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Peter Degner: „Ich bin dem Herrgott dankbar, dass ich ins Leben zurückgefunden habe“

Interview mit Leipzigs Impresario Peter Degner: „Ich bin dem Herrgott dankbar, dass ich ins Leben zurückgefunden habe“

Er hat schwere Zeiten hinter sich, war gesundheitlich angeschlagen, ein Fuß wurde ihm amputiert. Doch Peter Degner ist ein Stehauf-Männchen. Und er trifft die letzten Vorbereitungen für die 23. Classic Open. 63-Jährige im Interview.

Fühlt sich wohl in seiner Badewanne: Leipzigs Impresario Peter Degner (63).
 

Quelle: André Kempner

Leipzig. Er hat schwere Zeiten hinter sich, war gesundheitlich angeschlagen, war oft in der Klinik, ein Fuß wurde ihm amputiert. Doch Peter Degner ist ein Stehauf-Männchen. Und er trifft die letzten Vorbereitungen für die 23. Classic Open. Der 63-Jährige im Interview.

Sie sehen besser aus. Wie hat sich Ihr Leben in den letzten Jahren verändert, nach der Amputation Ihres Fußes, nach all den Klinikaufenthalten?

Mir geht es gut. Ich bin neulich Zuhause auf dem Teppich hingeflogen und war wieder drei Wochen im Krankenhaus. Es ist wieder ok. Es geht halt alles ein bisschen langsamer. Aber ich lebe viel zu gern. Ich ziehe mich immer gut an, das ist mir ganz wichtig. Ich gehe immer im Anzug aus dem Haus. Und gut riechen muss man.

Wie entspannen Sie sich in diesen Tagen – auf den letzten Metern vor Classic Open?

Ich bade jeden zweiten Tag. Ich liebe Schaum. Ne halbe Flasche haue ich da immer rein. Ich muss aufpassen, dass ich nicht einschlafe, weil ich mich da wohlfühle und geborgen. Ich bade gerne heiß.

Was machen Sie in der Wanne?

Zeitung lesen.

Was sind die Höhepunkte im Programm?

Wir haben insgesamt 340 Mitwirkende auf der Bühne. Ich habe nochmal Joy Fleming dabei, wegen des großen Erfolges im letzten Jahr. Das Pasadena Roof Orchestra aus London bringt ein Jazz-Programm mit. Mit 87 kehrt Ruth Homann nach Leipzig zurück. Das wird wohl ihr letzter Auftritt bei uns sein. Helen Schneider aus den USA ist dabei, Lukas Natschinski mit seiner Gruppe. Und Willy Ketzer, Europas bester Drummer. Er war musikalischer Chef der Carreras-Gala und hat inzwischen das Orchester von Paul Kuhn übernommen. Zurzeit ist Willy Ketzer noch auf Tour mit Helge Schneider; zu Classic Open ist er mit seinem Trio bei uns – und mit Deborah Woodson, der Soul-Queen aus New York. Die Bands Reinighaus und Chelesta geben Konzerte. Es gibt eine Big-Swing-Night und als Abschlusskonzert eine Riesen-Show unter dem Motto „Grönemeyer trifft Westernhagen“. Im DVD-Programm geht es unter anderem um Showgrößen, die uns vor Kurzem verlassen haben: Prince, Dalia Lawi, George Michael, Manfred Krug.

Bleibt es bei den selben Partnern?

Ja, seit 23 Jahren! Da musst Du erstmal hinkommen. Aber bei Organisation und technischer Ausstattung arbeite ich jetzt mit Koslik & Friends aus Leipzig und dem Media City Atelier (MCA) zusammen. Wir haben eine neue Bühne. Ich danke den Leipziger Kneipern sehr, die schon so lange zu mir halten. Und: Endlich habe ich mal wieder zehn Tage eine warme Mahlzeit.

Sonst nicht?

Manchmal koche ich.

Was denn?

Erasco-Kollektion. Ich bin da sehr genügsam.

Können Sie auch richtig kochen?

Ich brauche immer jemanden, der mir die Küche aufräumt hinterher.

Und daran scheitert’s.

Daran scheitert’s. Ich gehe lieber in Kneipen, wo die Mutti noch kocht und mache nicht so viel selbst. In meinem Kühlschrank ist auch fast nichts drin. Da laufen sich die Mäuse Blutblasen. Ich habe die letzten fünf Jahre drei Kaffeemaschinen geschenkt gekriegt. Die stehen alle noch eingepackt da. Ich trinke frühs drei Tassen bei meinem Bäcker Seifert in der Husemannstraße. Das Geniale da ist: Wenn ich mal schlechte Laune habe, dann sagen die zu mir „Komm wir trinken erstmal ’nen Wodka, früh halb Sieben“.

Aber sonst sind Sie meistens gut gelaunt...

Dass ich mir meine Naivität erhalten habe, dass ich albern bin, dass ich mich über jeden Mist totlachen kann, dass ich so eine Frohnatur bin, dass ich zurückgefunden habe ins Leben – dafür bin meinem lieben Herrgott dankbar.

Sie sind gläubig.

Ja, ich bin bloß aus der Kirche ausgetreten. Deswegen kann ich ja trotzdem gläubig sein.

Sie schreiben ein Buch. Wie weit sind Sie?

Es erscheint wahrscheinlich nächstes Frühjahr im Eulenspiegel-Verlag.

Was erwartet uns?

Der Leser lernt mich von einer ganz anderen Seite kennen.

Nämlich?

Ernsthaft auch. Aber der Spaß fehlt nicht, es gibt jede Menge Anekdoten. Es wird kein Buch, indem ich mit irgendwem abrechnen will.

Wie wird das Buch heißen?

„Ich dreh mich nochmal um.“

Arbeiten Sie eigentlich noch als Grabredner?

Ja. 20, 25 Mal im Jahr. Du kannst einfach nicht aufhören. Ein Arzt kann auch nicht sagen: Ich bin jetzt kein Arzt mehr. Ich bin seit meinem 24. Lebensjahr selbstständig.

Was bedeutet das, wenn man mit 24 Jahren auf eigenen Beinen steht und alles selber macht?

Du erreichst mehr, und Du gewinnst an Disziplin. Die brauchst Du, sonst fängst Du an zu schlampern. Ich stehe jeden Früh um sechs Uhr auf – außer am Wochenende. Selbstständig heißt selbst und ständig. Freischaffend heißt frei und schaffend. Es müssten viel mehr Leute selbstständig sein. Wenn ich sehe, wie sich manche morgens um halb Acht den ersten Kasten Bier holen. Was mich richtig nervt, sind die Leute, die ständig nur schimpfen und nichts selbst in die Hand nehmen, die an allem was zu meckern haben und auf den Staat schimpfen, der alles richten soll.

Von Björn Meine

Leipzig 51.339695 12.373075
Leipzig
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