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Boulevard TV-Produzent Hans-Jürgen Kliebenstein ist dem Herztod von der Schippe gesprungen
Leipzig Boulevard TV-Produzent Hans-Jürgen Kliebenstein ist dem Herztod von der Schippe gesprungen
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23:59 27.03.2015

Mit Blick auf seine Vergangenheit als Größe im Showgeschäft und die Gegenwart als abgemagerter Ex-Held, der im Sommer 2014 mehrfach dem Herz-Tod von der Schippe gesprungen ist, bietet sich diese Variante an: "Kampf zurück ins Leben." Ja, sagt Kliebenstein. "Passt. Ich bin wieder da, jeden Tag ein bisschen mehr."

Fitnessstudio Skyline, Haus Leipzig. Man kennt sich, könnte jetzt lügen: "Gut siehst Du aus, Hans-Jürgen!" Er sieht nicht gut aus, ist dünn wie ein Strich, wird vom Trainingsanzug verschluckt.

Einen Kliebenstein gab es öffentlich nur im edlen Zwirn. Einstecktuch, Wohlstandsbauch, Zigarre, Schampus, prominente Freunde/Bekannte, hochwichtige Gespräche. Und, ja, die Weibchen-Suche war eine nie endende. Und sie fiel dem gut situierten Strippenzieher, Charmeur und Lebemann leicht.

An einen Kliebenstein im Trainingsanzug muss man sich erst gewöhnen. Aus einem raumfüllenden Mannsbild ist ein Männchen mit brüchiger Stimme geworden. Der Rekonvaleszent: "Ich habe 18 Kilo abgenommen. Aber ich lebe."

Das Leben des 65-Jährigen hängt im Sommer letzten Jahres zehn lange Wochen am seidenen Faden. Der Öffentlichkeit bleibt Kliebensteins Kampf auf Leben und Tod bis heute verborgen. Jetzt kann und will er reden. Will zeigen, dass es ihn noch gibt.

Frühjahr 2014: Kliebenstein ist kurzatmig, muss beim Treppensteigen Pausen einlegen. Ein Arztbesuch später steht der OP-Termin im Leipziger Herzzentrum. 40 Jahre auf der Überholspur mit unzähligen Zigaretten, Zigarren, Drinks und kurzen Nächten fordern ihren Tribut. Dazu kommen Existenzängste. Der ehemals wohlhabende TV-Produzent und Erfinder der José-Carreras-Gala ist pleite. Viele Millionen sind weg. Mit ihnen viele Freunde. Und Kliebensteins ansteckende Leichtfüßigkeit.

14. Juli 2014, Eingriff an der Herzklappe. Eigentlich Routine. Es kommt zu Komplikationen. Posttraumatisches Delirium, Blutung im Herzbeutel, Not-OP, künstliches Koma. "Ich war mehrfach klinisch tot." Lebensgefährtin Erika, 67, schreibt sich die Todesangst von der Seele, führt Tagebuch. Magensonde, Herzschrittmacher, Schläuche, Drainage - das volle Programm.

Fünf weitere Operationen holen ihn zurück ins Leben. Erika schreibt: "Es geht langsam bergauf. Gott sei Dank." Sie schreibt auch: "Du bist ein unleidlicher Patient, moserst und motzt. Die Schwestern werden langsam sauer."

Kliebenstein erklärt sich und die Krankenhaus-Situation so: "Ich war jahrzehntelang ein Diktator. Einer, der sagt, wo es lang geht. Und dann liegst du hilflos da, hast Schmerzen und denkst: Es kümmert sich keiner um mich. Was natürlich völliger Schwachsinn war. Ich habe die im Krankenhaus tyrannisiert, war in meinem früheren Egomanen-Muster: Erst reden, dann denken."

In den Wochen der Reha hat Kliebenstein ausreichend Zeit, über die Bücher zu gehen. Er wird ruhiger, menschenfreundlicher und entdeckt vor allem eines wieder: die Lust am Leben. "Ohne meine Erika wäre ich nicht mehr da", sagt er. "Jetzt soll sie auch noch ein paar Jährchen etwas von mir haben. Ich will ihr nicht auf der Tasche liegen, will wieder arbeiten." In beratender Funktion. In einem Revier, wo er einst Oberförster war: Dem TV-Business.

Kliebensteins Vita ist atemraubend. Radio- und TV-Moderator, besucht fürs Sat1-Reisemagazin 200 Länder, schreibt Drehbücher, wird TV-Produzent, feiert in den 1980er-Jahren in einem noblen Wiesbadener Altbau wilde Partys mit Peter Maffay, Udo Lindenberg, Klaus Meine, Jack White und anderen Stars. Der fesche Porsche-Fahrer säuft wie ein Loch, liebt die Frauen, ist arrogant. "Ich war ein Arschloch. Aber ein erfolgreiches."

1995 erfindet Kliebenstein die erfolgreichste deutsche Benefiz-Show, die José-Carreras-Gala. Der MDR-Quotenhit geht empfindsam mit Leukämie-Patienten um, baut Stars behutsam ins Programm ein. 2009 findet die letzte Gala unter Kliebensteins Führung statt. Ohne einander geht es für beide bergab. In Sachen Aura, Perspektive und Finanzen. Als MDR-Unterhaltungschef Udo Foht 2011 gehen muss, hat Kliebenstein seinen wichtigsten Fürsprecher verloren. Projekte wie ein Heino-Musical und das Musik-Hotel im Erzgebirge werden nie verwirklicht. Er muss sich verkleinern, zieht aus der Villa in Markkleeberg und den XXL-Büros in der Media-City. Lebensgefährtin Erika fängt ihn auf.

Skyline-Fitnessstudio, Haus Leipzig. Kliebenstein drückt Gewichte. Die Muskeln kehren langsam zurück. Der Optimismus ist schon da.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 28.03.2015

Guido Schäfer

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