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Professioneller Abstand, kein Berühren und die eigene Fantasie in kreative Bahnen lenken

Leipziger Aktfotograf rät Professioneller Abstand, kein Berühren und die eigene Fantasie in kreative Bahnen lenken

Der Leipziger Autodidakt Corwin von Kuhwede ist seit zehn Jahren Fotograf und hat auch gleich mit Aktfotografie angefangen. Seine Erfahrungen jenseits von technischen Details gibt der 37-Jährige jetzt in einem Buch weiter.

Seine Erfahrungen aus zehn Jahren Aktfotografie hat Corwin von Kuhwede in einem Buch zusammengefasst.

Quelle: André Kempner

Leipzig. „Deinen Job hätte ich auch gern“, bekommt Fotograf Corwin von Kuhwede manchmal scherzhaft von Freunden zu hören. „Frauen bezahlen dich dafür, dass sie sich vor dir ausziehen können.“ Ein Fünkchen Wahrheit sei da schon dran, schmunzelt der 37-Jährige, auch wenn sein Leben keineswegs nur aus Partys, schönen Frauen und Fotos bestehe. Drei Viertel des Alltags seien Bürodinge, Organisatorisches, Netzwerke knüpfen, kurzum Fleißarbeit – „da würden hübsche Frauen eher stören.“

Sinnlicher Akt im Sessel

Sinnlicher Akt im Sessel.

Quelle: Corwin von Kuhwede

Seit 2005 ist der Leipziger hauptberuflicher „Bildermacher“, und er hat auch gleich mit Aktfotografie angefangen – mit seiner damaligen Freundin und einer geborgten analogen Kamera in einer alten Plagwitzer Fabrikhalle. In seinem soeben erschienenen Buch „Leidenschaft Aktfotografie“ gibt der Autodidakt nun „Einblicke in das intimste aller Genres“. Ohne auf Blendenwerte, Blitztechnik oder Bildbearbeitung einzugehen, fasst er seine zehn Jahre Erfahrungen im Umgang mit der Nacktheit zusammen. Wer perfekt aufgebrezelte Beautys, sich räkelnde Frauen in verführerischen Posen oder gar pornografische Darstellungen vermutet, wird allerdings enttäuscht. Von Kuhwedes Fotos sind allesamt kindertauglich, sie zeigen die natürliche Ausstrahlung nackter Körper. „Aktfotos sind für mich Porträts unbekleideter Menschen“, sagt der Fotograf, der selbst Vater eines Sohnes ist.

Träumt sie von einem Rendezvous

Träumt sie von einem Rendezvous?

Quelle: Corwin von Kuhwede

Teils kommen seine Modelle als zahlende Kundinnen zu ihm ins Atelier in der Nikolaistraße. Teils sucht er im Internet oder auf der Straße Models für seine eigenen, freien künstlerische Projekte. Eines hieß „Idealbilder“ und zeigte Frauen, die extrem weit vom Schönheitsideal entfernt sind – mal matronenhaft, mal klapperdürr. Von Kuhwede hat sie auf sehr ästhetische Weise fotografiert, ebenso wie alte Menschen. „Aber Senioren sind noch schwerer zu finden. Bei denen spielt noch mehr eine Rolle, was andere über sie denken könnten.“

Professionelle Distanz zum Model, keine Berührungen, keine schlüpfrigen Bemerkungen, höflicher und respektvoller Umgang, immer die Würde der Person wahren, die eigene Fantasie für sich behalten und in kreative Bahnen lenken – das sind für den Aktfotografen Grundsätze, um sich das Vertrauen zu erarbeiten. In einem Vorgespräch bei einem Glas Tee wird das Shooting besprochen. Das dauert dann mindestens 90 Minuten, manchmal auch vier bis fünf Stunden. Los geht’s mit Porträts, dann wird die Schulter freigelegt oder der Pullover ausgezogen, bis der Fotograf schließlich bittet: „Du kannst jetzt in dein Evakostüm schlüpfen.“

 

Seine derzeitige Freundin hat der Leipziger letztlich auch bei einem Fotoshooting kennengelernt – so wie auch andere ihre Partner bei der Arbeit treffen. Sie habe kein Problem mit seinem Job, motiviere ihn sogar: „Sie mag meine Bilder und steht selbst nackt bei anderen Fotografen vor der Kamera, und das ist voll okay für mich.“

„Leidenschaft Aktfotografie“, erschienen bei Rheinwerk, 29,90 Euro. Am 6. April findet im Atelier von Silke Wagler am Thomaskirchhof eine Vernissage mit Aktfotos von Corwin von Kuhwede statt.

Von Kerstin Decker

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