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Leipziger reizen seit über 90 Jahren: "Wir sind der älteste Skatclub der Welt!"

Leipziger reizen seit über 90 Jahren: "Wir sind der älteste Skatclub der Welt!"

Ja, aufs Reizen verstehen sie sich, die Dame und die 20 Herren vom vermutlich ältesten Zusammenschluss Skat spielender Leipziger. Hoffentlich haben sie damit aber ihren Trumpf nicht zu früh ausgespielt.

"Keine Angst", beruhigt Clubvorsitzender Klaus-Dieter Klemm (62). "90 Jahre muss erst mal einer toppen. Solange niemand Anspruch auf den Titel anmeldet, trifft sich in Leipzig der älteste Skatclub der Welt."

Ja, aufs Reizen verstehen sie sich, die Dame und die 20 Herren vom vermutlich ältesten Zusammenschluss Skat spielender Leipziger. Hoffentlich haben sie damit aber ihren Trumpf nicht zu früh ausgespielt. "Keine Angst", beruhigt Clubvorsitzender Klaus-Dieter Klemm (62). "90 Jahre muss erst mal einer toppen. Solange niemand Anspruch auf den Titel anmeldet, trifft sich in Leipzig der älteste Skatclub der Welt."

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In der Chronik des 1912 gegründeten Lokals Westendgärten in der Demmeringstraße ist nachzulesen, dass sich am 15. Oktober 1924 ebendort acht Leipziger, zum Teil Kleingärtner, zusammenschlossen, um regelmäßig Skat zu spielen. Noch hatte der Klub, der kein Verein sei will und daher auch nicht im Deutschen Skatverband organisiert ist, keinen Namen. "Weil Gründungsmitglied Matjunke immer, wenn er den roten Ober ausspielte, sagte: ,Jetzt kommt das Heidelieschen' trägt der Club nun diesen Namen", erzählt Klemm.

Der Dölziger steht der Truppe vor, die seit Kurzem wieder am Ort ihrer Gründung die Karten mischt. "Wir hatten die vergangenen 20 Jahre nur 500 Meter weiter, im Gartenverein Neulindenau, unser Domizil. Donnerstags war dort der Tanzsaal für uns reserviert. Doch es gab einen Pächterwechsel. Nun ist der Spielort vakant. Was lag näher, als in den Westendgärten anzufragen, wo alles begann", so Klemm.

Seit Dezember wird also das Kästchen mit dem Altenburger Blatt, Schreibblöcken, Stiften und den Chips, die gezogen werden, um die Sitzordnung des Abends festzulegen, wieder im Gründungslokal deponiert. "Ich bin seit neun Jahren dabei, um einen gemütlichen Skat zu spielen", sagt Johann Witte, mit 84 Lenzen der Methusalem der Skatbrüder. Die Gesundheit hatte ihm nach 55 Kegler-Jahren bei Rotation Südost einen Streich gespielt. "Auf der Suche nach einem Lokal für die Feier zu meinem "75." entdeckte ich den Klub." Seitdem zählen für den Grünauer nicht mehr nur alle neune.

Johann Gröschel hält dem Heidelieschen am längsten die Treue. Als Urlaubsvertretung für einen Kollegen besuchte er am 2. Dezember 1959 seinen ersten Skatabend und ging - wie im Protokoll nachzulesen - als Sieger hervor. Wenn das kein Wink des Schicksals war! Seit 55 Jahren hofft er nun jeden Donnerstagabend auf ein gutes Blatt.

Dies und vieles mehr hält Andreas Philippson für die Nachwelt fest. Der 56-jährige Wahrener erlernte als Achtjähriger das Spiel mit den 32 Karten. Seit 20 Jahren vervollkommnet er es beim Heidelieschen, dessen Chronist er ist. "Jubiläen, Kuriositäten, Personalien, alles wird vermerkt", sagt der Leiter einer stationären Pflegeeinrichtung. Und so sei unter anderem festgehalten, dass Janet Wenzel (45) nicht nur die Jüngste der Runde ist, sondern auch mit einem der Skatbrüder verheiratet ist. Dass "Der Skatfreund", die Monatszeitschrift des Deutschen Skatverbandes, im April 1990 davon berichtete, wie beim Baden-Badener Dreikönigs-Skatturnier eine 18-köpfige Gruppe der Heidelieschen um Günter Dietmann vier Tage Gast der westdeutschen Skatfreunde war. Und, wer in neun Jahrzehnten Clubgeschichte die exakt 138 Grand Ouvert, das höchste und seltenste Spiel beim Skat, gewonnen hat ...

Dabei gehe es ihnen in erster Linie gar nicht ums Gewinnen, versichern die Skatfreunde. Sie spielen zwar um Geld, aber nur um einen Achtel-Cent und das in die Kasse. Am Samstag vorm ersten Advent werde daraus das jährliche Vergnügen bezahlt, heißt es. Pro verlorenem Spiel sei ein Euro fällig. "Wir kommen, um zu verlieren, möglichst wenig", lacht die Runde. Möglichst lange behalten wollen sie aber ihren Titel, den sie nach Internetrecherchen dem 1928 gegründeten Club "Gut Blatt Zopp" aus Nordrhein-Westfalen abgeluchst haben. Vielleicht folgen die entthronten Jungspunde ja sogar mal der Einladung der Oldies zum Kräftemessen nach Leipzig. Wie dem auch sei. Allzeit Gut Blatt, Heidelieschen!

www.heidelieschen.club

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 07.02.2015

Cornelia Lachmann

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