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Kunst und Picknick: Schauspielstar Maximilian Schell gibt sich die Ehre

Kunst und Picknick: Schauspielstar Maximilian Schell gibt sich die Ehre

Ein Hauch von Italien in Plagwitz: Mit Prominenz, Picknick und Pianokonzert wurde die frühere Villa des Leipziger Künstlers Max Klinger wiederbelebt.

. Vorher wurde die Doppelausstellung des Alt-Leipzigers Ben Willikens und des Neu-Leipzigers Matthias Weischer im Bildermuseum eröffnet.

Sommerliche Leichtigkeit im Garten der Karl-Heine-Straße 2. Drinks und Fingerfood werden gereicht, Jacken über die Stuhllehne gehängt. Alles wartet auf den Einen, und fast als letzter Gast kommt er: Schauspieler und Oscar-Preisträger Maximilian Schell (80) aus Wien. An seiner Seite seine Liebste, die junge Sopranistin Iva Mihanovic (33), in Leipzig keine Unbekannte, denn sie singt ab und zu an der Musikalischen Komödie. Schell ist da, weil er seit vielen Jahren ein Freund des Stuttgarter Malers und Bühnenbildners Ben Willikens ist und weil er dessen Kunst auch selbst sammelt.

Am Vormittag ist im Bildermuseum die Willikens-Weischer-Doppelausstellung eröffnet worden. Schell hat eine kurze, launige Rede gehalten und sich als ehemaliger Kunstgeschichts-Student geoutet. „Aber ich bin rausgeschmissen worden, und das zu Recht." Die große Leipziger Ausstellung seines Freundes hat Schell, zusammen mit einem Dutzend guter Bekannter, schon am Vorabend durchstreift. Das sei so anstrengend gewesen, dass er sich die Weischer-Bilder noch nicht ansehen konnte. "Du bist ein Zauberer", ruft er Willikens zu. Vor dessen Bild "Abendmahl" habe er in Frankfurt schon mal eine Stunde gesessen und geschaut, geschaut, geschaut. "Man sitzt und versteht die Welt, man ist verloren und glücklich." Dass er  solche Bilder betrachten dürfe, sagt der Schauspieler, "und dass ich es mit Ihnen teilen darf, das ist die Heilung der Welt."

Vor der Terrasse steht spielbereit ein Blüthner-Flügel. Als der Maler, Grafiker und Bildhauer Max Klinger in dieser Villa lebte, gab es ebenfalls einen Blüthner-Flügel. In Arbeitspausen spielte der Künstler oft darauf. Diesmal sitzt die junge, in Brasilien geborene und in Paris lebende Pianistin Juliana Steinbach (31) am Instrument, spielt Debussy und Mussorgski. „Debussy war mit Klinger bekannt, er hat diese Villa hier auch selbst besucht", erzählt Pianofabrikant Christian Blüthner-Haessler.

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Ein Hauch von Italien am Sonntag in Plagwitz: Mit Prominenz, Picknick und Pianokonzert wurde die frühere Villa des Leipziger Künstlers Max Klinger wiederbelebt. Vorher wurde die Doppelausstellung des Alt-Leipzigers Ben Willikens und des Neu-Leipzigers Matthias Weischer im Bildermuseum eröffnet. Auch Schauspieler und Oscar-Preisträger Maximilian Schell (80) aus Wien ist gekommen. Er ist ein Freund Willikens' und sammelt dessen Kunst.

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Man trifft sich an diesem Nachmittag im Garten, redet, lacht miteinander. Kunstsammler, Galeristen, Museumsdirektoren, Freunde und Angehörige der beiden Maler sind aus ganz Deutschland, Österreich, der Schweiz und selbst aus der Türkei nach Leipzig gekommen. Willikens, einer der gefragtesten und teuersten Künstler Deutschlands, war bis 2004 Malereiprofessor und Rektor an der Kunstakademie München. Seine Werke verkaufen sich für Preise zwischen 30 000 und 150 000 Euro. 1939 wurde er in Rückmarsdorf geboren, stellt nun erstmals in seiner Heimatstadt aus. 1946 verließ er mit Mutter, Großmutter, Tante und Schwester in einem Güterzug seine Geburtsstadt. „Lange habe ich gedacht, Leipzig sei für mich eine Stadt wie alle anderen. Aber so langsam kommt das Dazugehörigkeitsgefühl zurück", verrät der charmante Künstler.

Er freut sich, dass seine Tochter Sophia (25, Medizinstudentin in Budapest) gekommen ist, plaudert unbeschwert mit seiner Ex-Lebensgefährtin Christiane Leicher (Alternativmedizinerin in München). Auch seine Schwester Heidrun Weiß aus Gerlingen bei Stuttgart (ehemals medizinisch-technische Assistentin) hat ihn beim Ausflug in die eigene Vergangenheit begleitet.

Maler Matthias Weischer begeht die Vernissage und das Picknick ebenfalls im Kreise von Familienangehörigen. Aus Elte in Westfalen sind seine Eltern Theo und Leni gekommen, von seinen vier älteren Brüdern sind drei da - der vierte ist gerade Zwillingsvater geworden. Von wem der Sohn die Begabung hat, scheint ein wunder Punkt in der Familie zu sein: "Lass uns nicht wieder streiten", sagt Vater Theo, ehemaliger Pädagoge, zu seiner Frau. "Malen kann ich überhaupt nicht", gesteht der Vater und fügt in Richtung Mutter hinzu: "Aus dir wäre auch was geworden."

Kunstsammler Ernfried Baron von Fuchs aus Wien gesteht, dass er sich mit Kaufabsichten trägt. Er begeistert sich schon seit rund 20 Jahren für die Arbeiten von Ben Willikens. Die erste Ausstellung, die er in Wien im Volpinum privat veranstaltet hat, war Ben Willikens gewidmet. Diesmal hat es der Sammler auf das Bild „Nacht-Cut" abgesehen, dessen Farbigkeit ihn begeistert: „Ich hoffe, dass nicht andere schon Schlange stehen."  Nach Leipzig ist Baron Fuchs gekommen, weil die Ausstellung eine große Willikens-Retrospektive ist, alte Werke aus früheren Jahren und ganz neue Arbeiten zeigt.

Sammlerin Regina Hesselberger besucht Leipzig zum ersten Mal. Die Architektin vom Starnberger See sammelt ebenfalls Willikens-Werke. Sie freut sich besonders über das Bild „Raum 527 – Floß" in der Ausstellung. Es stammt nämlich aus ihrem Privatbesitz, sie hat es erst ganz neu gekauft und noch gar nicht zu Hause gehabt. Wenn die Ausstellung Ende August endet, wird sie sich privat an diesem Neuzugang zu ihrer Sammlung erfreuen. Das Leipziger Bildermuseum gefällt ihr gut: "Eine großartige Sammlung. Sie zeigt den Reichtum Leipzigs vor dem Ersten Weltkrieg." Dass auch ein Bild ihres Großvaters Hans Purrmann im Hause hängt, hat sie mit Freude entdeckt.

Kunstsinnig wie an diesem Sonntagnachmittag soll es ab September wieder regelmäßig in der Plagwitzer Villa zugehen, die von der Leipziger Projektentwicklerfirma KSW gerade saniert wird. Schon bald zieht die Klinger-Sammlung des Meraner Unternehmers Siegfried Unterberger ein. Im September wird eine Max-Beckmann-Ausstellung eröffnet.

Kerstin Decker

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