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Martin Buhl-Wagner und Markus Geisenberger: Die Heimlichtuer

Martin Buhl-Wagner und Markus Geisenberger: Die Heimlichtuer

Martin Buhl-Wagner und Markus Geisenberger stehen unter der Glaskuppel und haben ein sich ähnelndes, leicht ironisches Lächeln aufgesetzt.

Sie sind beide Kinder der 60er-Jahre (geboren 1966 und 1967), nach der Universität als Projektmanager in das Messegeschäft eingestiegen, sind seitdem viel gereist, sind Ehemänner und Väter. Amüsiert zeigen sie ihre Schlüssel und witzeln darüber, was hier zutage tritt. Denn ihre Schlüsselbunde zeigen keineswegs nur Gemeinsamkeiten: Das Mäppchen von Markus Geisenberger verbirgt sein Inneres und zeigt erst beim Aufklappen eine sorgfältige Aufreihung von Schlüsseln. Der Bund Martin Buhl-Wagners hingegen präsentiert sich als System aus Ringen, Haken und einem ordentlich geknoteten Schlüsselband.

Was hat es mit diesem Band auf sich, Herr Buhl-Wagner?

Buhl-Wagner: Im Jahr 2006 war ich unter anderem für das WM-Fanfest auf dem Augustusplatz verantwortlich. Kurz vor Start der Fußballweltmeisterschaft habe ich ein Umhänge-Band bekommen. Es war leider so lang, dass ich mich damit immer im Auto verhedderte. Deshalb habe ich die Knoten hineingebunden, so ist das Band immer funktionaler geworden. Wenn ich zum Beispiel mit Taschen und Sachen meiner Tochter bepackt bin und Türen öffnen oder schließen muss, trage ich den Schlüssel wie ein Armband um mein Handgelenk. So habe ich ihn stets griffbereit. Und mithilfe der Haken am Schlüsselbund kann ich flexibel die Schlüssel austauschen, die ich gerade benötige. Ein hochfunktionales System also.

Ihr Bund, Herr Geisenberger, sieht aus wie eine Garderobe- Was ist denn hier so sorgfältig aufgereiht?

Geisenberger: Ja, hier hängen die Trophäen. (Lacht.) Ich habe erst heute gemerkt, dass mich der Schlüssel meines Elternhauses seit 35 Jahren begleitet. Den habe ich wohl unbewusst mitgenommen; ich habe eine sehr starke Bindung zur Familie. Dann hängt hier mein Fahrradschlüssel. Wenn Zeit ist, starte ich mit meinem Mountainbike in Richtung Auwald oder fahre einfach querfeldein. Und dieses Schlüsseltäschchen hier habe ich auch gute 25 Jahre; es war ein Geschenk von einem guten Freund. Offensichtlich hänge ich an einigen Dingen sehr und trage sie mehr oder weniger bewusst mit umher.

Sie beide sehen sich tagtäglich. Trotzdem, Herr Buhl-Wagner, gibt es einen Schlüssel, den Sie Herrn Geisenberger niemals ausleihen würden?

Buhl-Wagner: Nein, den gibt es nicht. Ich würde ihm jeden Schlüssel geben!

Andersherum gefragt. Welchen Schlüssel würde Sie, Herr Geisenberger, Ihrem Kollegen einmal ans Herz legen?

Geisenberger: Den Fahrradschlüssel. Buhl-Wagner: Damit er mir dann sagt "Beweg dich". (Beide lachen.)

Nimmt man eigentlich die Marotten des anderen an, wenn man sich tagein, tagaus sieht?

Geisenberger: Also, eigentlich haben wir keine Marotten - abgesehen von den etwas unterschiedlichen Dialekten. Buhl-Wagner: Man kennt sich halt sehr gut und das ist auch manchmal der Vorteil gegenüber unseren Gesprächspartnern, die sich mit uns zusammen an einen Tisch setzen. Wir tauschen uns über die Körpersprache aus und verstehen uns so auch ohne Worte.

Das klingt, als hätten Sie eine geheime Zeichensprache untereinander.

Buhl-Wagner: Ja genau, die geheimen Messe-Zeichen. (Lacht.)

Aha. Weitere Geheimnisse?

Geisenberger (öffnet sein Sakko und zeigt einen Schlüssel, der an einem Kettchen hängt): Hier haben wir noch etwas für Veranstaltungen. Das ist der Generalschlüssel für 5000 Schließzylinder der Leipziger Messe. Er öffnet alle Türen der Leipziger Messe. Deswegen auch die Kette hier, damit er nicht verloren geht. Buhl-Wagner: Ich lasse ihn immer im Tresor liegen, weil es der teuerste Schlüssel ist, den wir beide haben. Wenn der wegkommt, geht es um etliche Hunderttausend Euro.

Angenommen, Sie könnten einen beliebigen Schlüssel für einen Tag haben, welcher wäre es?

Geisenberger: Ich bin wunschlos glücklich. Wobei, der Schlüssel, der mich hinter die Türen der Wettbewerber schauen lässt, wäre schon gut. Buhl-Wagner: Den Schlüssel zum optimalen Zeitmanagement. Doch den muss ich mir wohl täglich selbst erarbeiten.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 14.08.2013

Lisa Berins

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