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Stadtführungen: Premiere für neue Ghost-Tour durch Leipzig

Mit der Lizenz zum Gruseln Stadtführungen: Premiere für neue Ghost-Tour durch Leipzig

Das ist nicht's für schwache Nerven: Was haben die Totengräber an der Thomaskirche so getrieben? Warum wurden einst in Großzschocher Leute ausgemerzt - und zwar durch eine ganze Familie? Diese und viele andere Fragen will Daniela Rohr bei der neuen Ghost-Tour, die am Samstagabend Premiere hat, beantworten.

Daniela Rohr bei der Ghost-Tour

Quelle: André Kepmner

Leipzig. "Es wird einmal eine ganz andere Art, Leipzig zu entdecken", sagt Rohr, die eigentlich das Büro der Gästeführerfirma Treffpunkt Leipzig leitet und auch Touristen führt. Blutrünstige Kriminalfälle kommen aber nur zu einem kleinen Teil vor. "Geister, Grusel, Grüne Fee" ist die Tour überschrieben, die abends - wenn die Stadt ein wenig zur Ruhe gekommen ist - angeboten wird.

 "Für uns wird die Ghost-Tour absolutes Neuland", erzählt Chefin Sonja Pfeifer-Suppee, die die Idee von einer USA-Reise mitbrachte. Dort stehen die Leute weniger auf normale, faktenreiche Stadtführungen. Eher auf besondere Geschichten. Dafür gibt es in Leipzig genug, etwa rund um Hinrichtungen und drakonische Strafen im Mittelalter. Rohr wird beispielsweise das "sächsische Obscurum", eine Sammlung mit "scheuderlichen und greulichen Geschichten" aus alten Chroniken, bemühen.

 Eine heiter angelegte Kostümführung wird das gewiss nicht. Auch keine Krimi-Tour. Ein wenig geheimnisvoll und vielleicht esoterisch geht es schon zu. So war Leipzig ja im 19. Jahrhundert - beflügelt durch die hier angesiedelten Verlage - eine Hochburg der Esoterik. "Es gab eine regelrechte Esoterik-Welle mit Zirkeln und Bruderschaften", so Rohr, die Germanistik, Literaturwissenschaften und Soziologie studierte. Als Gästeführerin hat sie ein IHK-Zertifikat abgelegt: "Ich bin ein zertifizierter Geist", schmunzelt die 33-Jährige, "und habe quasi die Lizenz zum Gruseln."

 Die Tour, die die Leute ein wenig das Fürchten lehren soll, ist ab 18 Jahren - und soll viele Jüngere ansprechen. Sie werden auch ins Geheimnis des Absinths eingeweiht, der einst viele Menschen in den Wahnsinn getrieben und zugrunde gerichtet haben soll. Jenes "bewusstseinserweiternde Getränk" war daher lange Zeit verboten. So soll Absinth abhängig machen und schwerwiegende gesundheitliche Schäden hervorrufen, hieß es damals. Das lag aber wohl nur an der konsumierten hohen Menge und schlechten Qualität des Alkohols. Was ist also wirklich dran am Mythos der "grünen Fee"? "Es gibt auch einen Absinth zum Kosten - wir kehren in die Sixtina ein", kündigt Rohr an. Das ist ein Lokal in der Sternwartenstraße mit schwarz-bunt verrücktem Tresenteam und durchaus einer etwas gespenstigen Atmosphäre. Daniela Rohr wird übrigens nicht die einzige Gästeführerin sein, die sich in kleiner Gruppe mit maximal 15 Personen auf Ghost-Tour begibt. Sie hat noch drei Mitstreiter. Wie Nachtwächter Bremme soll das neue Angebot ein Markenzeichen von Treffpunkt Leipzig werden. Pfeifer-Suppee: "Wir sind gespannt, wie die Leipziger unsere Ghost-Tour annehmen."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 05.09.2015
Matthias Orbeck

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