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„Schlangenfrau“ Eliza verdreht sich und ihrem Publikum den Kopf

Leipziger Verbiegungskünstlerin „Schlangenfrau“ Eliza verdreht sich und ihrem Publikum den Kopf

„Du hast dein Schicksal in den Hintern getreten“, lobt Pop-Titan Dieter Bohlen. „Du gehörst nach Las Vegas“, ermutigte sie Juror Bruce Darnell. Mit einer Weltneuheit der Kontorsionskunst ist Alina Ruppel aus Leipzig im Finale von „Das Supertalent“ angetreten und Vierte geworden. Den Kampf gegen ihre Kinderlähmung hat die 20-Jährige schon längst gewonnen.

Seit zehn Jahren tritt Alina Ruppel mit ihrer Kontorsionskunst öffentlich auf und hat ihr Können perfektioniert.

Quelle: RTL / Stefan Gregorowius

Leipzig.. Alina hat ihren Kopf immer woanders – unter dem Po zum Beispiel oder zwischen den Knien. Als „Schlangenfrau“ verdreht sie ihrerseits den Zuschauern den Kopf, und das schon in China, der Schweiz, in Südafrika oder Las Vegas. In Kasachstan geboren, in Memmingen aufgewachsen, lebt Alina Ruppel seit 2015 in Leipzig. In der Südvorstadt hat die 20-Jährige ihren Manager und Showdesigner gefunden. In Leipzig macht sie derzeit auch ihre Ausbildung zur Veranstaltungs-Kauffrau. Im ersten Leben ist sie also Artistin und im zweiten Leben Azubi: „Ich brauche eine zweite Sicherheit. Ein Artist kann nicht ewig seinen Körper hergeben und sich verbiegen, irgendwann ist Schluss.“ Etwa bis sie 35 ist, kann sie als Kontorsionistin auf der Bühne stehen. Dann kämen jüngere und besser aussehende Talente.

Im September ging Alina in der RTL-Castingshow „Das Supertalent“ an den Start. Die Tochter eines Geräteturners und einer Zirkusartistin rührte mit ihrer Geschichte Juror Bruce Darnell zu Tränen. Er war so überzeugt von ihrem Talent, dass er für die „Schlangenfrau“ den Goldenen Buzzer drückte und sie damit direkt ins Finale am 17. Dezember in Köln schickte. Für das Finale studierte die Kontorsionistin eine Weltneuheit ein: Sie verbog sich zum „menschlichen Knoten“, der an allen vier Enden – sprich an Armen und Beinen – von je einem Tänzer „festgezogen“ wurde. Mit dieser Darbietung wählten die Zuschauer sie auf den vierten Platz. „Du hast dein Schicksal in den Hintern getreten und kannst dir sogar auf den Popo gucken, wer kann das schon?“, wurde sie von Jurychef Dieter Bohlen gelobt. „Du gehörst nach Las Vegas!“, ermutigte Jurykollege Bruce Darnell die junge Artistin, die sich insgeheim den „Supertalent“-Sieg erhofft hatte.

Das Leben fing für Alina nicht einfach an. Nach der Geburt erfuhren die Eltern, dass ihre Tochter an einer zerebralen Bewegungsstörung leidet, die sich später als Form der Kinderlähmung herausstellte. Perspektive: Rollstuhl. Bis zum achten Lebensjahr kämpfte das schmächtige Mädchen ohne Erfolg gegen die Lähmungen, die ihre Bewegungsfähigkeit extrem einengten. Sie beschreibt diese Zeit so: „Ich war nicht in der Lage, die Treppe hinunter zu laufen, ohne mindestens dreimal hinzufallen.“ Die Eltern wollten sich mit dem Schicksal, dass ihre Tochter eines Tages im Rollstuhl sitzen würde, nicht abfinden. Die Tante trainierte mit ihr zwei Jahre lang jeden Tag. Neben Massagen und Bewegungstherapie half ihr das, beweglich zu bleiben und die Symptome zu lindern. Dabei wurde auch das Talent des Sich-Verbiegens entdeckt und gefördert.

Als Alina acht Jahre alt war, zog die Familie nach Deutschland, da ihr Vater Russlanddeutscher ist. Mit zehn Jahren stand sie das erste Mal auf der Bühne und beeindruckte das Publikum durch ihre Kunststücke. Ihre Eltern sendeten daraufhin ein Video an die damals erste Sendung „Das Supertalent“. Die Zehnjährige schaffte es vor die Jury aus Dieter Bohlen, Ruth Moschner und André Sarrasani und zeigte ihren extrem flexiblen Körper. Doch das Aus kam sehr schnell, wie sich die 20-Jährige erinnert: „Dieter war nicht so begeistert von mir.“ Zu diesem Zeitpunkt hielt der Pop-Titan das Mädchen für zu jung für diesen Sport. Er sorgte sich um die Gesundheit der kleinen Artistin.

Zehn Jahre nach ihrem ersten Auftritt wagte Alina ihre Rückkehr auf die „Supertalent“-Bühne. Inzwischen ist aus dem schmächtigen und unsicheren Mädchen eine stolze junge Frau geworden. Sie hat ihre Kunst perfektioniert und sogar eine eigene Pose kreiert, den „Ruppel Backbend“, eine spezielle Zurückbeuge-Übung. Unter dem Künstlernamen Eliza gehört sie zu den Besten ihres Fachs, ist viel unterwegs, trainiert aber auch sehr viel. Sie hat an einem Filmdreh mitgewirkt, in dem sie als Spinnenfrau einen Mann um den Finger wickelt. Dieser Film bescherte ihr auch den ersten Auftritt auf einem Roten Teppich – in Kapstadt (Südafrika).

Nach dem Finale von „Das Supertalent“ hofft Alina auf neue spannende Angebote, zum Beispiel würde sie gern bei „Let’s Dance“ starten. Wäre sie Siegerin geworden, dann hätte sie sich mit dem Preisgeld von 100 000 Euro eine Eigentumswohnung gekauft. Und sie hätte ihre Tante in Kasachstan finanziell unterstützt, die behinderte Kinder therapiert. Den Auftritt im Show-Mekka Las Vegas, ebenfalls Bestandteil des Siegerpreises, hat sie ja bereits hinter sich. Auf jeden Fall will Alina ihre Ausbildung erfolgreich abschließen. Und ab Anfang 2017 mit ihrer neuen Show „Snake“ dem Publikum den Kopf verdrehen.

Von Kerstin Decker

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