Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / -5 ° Schneeregen

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Trauer um Lollo: Leipzigs berühmtester Klomann ist tot

Elsterartig-Legende Trauer um Lollo: Leipzigs berühmtester Klomann ist tot

Ludenbart, weißer Anzug und Porno-Sonnenbrille: So begrüßte Lollo die Besucher des Clubs „Elsterartig“ auf dem nächtlichen Weg zum WC. Nun ist Leipzigs berühmtester Klomann überraschend gestorben.

Leipzigs „Kult-Klomann“ Lollo ist gestorben. Seit 2014 hatte er die WC-Gäste im Club „Elsterartig“ begrüßt. Davor war er unter anderem Toilettenmann auf der Parkbühne (Foto).
 

Quelle: André Kempner

Leipzig. Die Szene der Stadt trauert um eine Legende: Lollo aus dem „Elsterartig“ ist tot. Leipzigs berühmtester Klomann starb am Wochenende, wie die Betreiber der Diskothek am Montagmorgen bei Facebook mitteilten. „Danke für alles Lollo! Wir werden dich sehr vermissen!“, schrieb das „Elsterartig“-Team. Darunter posteten die trauernden Kollegen ein Schwarz-Weiß-Foto der früheren Kiez-Größe, die mit Mitte 70 völlig unerwartet aus dem Leben schied. Das genaue Alter von Lollo, der eigentlich Lothar Frees hieß und aus Hannover stammte, wurde nicht bekannt.

Mit Ludenbart, weißem Anzug, Porno-Sonnenbrille und nach hinten gekämmten Haaren begrüßte Lollo jahrelang die Besucher des Clubs am Dittrichring auf dem Weg zum WC. Beim Händewaschen auf der Herrentoilette hatte er auch spät in der Nacht stets ein Papiertuch zur Hand und einen lockeren Spruch auf den Lippen. Oft und gerne posierte er für Selfies mit den Gästen. „Er hatte immer gute Laune“, sagte Stefan Lorenz, einer der drei Elsterartig-Geschäftsführer, gegenüber LVZ.de. „Wir sind alle sehr bestürzt und können es noch gar nicht richtig fassen.“

Vom Kiez-König zum Kult-Klomann

Zu den Todesumständen wollte sich Lorenz mit Rücksicht auf die Angehörigen nicht äußern. Bis zuletzt habe Lollo noch im „Elsterartig“ gearbeitet. Seit der Eröffnung des Clubs im Oktober 2014 klimperten von Donnerstag bis Samstag die Münzen auf seinem Teller. Davor schlug er sich unter anderem die Nächte im Volkspalast auf der Alten Messe oder an der Toilette der Parkbühne im Clara-Zetkin-Park um die Ohren.

Der König der Klomänner hatte eine bewegte Vergangenheit in der westdeutschen Rotlichtszene hinter sich. Mit 30 eröffnete Lollo sein erstes „Etablissement“ in Bremen. In Hannover betrieb er ein Bordell am Reitwall. Es folgten weitere Nachtclubs in Hamburg, Frankfurt und Nordhorn. Mitte der 1980er-Jahre zog sich Lollo aus der Szene zurück, als Grund nannte er unter anderem den zunehmenden Kokain-Konsum. „Als das weiße Dreckszeug kam, hab’ ich aufgehört. Ich hasse das Zeug, es zerstört den Charakter“, sagte er 2015 der Bild-Zeitung.

Nach Leipzig verschlug es den gelernten Schlosser nach der Wende als Fensterbauer. Als Frees 1997 arbeitslos wurde, fing er als Klomann bei Nordsee in der Petersstraße an. „Hätte nie gedacht, was man da für Storys erlebt. Tränen, Streit, Sex. Einmal haben sich mal drei Mädels gegenseitig intim auf der Toilette rasiert. Das war schon echt schräg! Ich hab sie aber machen lassen“, erzählte er einst in einem Interview.

Auch als TV-Schauspieler war Lollo bekannt. Unter anderem stand er 2013 in der Sat1-Vorabendserie „Patchwork Family“ als Clubbesitzer Toni Wischnewski vor der Kamera. Im Frühjahr startete das „Elsterartig“ noch eine dreiteilige Youtube-Miniserie mit ihm als Vorleser schlüpfriger Witze.

Fans geschockt – Lollos Stuhl bleibt leer

Auf Lollos Tod reagierten die Fans bei Facebook geschockt. „Du hast uns viele Jahre in vielen Clubs begleitet. Ein Teil unserer Jugend. Ruhe in Frieden“, trauerte ein Nutzer. „Wir verlieren damit nicht nur einen hochgeschätzten Mitarbeiter, sondern auch eine beeindruckende Persönlichkeit und einen guten Freund!“, schrieb das Elsterartig zum Abschied. Ein anderer User postete: „…und ich habe mich Samstag noch gewundert, warum der schwarze Stuhl in der Elster leer war.“

Ob es eine Würdigung oder einen offiziellen Abschied gibt, steht noch nicht fest. Das „Elsterartig“-Team will darüber in Ruhe entscheiden. Einen Nachfolger an der Toilettentür wird es definitiv nicht geben. Club-Chef Lorenz: „So einen wie Lollo kann man nicht ersetzen.“

Von Robert Nößler

Leipzig Dittrichring 17 51.34099 12.37029
Leipzig Dittrichring 17
Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Boulevard
LVZ-Reportage zu Crystal Meth in Sachsen

Die große Multimedia-Reportage berichtet über Crystal-Abhängige, Suchtberater und Drogenfahnder. mehr

  • Asisi - Welt der Panoramen
    Panometer Leipzig: Alle Infos zum "Great Barrier Reef" und den weiteren Panoramaprojekten von Yadegar Asisi

    Erfahren Sie im Special von LVZ.de alles zum Great Barrier Reef im Panometer Leipzig und den asisi-Panoramen in Dresden. mehr

  • Sparkassen Challenge
    Logomotiv der Sparkassen Challenge 2016

    Sport frei!, heißt es auch 2016 bei zahlreichen Wettkämpfen der Sparkassen-Challenge. Alle Events mit vielen Fotos finden Sie hier! mehr

  • Schau! Das Leipziger Museumsportal
    Schau! Das Leipziger Museumsportal

    Alle Informationen zu den Museen in Leipzig, ihren Ausstellungen und Events auf einen Blick im Special der LVZ. mehr

  • Zoo Leipzig
    Zoo Leipzig

    Infos und Events aus dem Zoo Leipzig sowie zahlreiche Bilder aller Vierbeiner und der geflügelten Zoobewohner. mehr

Ob zur Entspannung, in der Mittagspause oder zum Spaß mit Freunden. Auf unserer Spieleseite können Sie wählen zwischen Denksport-, Geschicklichkeits-, Such- und Sportspiele. Probieren Sie es aus im Spieleportal von LVZ.de. mehr

  • Leipzig Wiederentdeckt
    Leipzig Wiederentdeckt

    Die 13 Filme schildern eine einzigartige Zeitreise durchs 20. Jahrhundert der Stadt Leipzig – von den Anfängen des Films bis zur Wendezeit. Mit bis... mehr

  • So war das damals...
    So war das damals...

    Dies ist ein Geschichtenbuch der besonderen Art: Leserinnen und Leser der Leipziger Volkszeitung erzählen Erlebnisse aus ihrer Kindheit und Jugend,... mehr