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Schulmuseum I: Lehrer Günther Hessenauer erzählt vom Spicken

Schulmuseum I: Lehrer Günther Hessenauer erzählt vom Spicken

Wer etwas aufs Spicken hält, der hätte sich dieser Tage bei einem Experten Tipps holen können. Günther Hessenauer, pensionierter Lehrer aus Franken, besuchte das Schulmuseum in Leipzig.

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Ex-Lehrer Günther Hessenauer.

Quelle: Wolfgang Zeyen

Anlässlich der Ausstellung "Bloß nicht erwischen lassen! Spickzettel - Die verborgene Seite der Schule" erzählte der 72-Jährige von seiner beträchtlichen Sammlung und seinem ungewöhnlichen Hobby.

Etwa 3000 Zettel von Schülern hat Hessenauer in seinen fast vier Jahrzehnten als Lehrer gesammelt. Die allermeisten davon hat er sogar freiwillig zugesteckt bekommen, als sein Interesse die Runde machte. Bei seinen Schülern hat er die Diskussion um "unerlaubte Hilfsmittel", so die offizielle Bezeichnung, von der moralischen auf die persönliche Ebene geholt. Anstatt mit erhobenem Zeigefinger zu drohen, appellierte er an das Mitgefühl der Schüler: "Das ist eine blöde Situation für mich, wenn ich das entdecke. Wer mein Freund sein will, der bringt mich einfach nicht in diese Lage." So zu reagieren, habe aber Zeit und Erfahrung gebraucht, sagte Hessenauer.

Die vielen Spickzettel hat er in Kategorien aufgeteilt: die "Klassischen", die "Last-Minute-Spicker", die "Gebastelten", die "Computer-Spicker" und die "Unauffälligen". Die Zettel finden sich in allen Formen und Farben: um Kugelschreiber gerollt, in die Mäppchen gesteckt, in Armbanduhren oder Zigarettenschachteln gesteckt. Hessenauer hatte eine Auswahl mitgebracht, die er liebevoll präsentierte. "Die Fanta-Flasche ist etwas Revolutionäres", zollte er der Arbeit eines Schülers größten Respekt. Der hatte das Etikett im Wasserbad abgelöst, eingescannt, die Schrift verändert und die Flasche mit neuem Etikett versehen - schon erzählte das Kleingedruckte nicht mehr die Inhaltsstoffe der Limo, sondern verriet etwas über die amerikanische Außenpolitik. "Das ist wirklich kreativ", lobte der pensionierte Lehrer, der in seinem Leben viele Betrugsversuche erlebte.

Für "Last-Minute-Spickzettel" hat Hessenauer bis heute nicht viel übrig. Sie seien konfus, oft nicht zu Ende geschrieben und kaum zu lesen. Mit anderen Worten: "Pädagogisch überhaupt nicht wertvoll." Den "Klassikern" kann Hessenauer aber durchaus etwas abgewinnen. Sie seien mehr eine moralische Stütze, denn der Schüler brauche den Zettel im Test meist gar nicht. Mit den Schützlingen ein paar Tage vor der Arbeit gemeinsam einen Spicker zu schreiben, sei eine gute Art der Vorbereitung.

"Am Anfang habe ich nicht geglaubt, dass dieses Thema so wichtig ist", betonte Hessenauer. Ein Gebiet, auf dem es sehr viel zu hinterfragen gebe. "Schulische Subkultur ist wissenschaftlich bisher leider völlig unerforscht." Dabei böten die Zettel einen einzigartigen Einblick in die Welt der Schüler, spiegelten Gedanken und Probleme wider. Entgegen allen Vermutungen zeigte sich Hessenauer trotz der Generation Smartphone am Ende überzeugt: "Spickzettel werden nicht aussterben."

Die Wanderausstellung "Bloß nicht erwischen lassen!" ist noch bis 13. Juli zu sehen. Öffnungszeiten: montags bis sonnabends, jeweils von 9 bis 16 Uhr, dienstags von 9 bis 18 Uhr; Schulmuseum, Goerdelerring 20, Tel. 0341 2130568; am 10. Juli ab 17 Uhr wird Privatdozentin Brigitte Latzko von der Leipziger Universität das Spicken aus wissenschaftlicher Sicht beleuchten.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 04.07.2013

Dreisbach, Sofia

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