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Boulevard Leipzigs Feuerwehr-Pressesprecher Joachim Petrasch pflegt ein ungewöhnliches Hobby
Leipzig Boulevard Leipzigs Feuerwehr-Pressesprecher Joachim Petrasch pflegt ein ungewöhnliches Hobby
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01:00 27.12.2014
Widmet sich in seiner Freizeit auch einer alten Handwerkskunst: Feuerwehrsprecher Joachim Petrasch klöppelt. Quelle: André Kempner

Der Ursprung dafür liegt beinahe drei Jahrzehnte zurück. Da bekam seine Mutter Klöppel geschenkt. Es fehlten aber passende Utensilien. "Ein Klöppelsack musste organisiert werden", erzählt der 56-jährige Leipziger. In einem dann aufgestöberten Set zum Thema fand er ein Heft zur Anleitung - und auch einen darin beschriebenen Weberknoten. Da Feuerwehrleute halt rein beruflich viel mit Knoten zu tun haben, war 1987 sein Interesse geweckt. "Ich dachte mir, das musst du auch mal probieren."

Außerdem sei er mit den Traditionen des Erzgebirges aufgewachsen. "Da bin ich erblich vorbelastet. Mein Vater ist zwar auch gebürtiger Leipziger gewesen, verbrachte seine Kindheit und Jugend aber in Marienberg. Also hat der Vater, Elektriker von Beruf, zu Hause viel gebastelt und gedrechselt - beispielsweise Nussknacker oder Räuchermännchen." Aus der Not der Bergleute heraus, nach dem Niedergang des Erzbergbaus vor mehreren Hundert Jahren einen neuen Broterwerb zu finden, kam das Klöppeln, Schnitzen und Drechseln in Mode. So wurden auch Bergmänner zu wahren Handwerkskünstlern. Bis zu 200 Fäden aus Leinengarn werden durch Kreuzen und Drehen, sogenannte Schläge, kunstvoll miteinander und ineinander verflochten.

Den Klöppelsack holt Petrasch nun vor allem in der Vor-Weihnachtszeit wieder hervor, um kleine Präsente, Baum- und Fenster-Schmuck anzufertigen. In Arbeit ist gerade eine Kerze in einem Rahmen. Für eine Glocke brauche er vielleicht so vier bis fünf Stunden. "Aber ich mache das ja in mehreren Etappen. Bei einer professionellen Klöpplerin geht das natürlich alles viel schneller. Ich nehme mir Zeit", sagt er schmunzelnd. Außer Fingerfertigkeit benötigt man natürlich Geduld und Ausdauer. "Anfängern würde ich keine großen Stücke empfehlen. Das geht gegen den Baum."

Man sollte sich mit kleineren Motiven herantasten. Er weiß es aus Erfahrung. Auch Petrasch hat ein unvollendetes Werk: eine Schmuck-Kante für eine Gardine. Bei einer Ausstellung im Schloss Schwarzenberg im Erzgebirge entdeckte er mal ein komplett geklöppeltes Kleid, freilich zusammengesetzt aus mehreren Teilen. "Das ist hohe Kunst." Seine Tochter (29) sei zwar auch sehr kreativ, widme sich aber eher anderen schönen Dingen.

Sein Hobby wirke beruhigend, sei entspannend und (gut für die Nachbarn) geräuschlos, resümiert Petrasch. Sein Kollege, Feuerwehrmann Eckhardt Neumann, glaubt: "Es ist eine hervorragende Sache, um den Kopf frei zu bekommen." Jeder könne in seiner Freizeit machen, was er wolle. Er selbst liebe jetzt das Segeln, zuvor sei er geritten.

Seine andere große Leidenschaft ist das Wandern, erzählt Petrasch, der den Beruf des Galvaniseurs gelernt hat. Schon während der Lehre bei Galvanotechnik in Leipzig engagierte er sich auch in der betrieblichen Feuerwehr. "Dieses Hobby habe ich dann zum Beruf gemacht." Seit 1980 ist der 56-Jährige bei der Berufsfeuerwehr tätig, seit etlichen Jahren auch als Pressesprecher. Auf Wanderschaft geht er am liebsten in heimischen Gefilden. Dreimal in den zurückliegenden drei Jahren hatte er sich auch die Zugspitze vorgenommen. "Immer auf einer anderen Route." Leider könne er sich wegen seiner unregelmäßigen Arbeitszeiten aber keinem Wanderverein anschließen, bedauert er.

Übrigens: Die einst mit vielen Utensilien beschenkte Mutter Petrasch hat niemals das Klöppeln erlernt.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 27.12.2014

Sabine Kreuz

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