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Boulevard In Opas ausgelutschter Edelkutsche auf Rallyekurs
Leipzig Boulevard In Opas ausgelutschter Edelkutsche auf Rallyekurs
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19:28 27.07.2015
Thomas Krempler und Tobias Grahl nehmen mit einem 500-Euro-Wagen an einer Rallye teil. Quelle: Alexander Bley
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Leipzig

„Alles Tutti!“ Thomas Krempler freut sich wie ein Schneekönig, als der, zugegeben, nicht mehr ganz so arktik-weiße Benz wieder aus der Leipziger Werkstatt rollte. Der hat immerhin 29 Jahre auf dem Buckel und blüht gerade noch einmal richtig auf – und das nicht im positiven Sinne. Und zu allem Übel scheinen die Bremsen permanent die Scheiben zu beißen. Folge: Ultraheiße Pneus. Alles in allem: Nicht gerade die besten Voraussetzungen, um einen knapp 3800 Kilometer langen Trip anzugehen.

Krempler und Spannemann Tobias Grahl ist das egal. Die beiden sind Idealisten, haben noch immer Schmetterlinge im Bauch. Seit fünf Jahren schon wollen sie dieses Jungs-Ding durchziehen – eine Rallye fahren. Von München bis Barcelona mit einem Abstecher über Ljubljana, abseits der Autobahnen. Über Schotterpisten, Feldwege und schmale Straßen müssen die Boliden gequält werden. „Einfach durchkommen“, lautete daher auch die Devise der beiden 29-Jährigen noch vor der Abfahrt.

Auto darf nicht mehr als 500 Euro kosten

Muss auch, schließlich durfte kein Team, das bei der Jedermann-Rallye teilnehmen will, mehr als 500 Euro für eine Möhre ausgeben. Per Kaufvertrag muss dass beim Check-in nachgewiesen werden. Weitere 500 Glocken kostete die Startgebühr. Alles in allem haben die beiden bisher 2200 Euro ausgegeben. „Ohne dabei schon einen Kilometer gefahren zu sein“, sagte Krempler offen.

So wird auch klar, warum die Freunde dieses Projekt von Jahr zu Jahr verschieben mussten. „Es hat nie gepasst, entweder lagen beim Studium Prüfungen an, oder wir hatten keine Knete.“ Das hat sich geändert, mittlerweile bleibt ab und an auch der ein oder andere Groschen hängen. Krempler ist Experte für Materialmikroskope, Grahl Geschäftsführer im Barthels Hof. Auf die Kacke gehauen wird trotzdem nicht, die Nächte der einwöchigen Tour auf der Matratze im Zelt verbracht. Mit auf Reisen gehen im 120-PS-Opa-Sofa-Benz zudem je drei T-Shirts, zwei Hawaii-Hemden und Hosen. Unabdingbar außerdem: eine Super-Soaker-Wasserpistole. „Die ist Pflicht“, bestätigte Grahl.

Thomas Krempler und Tobias Grahl vor ihrem 3800-Kilometer-Trip. Quelle: Alexander Bley

Ahnung von Autos hat weder der eine noch der andere

Vergangenen Freitag war das Duo gestartet, Richtung München. Nach knapp zwei Stunden Fahrt mussten die beiden das erste Mal rechts raus fahren. Es hatte sich angedeutet. Der Auspuff hatte etwas zu frei geschwungen. Folglich musste der erst mal wieder zu Recht gerückt werden. Weitere 200 Kilometer später heulte erneut die Alarmsirene. „Die Bremsen“, schrieb Krempler schon etwas entnervt vom Trip zum Trip. Vor dem offiziellen Start am Sonnabend rückte Barcelona in immer weitere Ferne. Dumm dabei: Ahnung von Autos hat weder der Rackwitzer noch der Zschölkauer. Und trotzdem bekommen die Schraub-Legastheniker den 190er-Mercedes wieder zum Laufen.

Der wurde übrigens in Knauthain gekauft, Anfang Juni. „Bei zwei Typen, die sahen aus wie die Ludolfs“, müssen selbst die Schnurri-Träger im Nachhinein lachen. Jene Schrottplatzbrüder schafften es einst sogar ins TV. Der Schwaben-Bolide mit dem Zwei-Liter-Motor hatte beim Kauf 180.000 Kilometer auf dem Tacho. Wenn da nicht mal jemand an der Welle gedreht hat … Denn glauben kann das nicht einmal das Duo. Egal war es den Herren allemal, schließlich machte die Möhre sonst einen halbwegs soliden Eindruck. In Spanien würden die beiden das Auto nach der Zieleinfahrt gern verkaufen, sofern es einer haben will.

„Unser Benz läuft“

Auch wenn die Pannenserie die Jungs schon vor dem Start ordentlich ins Schwitzen brachte, so hatte sich in den vergangenen Tagen alles zum Guten gewendet. 600 Kilometer quer durch Alpen und Dolomiten murrte der Opa-Benz nicht ein einziges Mal. Allerdings krächzten in der Dreier-Kolonne die beiden Begleiter. Der 190er der einen machte gen Ljubljana schlapp – Getriebeschaden. „Bei den anderen streikte die Servolenkung“, schrieben die Wahlleipziger, „unser Benz läuft.“ Ganz ohne geht es dann auch bei den Rallye-Grünschnäbeln nicht. Bremspausen sind in Mode. Die nutzen Grahl und Krempler wie andere eben auch für viel Schabernack. Golfen am Straßenrand zum Beispiel.

Mittlerweile düsen die Rallye-Piloten an der Adria-Küste entlang. Es ist also noch ein ganzes Ende bis Barcelona. Aber der Benz, der läuft! Hoffentlich auch noch am Freitag, beim Zieleinlauf.

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