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Boulevard „Ihrer Majestät tun die Füße weh“ – Als die Queen nach Leipzig kam
Leipzig Boulevard „Ihrer Majestät tun die Füße weh“ – Als die Queen nach Leipzig kam
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00:33 26.06.2015
Für gut zwei Minuten zeigen sich am 22. Oktober 1992 Königin Elizabeth II. und ihr Gemahl Prinz Philip sowie Oberbürgermeister Hinrich Lehmann-Grube und Gattin Ursula auf dem Balkon des Alten Rathauses in Leipzig. Die LVZ druckt mit diesem Bild am nächsten Tag das erste farbige Titelfoto ihrer Geschichte. Quelle: Leipzigreport
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Leipzig

Deutschland heißt die Queen willkommen – schade, dass die 89-Jährige diesmal nicht nach Leipzig kommt. Hier war sie aber schon, am 22. Oktober 1992. Die aktuellen Fernsehbilder wecken viele Erinnerungen bei Ulrich Trampler (71). Für den Leipziger Gastronomen war jener Donnerstag vor fast 23 Jahren ein Höhepunkt in seinem Berufsleben: Er servierte Ihrer Majestät Tee im Separee. Trampler war damals Erster Restaurantleiter im Hotel Astoria. Das Astoria war auserkoren, die Monarchin im Alten Rathaus zu bewirten. Dort traf sie mit rund 150 sächsischen Persönlichkeiten zusammen.

Begleitet vom Ehepaar Biedenkopf, reiste Elizabeth II. von Dresden aus mit dem Zug nach Leipzig. Im Fahrzeugtross rollte sie weiter vom Hauptbahnhof zum Alten Rathaus. Dort gönnte sie dem Volk einen kurzen Auftritt inklusive Winken vom Rathausbalkon, an der Seite von Oberbürgermeister Hinrich Lehmann-Grube und seiner Frau Ursula.

Im Hinterland war ein Zimmer nur für die Queen, ihren Mann Prinz Philip und zwei Hofdamen eingerichtet. Dort hinein wurde auch Ulrich Trampler beordert: mit einer Kanne Darjeeling-Tee – goldgelb hatte er zu sein – aus Meissener Porzellan und mit einer Etagère voller Petit fours. „Ich war so aufgeregt und habe wohl auch etwas verschüttet“, glaubt Trampler. Er traute seinen Augen dann kaum, als er sah: „Sie kam vom Balkon, schob sich ihre Pumps von den Füßen und stand in Strümpfen vor mir. So richtig menschlich.“ Prinz Philip, der das Erstaunen des Kellners bemerkte, erklärte in bestem Deutsch: „Ihrer Majestät tun die Füße weh.“

Gegessen hat die Queen bei ihrer Teezeit nichts, Trampler nahm die Gebäckstücke unberührt wieder mit. Heute gesteht er eine Schummelei: „Ein paar Stücke habe ich mir in die Fracktasche gesteckt. Und den draußen wartenden Journalisten erzählt, die Queen habe die Petits fours aus dem Astoria besonders gut gefunden.“ Er war der Einzige aus dem Astoria, der Ihre Hoheit zu sehen bekam. Die Kollegen bewirteten die geladenen Gäste: vor dem Empfang mit Cocktailhappen, später mit Sekthappen. Die Auswahl der delikaten Kleinigkeiten traf Astoria-Küchenchef Horst Kucharicky. Russischer Kaviar, Lachs, Riesengarnelen, Gänsestopfleber, geräucherter Stör, Rehrückenfilet, französischer Käse, englisches Roastbeef – all diese Zutaten schrieb er auf seinen Bewirtungsplan, der noch handschriftlich verfasst und beim Protokoll eingereicht wurde. Von jeder Speise, von jedem Getränk musste anschließend eine Probe 24 Stunden lang aufgehoben werden.

Die Schuhe muss sich Queen Elizabeth dann irgendwann wieder angezogen haben. Denn vom Alten Rathaus legte sie zu Fuß den Weg in die Nikolaikirche zurück. Von dort ging es per Wagen weiter ins Neue Rathaus, wo sie sich ins Goldene Buch eintrug. Dort hatte sich übrigens auch schon ihr Sohn Prinz Charles verewigt, der ein Jahr vorher in Leipzig zu Gast gewesen war. Sein Vater Prinz Philipp (heute 94) war ganz überrascht, das zu erfahren.

Kerstin Decker

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