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Karstadtchefin Marlies Göllnitz-Gellert hat die Leipziger City 18 Jahre lang mitgestaltet

Abschied Karstadtchefin Marlies Göllnitz-Gellert hat die Leipziger City 18 Jahre lang mitgestaltet

Marlies Göllnitz-Gellert (65) hat 18 Jahre lang als Karstadt-Chefin und Vorsitzende des City-Vereins die Leipziger Innenstadt mitgestaltet. Am 30. November enden Job und Ehrenamt. Im Interview erklärt sie, wie Leipzigs Zentrum tickt und wie der Einzelhandel der Zukunft aussieht.

Das vor zehn Jahren eröffnete neue Karstadt-Kaufhaus in der Petersstraße ist das „Baby“ von Marlies Göllnitz-Gellert.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Marlies Göllnitz-Gellert (65) hat 18 Jahre lang als Karstadt-Chefin und Vorsitzende des City-Vereins die Leipziger Innenstadt mitgestaltet. Am 30. November enden Job und Ehrenamt. Im Interview erklärt sie, wie Leipzigs Zentrum tickt und wie der Einzelhandel der Zukunft aussieht.

Kaufen Sie eigentlich im Internet?

Ich bin eine absolute Warenhaus-Käuferin und bekomme hier im Haus alles, was ich brauche. Mein Mann bestellt ab und zu online, zum Teil Dinge, die es selbst im Baumarkt nicht mehr gibt.

Sind Sie sicher, dass Warenhäuser eine Zukunft haben?

Ja, da bin ich sicher. Das sind lebendige Plätze mit hoher Frequenz, wo man in kurzer Zeit alles unter einen Dach erledigen kann. Warenhäuser bieten ein niveauvolles Angebot und viele Marken. Dort treffen sich die Menschen auch wegen der vielen Aktivitäten und Aktionen. Bei uns hier im Haus bieten wir zum Beispiel Schneider-, Stick- oder Kochkurse, Kreativkurse oder Kindergeburtstage.

Sie haben eine 18-jährige Enkelin und einen 5-jährigen Enkel. Die beiden erleben das Online-Shopping rund um die Uhr als Selbstverständlichkeit. Warum sollten junge Leute noch in die City fahren?

Einkaufen ist zu einem Element der Freizeitgestaltung geworden. Junge Leute werden auch in Zukunft in der Innenstadt ihre Freunde treffen, durch die Läden schlendern, sich im Lieblingslokal verabreden, ins Kino gehen oder Kulturangebote wahrnehmen. Für all diese Dinge fährt man in die Innenstadt.

Das sächsische Gesetz über die Ladenöffnungszeiten lässt Verkaufszeiten bis 22 Uhr zu, warum werden die nicht ausgeschöpft?

Nach 20 Uhr geht der Bedarf deutlich zurück, nur der Lebensmittelhandel macht dann noch sein Geschäft. Wir nutzen viermal im Jahr die Möglichkeit zum verkaufsoffenen Sonntag, da ist die Stadt immer sehr voll. Ich glaube nicht, dass sich in den nächsten Jahren daran viel ändert.

Einerseits gibt es immer mehr Single-Haushalte und Senioren, andererseits den Zuzug ausländischer Mitbürger. Entstehen damit neue Anforderungen an Sortimente oder Öffnungszeiten?

Das spüren wir nicht, das wird auch nicht diskutiert. Die City muss für alle da sein. Wir decken ganz breite Kundenkreise ab. Jede Gruppe hat ihre Zeit: Vormittags kommen die Älteren, mittags die Mitarbeiter aus Büros und Einrichtungen, abends wird das Publikum immer jünger, und am Wochenende kommen dann die Familien.

Merken Sie schon etwas von der wachsenden Stadt Leipzig?

Ja, das spüren wir. Vor meinem Büro befindet sich die Kinderabteilung, da beobachte ich die vielen Mütter mit Kinderwagen. Es macht Freude, das ist die Zukunft. Ab Freitagmittag können wir fast die Uhr danach stellen, wie die City sich füllt mit Familien. Es kommen auch viele Touristen und Besucher.

Die Parkgebühren rund um die Innenstadt sind saftig gestiegen, inzwischen gibt es den Vorschlag, den City-Rring ganz vom Verkehr zu befreien. Was sagen Sie dazu?

Unsere Kunden kommen mit der Straßenbahn, der S-Bahn, dem Fahrrad, aber eben auch mit dem Auto. Man sollte kein Verkehrsmittel verurteilen oder herausdrängen, wir brauchen die Erreichbarkeit von allen. Wenn es Baustellen oder Staus auf dem Weg zur Innenstadt gibt, merken wir sofort, dass die Frequenz zurückgeht. Als City-Verein werden wir aber sehr gut einbezogen in alle Diskussionen zur autoarmen Innenstadt, können unsere Meinung einbringen. Überhaupt kümmern wir uns um alles, was die Innenstadt betrifft, auch um Ordnung und Sicherheit. Das umfangreiche Demo-Geschehen war 2015 unsere größte Sorge.

Der City-Verein wurde 1993 gegründet, Sie waren seit 1998 die Vorsitzende. Hat sich in den 18 Jahren Ihr Traum von einer schönen Innenstadt verwirklicht?

Das kann man so sagen. Leider vergessen wir manchmal, was wir haben. Wir haben sehr schöne, individuelle Geschäfte, das Bummeln macht Spaß und die Häuser erstrahlen in tollem Glanz. Inzwischen existieren auch Grüne Wiese und Innenstadt ausgewogen nebeneinander, jeder hat seine Position gefunden, auch der Verbraucher.

Aber mitunter wirkt die Innenstadt ein wenig blutleer. Straßenmaler, Artisten, Musiker könnten das ganze Jahr auftreten und nicht nur zum Passagenfest.

Sie sollten dann aber zur Belebung beitragen. Was die Leute staunen und stehen bleiben lässt, das ist schön, und dafür zahlen die Zuschauer auch gutes Hutgeld. Aber einiges ist durchaus fragwürdig. Wenn manche Händler kein ruhiges Gespräch mehr mit ihren Kunden führen können, geht es zu weit.

Brauchen wir wieder eine Markthalle auf dem Leuschnerplatz?

Das ist sicher in anderen Ländern Tradition, aber hier nicht mehr. Dazu braucht es ein gut funktionierendes Netz an Kleinerzeugern aus der Region, die die Markthalle bestücken. Hier hat sich doch dafür der Wochenmarkt gut etabliert.

Würden Sie nicht auch gern den Einzelhandel der Zukunft mitgestalten?

Es wird viel passieren, es wird spannend, aber ich werde das nur noch als Nutznießer verfolgen. Wir waren auch mal jung und wollten die Welt verändern, so ähnlich wird es unseren Nachfolgern gehen. Ich freue mich auf mehr Zeit für meine Familie und meinen Garten.

Von Kerstin Decker

Leipzig 51.3396955 12.3730747
Leipzig
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