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Tatort-Doppelfolge: TV-Kommissare drehen zum letzten Mal alle gemeinsam in Leipzig

Tatort-Doppelfolge: TV-Kommissare drehen zum letzten Mal alle gemeinsam in Leipzig

Dieser Mörder ist nicht zu beneiden. Gleich mit vier Kommissaren des ARD-Tatorts bekommen es der oder die Täter in einer Doppelfolge der Krimi-Reihe zu tun, in der das Kölner Duo Schenk und Ballauf zusammen mit den Lokalmatadoren Saalfeld und Keppler ermittelt.

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Treffen der TV-Kommissare: Das Kölner Ermittler-Team zu Gast bei den Leipziger Kollegen.

Quelle: Regina Katzer

Leipzig. Gemeinsam präsentierten die Schauspieler Simone Thomalla, Martin Wuttke, Klaus J. Behrendt und Dietmar Bär das Projekt am Donnerstag in Leipzig. Zentrale Erkenntnis: Persönlich verstehen sich die Akteure blendend, als Kommissare fetzen sie sich.

Es ist geballte TV-kriminologische Kompetenz, die sich am Donnerstagmittag in der Leipziger Konsumzentrale in der Plagwitzer Industriestraße versammelt hat. Wenn in der Stadt ein Tatort gedreht wird, beziehen normalerweise lediglich die Leipziger Kommissare hier ihre fiktiven Büroräume. Jetzt tummeln sich neben Simone Thomalla und Martin Wuttke auch noch die Kollegen Dietmar Bär und Klaus J. Behrendt in der Filmkulisse – umringt von gut einem Dutzend Fotografen. Das Interesse ist riesig an der insgesamt dritten Tatort-Kooperation der Ermittler aus Nordrhein-Westfalen und Sachsen, von WDR und MDR.

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Leipzig. Das gab es noch nie in der 40-jährigen Geschichte des ARD-Tatorts: Zwei Ermittlerteams sind an zwei aufeinanderfolgenden Tagen auf Verbrecherjagd. Zu Ostern suchen die Kommissare aus Leipzig und Köln einen Kindermörder. Die beiden Folgen wurden bereits am Dienstag vorab im Leipzig Cinestar gezeigt. Drei TV-Kommissare waren mit dabei.

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Für die Kölner Dauerbrenner Bär und Behrendt ist dies keine neue Erfahrung. Bereits in den Jahren 2000 („Quartett in Leipzig“) und 2002 („Rückspiel“) kooperierten beide mit Leipziger Kollegen. Die hießen damals allerdings noch Ehrlicher und Kain alias Peter Sodann und Bernd Michael Lade. Beide wünschten sich ausdrücklich schon seit längerem eine Neuauflage. Weil Köln als Spielwiese nicht mehr ausreicht? "Nein, Köln ist noch immer sehr reizvoll. Aber mit den Kollegen aus Leipzig zusammenzukommen hat eben auch seinen Charme, zumal sich das Team ja auch geändert hat", weist Behrendt im Gespräch Amtsmüdigkeit nach 14 Jahren Tätigkeit am Rhein von sich. Er wolle „die anderen Ermittlerteams in ganz Deutschland nicht abwerten“, aber mit dem Leipziger Team habe sich eine erneute Zusammenarbeit einfach angeboten. "Jenseits des Stoffs freut man sich ja auch auf die Kollegen“, sagt Behrendt – und denkt dabei vor allem an Schauspielkollege Martin Wuttke. „Wir kennen uns schon sehr lange persönlich, eigentlich schon seit unserer gemeinsamen Zeit auf der Schauspielschule.“

Gemeinsam nutzen die Darsteller die Zeit an der Pleiße, um auch mal zusammen ein Bier trinken zu gehen. "Martin ist dann mein Stadtführer", sagt  Behrendt und gesteht, ein Leipzig-Fan zu sein: „Also ohne Schmeichelei, aber Leipzig ist wirklich zu einer wunderschönen Stadt geworden. Ich meine, es war schon immer schön hier, aber mit dem zeitlichen Abstand von zehn Jahren ist es wirklich beeindruckend, wie sich hier alles entwickelt hat." Kollege Bär ist nicht minder angetan, verfolgte die Entwicklung aber genauer. "Ich komme ja öfter in die Stadt, weil ich Pate beim Theater der Jungen Welt bin." Nicht nur deshalb gastiert er auch als Kommissar gerne in Leipzig. "Ich finde einfach, so eine Zusammenarbeit bereichert das Format", sagt Bär, der in der Realität gar nicht so rundlich wie auf der Mattscheibe aussieht.

