ist dafür da, Polen in allen Facetten zu vermitteln. Das war die Aufgabe, die ich mir gewünscht habe.

Wenn Sie zurückblicken, hat sich Ihr Verhältnis zu dieser Stadt verändert?

Ich wusste viel über Leipzig, war aber nie länger hier. Leipzig ist eine sehr schöne, dynamische, attraktive Stadt. Ich habe mich vom ersten Tag an wie zu Hause gefühlt. Die Stadt hat etwas, das man nicht genau beschreiben kann, Geist und Charme, und sie ist überschaubar. Die Stadt ist mir ans Herz gewachsen. Ich empfinde inzwischen sehr viel für sie und für ihre freundlichen und interessierten Menschen. Durch diese zwei Jahre bin ich fast ein Leipziger geworden.

Worauf sind Sie besonders stolz?

Auf einige Projekte, die ich entwickelt habe - beispielsweise den Zyklus "Polen von hier - Wir haben was zu bieten", den die LVZ begleitete. Die Leser wussten, dass ein reichliches Jahr lang jeden Monat ein Pole oder eine Polin vorgestellt wurde, der beziehungsweise die schon lange hier lebt und zur Entwicklung der Stadt und Region beiträgt. Das diente auch dem Abbau von Vorurteilen, die ab und zu noch in Erscheinung treten, zeigte aber auch, wie sich Polen nach dem EU-Beitritt entwickelt hat. Der Zyklus hat auch den "Polen von hier" selbst geholfen, zueinanderzufinden. Außerdem bin ich sehr stolz auf die Konferenz "25 Jahre freie Wahlen in Polen und Friedliche Revolution in der DDR", die wir im April mit vielen Partnern ausrichteten und zu der zahlreiche Zeitzeugen nach Leipzig kamen. Auf dem Augustusplatz erinnert nun eine Solidarnosc-Tafel an jene Ereignisse. Es gibt noch viele andere Projekte, über deren gelungene Umsetzung ich mich sehr freue.

Was hätten Sie gerne noch realisiert?

Vieles. Ich hätte gerne bei den Bildungsprogrammen mehr gemacht. Schon vor Jahren hat das Polnische Institut angefangen, Schulklassen für einen Tag mit Polen bekannt zu machen: Landschaft, Schulwesen, Kultur, Geschichte, Sprache, Küche - Das wurde gut angenommen und nun auch in Sachsen-Anhalt fortgesetzt. Ich würde mir auch einen "Polnischen Tag" an allen sächsischen Schulen wünschen. Das hätte ich gerne noch angeregt.

Die Zuständigkeit der Filiale Leipzig erstreckt sich auf drei Bundesländer. Unterscheiden sich Sachsen, Sachsen-Anhalter und Thüringer in ihrem Verhältnis zu Polen?

Im Grunde nicht.

Das Polnische Institut in Leipzig ist seit der Wende immer kleiner geworden. Ist solch eine Einrichtung denn noch zeitgemäß?

Ja, durchaus. Solche Veränderungen sind eine allgemeine Erscheinung. Das Programm leidet nicht unter ihnen. Auch mit kleinerer Besetzung lässt sich dank neuer Formen und Partner eine Menge auf die Beine stellen. Es wird also weitergehen. Die Filiale Leipzig wird fortan direkt von der Direktion des Polnischen Instituts Berlin geleitet. Sie wird nicht geschlossen, sondern umstrukturiert - das Wichtigste bleibt erhalten. Es wäre auch nicht gut, wenn sich nie etwas ändern würde. Veränderungen haben ihre guten Seiten, sie schaffen immer auch Raum für neue Ideen.

Was halten Sie von der Idee der Grünen, ein Internationales Begegnungszentrum in Leipzig zu etablieren?

Ich habe noch nicht darüber nachgedacht, nur einmal davon gelesen. Sie klingt interessant, aber ich kann sie nicht beurteilen.

Was nehmen Sie mit, wenn Sie Leipzig jetzt verlassen, und was lassen Sie zurück?

Ich lasse mein Herz zurück, wirklich. Und ich lasse auch meine sehr guten Mitarbeiter hier, welche die nächsten Veranstaltungen bereits vorbereitet haben: Am 1. August das Gedenken an den 70. Jahrestag des Warschauer Aufstandes, am 11. August das alljährliche Konzert am Bach-Denkmal, den Literaturzyklus "Fremde Freunde" Weimar, die 4. Polnischen Kulturtage in Dresden - Ich lasse viele neue Freunde und Bekannte hier - Menschen, die viel für Polen empfinden. Mitnehmen werde ich nur gute Erinnerungen an eine schöne Zeit.

Wo steht Ihr nächster Schreibtisch?

In Wien. Ich leite ab 1. August das Polnische Institut in Österreichs Hauptstadt und würde mich freuen, wenn dort auch Leipziger anklopfen. Ich habe übrigens schon Ideen, wie ich dort mit Leipzig in Kontakt bleiben kann. Ich sehe durchaus Gemeinsamkeiten, zum Beispiel die Tradition als Musik- und Universitätsstadt, die Gründerzeit-Architektur oder dass auch Wien für Leipzigs Partnerstadt Kraków eine besondere Bedeutung hat. Und ich bin sicher, dass ich von Zeit zu Zeit nach Leipzig zurückkehren werde.

Interview: Cornelia Lachmann

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 30.07.2014

Cornelia Lachmann

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