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Polen in Leipzig: Andrzej Mokry im LVZ-Porträt

Polen in Leipzig: Andrzej Mokry im LVZ-Porträt

Rund 3000 Polen leben zurzeit in Leipzig. Mit seiner Veranstaltungsreihe "Polen von hier. Wir haben was zu bieten" präsentiert das Polnische Institut in Leipzig Landsleute, die in Deutschland arbeiten und eine zweite Heimat fanden.

Im Vorfeld der Gesprächsrunden stellt die LVZ die Protagonisten vor. Heute: Professor Andrzej Mokry.

Mark Knopfler und Carlos Santana - klar, die kennt er. "Aber sie spielen E-Gitarre", bringt Andrzej Mokry den Unterschied zu den Musiker-Kollegen gleich auf den Punkt. Der Konzertgitarrist und Hochschuldozent zupft, schlägt und streichelt die Saiten seiner Konzertgitarre aus der Werkstatt des New Yorker Gitarrenbaumeisters Thomas Humphrey ganz ohne technische Verstärkung. Auch das Repertoire der Virtuosen unterscheidet sich. "Ich spiele fast immer Bach", bekennt der 51-Jährige. Die Liebe zu Leipzig als Musikstadt im Ganzen und zu Bach habe ihn an die Pleiße geführt, wo er sich nun schon seit vier Jahren sehr wohl fühle.

Und die Leidenschaft für die Konzertgitarre ist es, die sein Leben bestimmt, seit er 17 ist. "Damals hatte ich ein Konzert besucht und wusste anschließend, so will ich auch Gitarre spielen", erinnert er sich. Er sei von dem Wunsch besessen gewesen. "Dabei war es ungewöhnlich spät, als ich mit 17 lernte, Noten zu lesen und dieses Instrument zu spielen." Der Vater stand den Plänen des Sohnes, der Radio- und Fernsehmechaniker gelernt hatte, zunächst skeptisch gegenüber. "Aber meine Mutter unterstützte mich von Anfang an."

Und so machte er sich auf den Weg - zunächst zu seinem ersten Lehrer, Jerzy Koenig, ins schlesische Bytom. "Das waren hin und zurück jeweils drei Stunden." Aber die hat der junge Mann gern auf sich genommen. "Ich wollte nur spielen, Musik machen." Es folgten Studienjahre in Warschau und Wuppertal, Meisterkurse in Brüssel, internationale Wettbewerbe, bald auch Einladungen zu Musikfestivals, Tourneen in Europa und Japan sowie Konzerte in den USA.

1987 kam Mokry nach Deutschland. Seit 2002, als er zum Hochschuldozenten für Gitarre ans Institut für Musik der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg berufen wurde, gibt der Mann mit den zwei Staatsbürgerschaften sein Wissen auch an Studenten weiter. 2007 dann der Wechsel an die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Als der perfekt war, suchte er samt Familie eine Wohnung in Leipzig. "Die Uni in Halle ist fantastisch, ich fühle mich dort sehr wohl, bilde künftige Musikpädagogen aus. Aber Leipzig gefällt mir doch besser. Die Stadt ist lebendig, kompakt, es gibt keine weiten Wege." Auch dass sich Leipzig als Universitäts- und Musikstadt definiere, gefalle ihm. "Wenngleich: Manchmal vermisse ich bei den renommierten Ensembles etwas mehr Mut, neue Wege zu gehen", so der Künstler und Musikexperte.

Seine Konzerte gibt er am liebsten in kleinen Räumen mit guter Akustik vor 100 bis 300 Leuten. Dass die Anzugsordnung heute manchmal etwas leger ausfällt, störe ihn nicht. Im Gegenteil, keinen feinen Zwirn zu besitzen, werde für manchen sonst zur Hemmschwelle und banaler Grund, nicht ins Konzert zu gehen. "Ich kleide mich auch lieber dezent, mag keine Krawatten und käme mir im Frack manchmal wie ein Pinguin vor", verrät er. Allerdings habe mal ein Herr in der ersten Reihe seines Konzertes gesessen, der weiße Socken trug und ständig mit dem Fuß wippte. "Das hat mich sehr irritiert und gestört", plaudert der Künstler vergnügt aus dem Nähkästchen.

Dass er in Leipzig nichts vermisse, dazu trage seit Kurzem in der Kreuzstraße 15 ein kleines Restaurant mit Bar bei. Zwei junge Polinnen bieten dort neben landestypischer Küche auch reichlich Gelegenheit zum Reden. "Ich bin wirklich gern im Poniatowski."

Andrzej Mokry ist am 26. November Gast der sechsten Folge der Reihe "Polen von hier", ab 19 Uhr im Polnischen Institut (Markt 10). Der Professor spricht über seinen künstlerischen Werdegang und spielt Stücke von Alexandre Tansman, Johann Sebastian Bach sowie Alberto Ginastera. Der Eintritt ist frei.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 25.11.2013
Cornelia Lachmann

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