Für das vergleichsweise noch recht neue Leipziger Team ist die Produktion hingegen eine völlig neue Erfahrung. "Ich finde die Kooperation sehr reizvoll und mit Klaus und Dietmar zu arbeiten macht besonderen Spaß", sagt Simone Thomalla und lächelt die nebenan sitzenden Kollegen charmant an. Nicht ohne schnell hinterher zu schicken: "Mit Martin bin ich ja auch sehr glücklich, aber drei solche Kommissare um mich zu haben ist natürlich umso schöner."

Das klingt nach jeder Menge Frieden, Freude und Eierkuchen – in der ersten gemeinsamen Episode mit dem Titel „Kinderland“ soll davon auf dem Bildschirm aber zunächst wenig zu sehen sein. "Es gibt ein paar Reibereien am Anfang", verrät Thomallas Partner Martin Wuttke. Vor allem zwischen seinem Alter-Ego Andreas Keppler und dem von Freund Behrendt gespielten Kommissar Ballauf kommt es zu ernsthafteren Auseinandersetzungen bis hin zu Handgreiflichkeiten. "Es ist aber der Beginn einer wunderbaren Freundschaft zwischen den Kommissaren, auch wenn es alles etwas hakt zu Beginn", sagt Wuttke und lächelt verschmitzt. Für Filmpartner Bär liegt es auf der Hand, dass es zu Streitigkeiten zwischen den Teams kommen muss: "Na hören Sie mal. Vier Kommissare, drei Männer, eine Frau – da müssen doch die Fetzen fliegen."

Die Zusammenarbeit der beteiligten ARD-Anstalten MDR und WDR könnte derweil harmonischer offenbar nicht sein, glaubt man den Aussagen der Beteiligten. "Wir hatten schon länger überlegt, welche Team wir zusammen spannen können. Da war schnell klar, dass wir das gerne wieder mit den Kölnern machen wollen. Die Kommissare sind knackige Typen und bodenständig. Das passt gut zu unserem Leipziger Team", sagt der verantwortliche  MDR-Redakteur Sven Döbler. Sein WDR-Kollege Frank Tönsmann ergänzt: „Der Wunsch war da, die Kooperation von vor zehn Jahren wieder aufleben zu lassen und etwas ganz Neues zu machen: Zwei Fälle, die in direkter Beziehung zueinander stehen."

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Tatort-Produzent Jan Kruse.

Quelle: Regina Katzer

Doch wie engmaschig sind die beiden Fälle in Leipzig und Köln tatsächlich miteinander verstrickt? "Es sind zwei eigenständige Fälle, es gibt eine Brücke, eine gemeinsame Rahmenhandlung", beschreibt Produzent Jan Kruse die dramaturgische Verbindung. "Man kann beide Filme auch einzeln schauen. Die Zuschauer, die beide sehen, haben aber einen Mehrwert, ein zusätzliches Bonbon." Eingefleischte Tatort-Fans sollen in jedem Fall auf ihre Kosten kommen. In der aktuellen Leipziger Produktion wird es beispielsweise auch einen Rückbezug auf die ersten Kooperationen vor zehn Jahren geben. Ballauf und Schenk erinnern sich im Film an die gemeinsame Zusammenarbeit mit den Leipzigern, stellen fest, dass die damaligen Kommissare nicht mehr im Dienst sind und reisen ohne Ankündigung an die Pleiße, was schließlich den anfänglichen Zoff mit den Kollegen vor Ort mit begründet.

Die Dreharbeiten in Leipzig dauern noch bis zum 23. August an. Die Schauspieler Behrendt und Bär reisen zunächst am Donnerstagabend beziehungsweise am Freitagmorgen ab, gastieren bis zum Drehschluss aber noch mehrfach in Leipzig. Am Mittwoch standen alle vier jedoch das vorerst letzte Mal gemeinsam vor der Kamera. Bei den nächsten Drehterminen treffen sich die Kommissare stattdessen in ungewohnten Konstellationen wieder. Dietmar Bär dreht gemeinsam mit Simone Thomalla, Klaus J. Behrendt gemeinsam mit Freund Martin Wuttke. Ab Ende September wird die Produktion in Köln fortgesetzt.

Die beiden Doppelfolgen „Kinderland“ und „Ihr Kinderlein kommet“ sollen 2012 ausgestrahlt werden. Ein genauer Termin steht noch nicht fest. Genauso wenig ist sicher, ob MDR und WDR sich in der ARD-Senderfamilie durchsetzen und beide Filme an zwei aufeinanderfolgenden Sonntagen ausgestrahlt werden.

Alexander Laboda

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