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Boulevard Jörg Schüttauf als falscher Honecker: „Lasst uns endlich über diesen Punkt der Geschichte lachen“
Leipzig Boulevard Jörg Schüttauf als falscher Honecker: „Lasst uns endlich über diesen Punkt der Geschichte lachen“
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16:48 15.10.2017
Jörg Schüttauf und Josefine Preuß zu Besuch im Leipziger Passage-Kino. Quelle: Andre Kempner
Leipzig

Schon eine Stunde vor Filmbeginn spazierten sie völlig unauffällig in die Leipziger Jägerhof-Passage hinein, wo die ersten Fans und Autogrammjäger bereits warteten. Die Schauspieler Jörg Schüttauf (55) und Josefine Preuß (31) waren locker drauf und nahmen sich Zeit für Fotos, Selfies, Autogramme und einen Schwatz mit ihren Fans. Am Samstagabend stellten sie ihren soeben angelaufenen Kinofilm „Vorwärts immer!“ in den Passage-Kinos vor. Mit dem Zug waren sie aus Dresden gekommen. Vorher hatten die beiden, die im Film Vater und Tochter spielen, schon Berlin und Frankfurt/Main besucht. Nach der Übernachtung im Leipziger Ana-Arthotel in der Hainstraße ging es am Sonntag weiter nach Rostock.

Für Jörg Schüttauf mit seinem enormen komödiantischen Talent ist die Erich-Honecker-Parodie eine Traumrolle. Als er das Drehbuch las, sei er von der ersten Zeile an verliebt gewesen in die kleinen, witzigen Ideen, die darin stecken. „Es war ein riesengroßes Vergnügen, als wir das gemacht haben. Ich hätte nie gedacht, dass mich Erich Honecker mal so lustig erscheinen lässt.“ Der gebürtige Karl-Marx-Städter findet es legitim, heute über die Honeckers und das Politbüro zu lachen. „Damals, als es verboten war, haben wir über Erich Honecker geschmunzelt. Er war zwar der Chef, aber ernst genommen habe ich ihn nicht. Inzwischen sind 28 Jahre vergangen, da darf man laut drüber lachen.“ Das müsse man sogar, denn das sei auch eine Art der Aufarbeitung, findet Josefine Preuß, geboren 1986 in Zehdenick (Brandenburg). „Aber natürlich darf man nicht nur lustig darüber hinweggehen, dass viele Menschen darunter gelitten haben.“ Deshalb mussten die Filmemacher auch 13 Jahre kämpfen, bis sie ihr Projekt realisieren konnten.

Die Montagsdemonstrationen 1989 hat Schüttauf in Potsdam miterlebt, wo er am Theater engagiert war. „Ich war stummer Demonstrant am Weberplatz. In vorderster Front habe ich nicht gestanden, das tut mir leid. Ich bleibe gern am Rand, beobachte und staune.“ Alles, was im Film erzählt wird, könnte sich so abgespielt haben: Otto Wolf (Jörg Schüttauf), ein berühmter DDR-Staatsschauspieler und begnadeter Honecker-Imitator, steckt mitten in der Theaterprobe. Da erfährt er, dass seine schwangere Tochter Anne (Josefine Preuß) nach Leipzig zur Montagsdemonstration unterwegs ist. Doch am 9. Oktober 1989 sollen in Leipzig Panzer gegen die Demonstranten eingesetzt werden. In Sorge um seine Tochter schmuggelt er sich – als Honecker verkleidet – ins Zentralkomitee und will den Schießbefehl zurücknehmen. Als er nach Wandlitz gerät und dort auf Margot Honecker und den echten Erich trifft – damit wird das Ganze zur Doppelrolle – , steckt er tief im Schlamassel.

„Das ist im besten Sinne amerikanischer Hollywood-Humor, den wir in Deutschland zuletzt in den zwanziger Jahren hatten. Seitdem durfte man über Politik nicht mehr lachen“, schwärmt Jörg Schüttauf über die Slapstick-Komödie, die so völlig untypisch für den deutschen Film sei. „Sowas Lustiges, Stimmiges habe ich eigentlich noch nie gemacht, und das wird auch nicht so schnell wieder kommen.“ Die Dreharbeiten fanden Ende 2015/Anfang 2016 in Berlin, Leipzig und Frankfurt/Main statt, die Szenen von der Montagsdemo entstanden an der Ecke des Leipziger Schauspielhauses. Und was wäre seine nächste parodistische Traumrolle – Lenin? „Angela Merkel“, meint der Schauspieler augenzwinkernd.

Von Kerstin Decker

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