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Mit dem Aufschluss geht's weiter - Ehrenamtler retten Leipziger Knastzeitung

Mit dem Aufschluss geht's weiter - Ehrenamtler retten Leipziger Knastzeitung

Grund: Die Knastzeitung hat zwei neue Mitstreiter: Hirnforscherin Carina Krause (30) und Politikwissenschaftsstudent Jan Onken (28). Durch die beiden Ehrenamtler konnte das Heft für die Haft - wieder einmal - gerettet werden.

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Das Gefühl, hinter Gittern zu leben, kennen Jan Onken und Carina Krause nicht. Aber die neuen Mitarbeiter der Gefangenenzeitung Aufschluss werden zu Recherche-Zwecken häufig Knast-Besucher sein.

Quelle: André Kempner

Aufwind beim Aufschluss. Bereits Ende 2008 hatte das Projekt des Leipziger Arbeitskreises Resozialisierung (ak reso) auf der Kippe gestanden, weil die Förderung - damals noch durch die Arge - ausgelaufen war.

Nach einem LVZ-Bericht hatten sich Unterstützer und Spender gemeldet. Aber auch jetzt ist noch weitere Hilfe nötig. Der Aufschluss ist eine von etwa 60 Gefangenenzeitungen in Deutschland. "Es macht wirklich Spaß." Carina Krause strahlt. Die Wissenschaftlerin, die gerade promoviert, fühlte sich "weit weg von der restlichen Welt", wollte "Lebensrealitäten kennenlernen". Deshalb meldete sie sich diesen Sommer, als via Internet Ehrenamtler für den Aufschluss gesucht wurden. Die ungewöhnliche Zeitschrift gibt es schon seit gut zwei Jahrzehnten. 600 Stück pro Auflage werden gedruckt - in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Waldheim. Dort bleibt dann auch ein Teil der Exemplare. Weitere Empfänger gibt es hauptsächlich in der Leipziger und Torgauer JVA, aber auch diverse Anstalten in Deutschland erhalten Austauschexemplare.

Anders jedoch als beim Gros der Gefangenenzeitungen erarbeiten und produzieren Häftlinge den Aufschluss nicht eigenverantwortlich, sondern hat der ak reso die Federführung inne. Sein großes Ziel: die Wiedereingliederung von Häftlingen. Er hält Redaktionssitzungen nicht nur im Vereinssitz in der Wiebelstraße ab, sondern auch mit Insassen in den Gefängnissen in Torgau und Leipzig. "Gerade erst lerne ich einzuschätzen, was Häftlinge überhaupt interessiert", sagt Carina Krause, die außer Kognitionswissenschaft auch Journalismus studiert hat. Und nun zum ersten Mal in Leipzig "hinter Gittern" war. Ihr erster Eindruck? "Weil es ein Männerknast ist, bekommst du vielleicht blöde Witze zu hören. Dachte ich. Aber dann war es ganz anders als erwartet: Ich wurde höflicher behandelt als draußen", berichtet die 30-Jährige und fügt hinzu: "Es gibt nicht das Mördergesicht."

Von der JVA in Torgau - ihr Ursprung als Haftanstalt geht auf das Jahr 1890 zurück - war Jan Onken schon ziemlich beeindruckt. "Wie eine Filmkulisse, wie in einer alten Derrick-Folge", meint er. Ihm sei der Grund der Inhaftierung seiner Gesprächspartner "schnuppe", sagt er. "Das ist auch nicht mein Thema. Dafür gibt es Staatsanwälte und Gerichte."

Sein Thema sei es, erst einmal Ideen für Artikel zu finden. Ohne Insider wie die langjährigen Ehrenamtler Volkmar Jenig und Dieter Jungandreas, einen ehemaligen Deutschlehrer, der als Senior langsam kürzer treten möchte, "würden wir da ziemlich im Dunkeln tappen", glaubt Onken. Auf seinem Plan stehen ein Interview mit einer Hygienikerin sowie das Thema Ernährung, wobei es da speziell um Verpflegungssätze in Haftanstalten geht.

Carina Krause wiederum hat sich mit dem Bürgerkonto und dem Konto für jedermann beschäftigt, andererseits mit der Frage: Wie verändert sich das Nachtleben in Leipzig? "Der Artikel - inspiriert durch die Bitte eines Häftlings - erscheint in der Weihnachtsausgabe. Auch wer vielleicht länger nicht draußen ist, möchte informiert bleiben."

Der Aufschluss (in Anlehnung an den von Häftlingen herbeigesehnten Aufschluss der Zellentür) erscheint derzeit viermal im Jahr. "Mehr ist nach dem Wegfall der Förderung nicht drin", sagt Vereinskoordinatorin Claudia Keller. Der Inhalt reicht vom Ratgeber bis zum Rätsel, von News aus der Kulturszene bis zur Vorstellung diverser Hilfsangebote, von Beiträgen zum Haftalltag bis zur Entlassung. Nach Kritik, dass die schwere Situation von Angehörigen Inhaftierter völlig ausgeblendet werde, erschien in der Ausgabe 2/2013 ein Brief einer betroffenen Frau. Daraus entstand im Verein die Idee, möglicherweise einen Gesprächskreis zu gründen. "Aber gibt es dafür genug Interessenten?", so Keller. Nach wie vor auch gesucht: ein Rechtsanwalt, der im Aufschluss auf Fragen von Häftlingen antwortet, oder aber Mitstreiter - ob nun im Vorstand oder als sogenannter Bufdi (Bundes- freiwilligendienst). Keller: "Aufgrund der Vorbehalte ist es schwer, Leute zu finden."

iak reso, Wiebelstraße 2, Telefon 0341 69953-65/67; Fax: 0341 6995374; E-Mail: akreso@arcor.de

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 13.11.2013

Sabine Kreuz

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