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"So war das damals": Nach der Skitour gab's Bratäpfel von Oma

"So war das damals": Nach der Skitour gab's Bratäpfel von Oma

Dezember 1954 in Leipzig-Kleinzschocher als eine damals üblichen Hausgeburten zur Welt, im Haus meiner Großeltern im Kantatenweg 8. Hier erlebte ich die schönste Kindheit und Jugend dank meiner lieben Großeltern Charlotte und Rudolf Schneidenbach.

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Foto: Andrea Warnecke

Quelle: dpa

Ich kam am 24. Getauft wurde ich 1955 in der naheliegenden Taborkirche.

Das kleine Haus hatte einen Vorgarten, dort wurden viele Gemüsesorten selbst gezogen. Es gab Hühner, Kaninchen Schafe und Ziegen. Mit der Ziegenmilch bin ich groß geworden, und ich trinke diese heute noch gern, da sie sehr gesund ist. Mein Großvater brachte viele verletzte und ausgesetzte Tiere mit nach Hause, so gab es Katzen, Igel, Hamster und Meerschweinchen, Schildkröten, Brieftauben und einen Hund namens Rex. Meine Eltern mussten beide arbeiten, so bin ich bei den Großeltern groß geworden.

In der heutigen schnelllebigen Zeit kann man sich das nicht vorstellen, es gab im Kantatenweg und den umliegenden Häusern Schwalben. Die Nester waren unterm Dach oder wie bei uns im Hausflur unter einem kleinen Anbau. In der Elster gab es Biber. Mit meinem Großvater unternahm ich lange Wanderungen mit dem alten Opernglas der Oma sowie Leberwurststullen als Wegzehrung. Stundenlang sind wir durch den Park von Kleinzschocher und entlang der Elster bis Großzschocher und Knautkleeberg gewandert. Denn ein Fahrrad war in den Fünfzigerjahren sehr teuer, und das Geld hatten wir nicht. Es war alles eine andere Zeit.

In der Küche stand ein großer Herd, da spielte sich das Leben ab. Dort standen auch ein Sofa und ein Radio. Der Küchenofen bollerte ständig zum Essenkochen oder mit Töpfen für Waschwasser. Wir hatten damals noch kein Bad. WC oder Dusche kannten wir nicht. Gewaschen wurde im Waschbecken in der Küche mit dem heißen Wasser aus dem Kochtopf vom Herd. Nur einmal in der Woche, immer Samstag, war Badetag und gleichzeitig großer Waschtag. Da wurde im Waschhaus der Kessel angeheizt und dann das heiße Wasser mit einem Schöpfeimer in die Wanne gegeben. Nicht so wie heute - ab ins Bad, Dusche auf und los geht das warme Wasser. Und die Toilette war auch außerhalb und immer kalt. Aber wir haben alles gut und ohne Schaden überstanden.

Mit meinem Großvater ging ich auch in den Wald von Kleinzschocher, um Holz für den Winter zu sammeln. Das wurde dann im Hof tagelang mit einer Säge zerkleinert. Und was hat meine Großmutter alles eingekocht! Mit Erdbeeren aus dem eigenen Garten ging es los - bis zur letzten Herbst- und Winterbirne. Äpfel, Birnen und Kartoffeln wurden eingekellert, oft auch Kohl und Gemüse. Was sind wir als Kinder nach einem Gewitter auf den Straßen rumgesprungen, durch die großen Pfützen, wenn alles überflutet war. Und was hatte ich für schöne Kinderfeste im Garten von meiner Freundin Renate Götze. Da wurden Lampions in den Bäumen aufgehängt, Kinderspiele im Garten gespielt. Abends sind wir alle mit einem Lampion durch den Schlossweg gewandert, oft zusammen mit Eltern oder Großeltern. Mein Großvater hatte im Hof eine alte Blechtafel aufgehängt, nach dem Schulunterricht kamen dann meine Klassenkameradinnen zu mir, dann wurde an der Tafel gemalt.

Unvergessen sind mir auch die Winter, dann ging es mit den alten Holzskiern über die Wiesen im Volkspark. Wenn wir dann verfroren nach Hause kamen, hatte meine Oma immer in der Bratröhre köstliche Bratäpfel vorbereitet. Welch eine Köstlichkeit! Am Küchenofen konnten wir uns aufwärmen. Bis heute erinnere ich mich auch an das tägliche Einkaufen. In den Fünfziger- und Sechzigerjahren gab es den Kaufmann oder den Konsum, Konsummarken, lose Butter und Fleischsalat an einem Verkaufsstand mit einer Verkäuferin. Die Milch habe ich noch bei Milch-Geidels in einer großen Kanne geholt. Einmal war ich damit hingefallen, weil ich mich mit der Kanne im Kreis ganz schnell gedreht hatte. Oh, das gab Tränen und Ärger.

In der Weihnachtszeit, da wurde Stollenteig in der Küche zubereitet mit den Zutaten aus dem Westpaket vom Onkel aus Köln. Der Teig musste am Ofen zugedeckt ein paar Stunden gehen. Danach wurde er zum Bäcker Eisenach getragen, mit Stollenzeichen für jede Familie. Die fertigen Stollen wurden auf großen Brettern in der guten Stube abgestellt, mit Butter bestrichen und mit Puderzucker bestäubt. Der erste Stollen wurde erst im Advent angeschnitten. Vorher gab es keine Stollen oder Adventsgebäck. Nicht so wie heute, wo schon im August Stollen und Lebkuchen in Regalen liegen.

So schnell ist diese Zeit vergangen, nun sind es schon sechzig Jahre. Aber ich liebe meine Heimat Leipzig-Kleinzschocher. Seit zwanzig Jahren arbeite und lebe ich auf der Insel Hiddensee. Aber meine Heimat ist und bleibt Leipzig. Hier bin ich aufgewachsen und kenne jeden Weg und jeden Stein, jedes Haus. Hier sind die alten Freunde, Schulkameraden und die Nachbarn. Die Besuche in Leipzig bei meiner Mutter, sie sind ein Nachhausekommen, auch wenn sich viel verändert hat. Ich kenne nur die Erzählungen meiner Großmutter von den schönen Bootsfahrten auf der Elster. Im vorigen Jahr habe ich zum ersten Mal diese Tour mit Herolds Booten mitgemacht und bin begeistert! Leipzig ist so schön geworden und wird bei jedem Besuch schöner. Immer, wenn ich nach Leipzig komme, und das mehrmals im Jahr, gehe ich die alten Wege, treffe dann so viele Freunde und Bekannte und die ganzen Erinnerungen fallen mir wieder ein. Es war einmal-

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 14.01.2015

Christine Arendt

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