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Boulevard Trauer um Lollo: Leipzigs berühmtester Klomann ist tot
Leipzig Boulevard Trauer um Lollo: Leipzigs berühmtester Klomann ist tot
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17:30 20.06.2016
 Leipzigs „Kult-Klomann“ Lollo ist gestorben. Seit 2014 hatte er die WC-Gäste im Club „Elsterartig“ begrüßt. Davor war er unter anderem Toilettenmann auf der Parkbühne (Foto).  Quelle: André Kempner
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Leipzig

Die Szene der Stadt trauert um eine Legende: Lollo aus dem „Elsterartig“ ist tot. Leipzigs berühmtester Klomann starb am Wochenende, wie die Betreiber der Diskothek am Montagmorgen bei Facebook mitteilten. „Danke für alles Lollo! Wir werden dich sehr vermissen!“, schrieb das „Elsterartig“-Team. Darunter posteten die trauernden Kollegen ein Schwarz-Weiß-Foto der früheren Kiez-Größe, die mit Mitte 70 völlig unerwartet aus dem Leben schied. Das genaue Alter von Lollo, der eigentlich Lothar Frees hieß und aus Hannover stammte, wurde nicht bekannt.

Liebe Gäste, Freunde & Fans! Leider müssen wir Euch an dieser Stelle mitteilen, dass unser "Lollo" am Wochenende...

Gepostet von ELSTERARTIG am Sonntag, 19. Juni 2016

Mit Ludenbart, weißem Anzug, Porno-Sonnenbrille und nach hinten gekämmten Haaren begrüßte Lollo jahrelang die Besucher des Clubs am Dittrichring auf dem Weg zum WC. Beim Händewaschen auf der Herrentoilette hatte er auch spät in der Nacht stets ein Papiertuch zur Hand und einen lockeren Spruch auf den Lippen. Oft und gerne posierte er für Selfies mit den Gästen. „Er hatte immer gute Laune“, sagte Stefan Lorenz, einer der drei Elsterartig-Geschäftsführer, gegenüber LVZ.de. „Wir sind alle sehr bestürzt und können es noch gar nicht richtig fassen.“

Vom Kiez-König zum Kult-Klomann

Zu den Todesumständen wollte sich Lorenz mit Rücksicht auf die Angehörigen nicht äußern. Bis zuletzt habe Lollo noch im „Elsterartig“ gearbeitet. Seit der Eröffnung des Clubs im Oktober 2014 klimperten von Donnerstag bis Samstag die Münzen auf seinem Teller. Davor schlug er sich unter anderem die Nächte im Volkspalast auf der Alten Messe oder an der Toilette der Parkbühne im Clara-Zetkin-Park um die Ohren.

Der König der Klomänner hatte eine bewegte Vergangenheit in der westdeutschen Rotlichtszene hinter sich. Mit 30 eröffnete Lollo sein erstes „Etablissement“ in Bremen. In Hannover betrieb er ein Bordell am Reitwall. Es folgten weitere Nachtclubs in Hamburg, Frankfurt und Nordhorn. Mitte der 1980er-Jahre zog sich Lollo aus der Szene zurück, als Grund nannte er unter anderem den zunehmenden Kokain-Konsum. „Als das weiße Dreckszeug kam, hab’ ich aufgehört. Ich hasse das Zeug, es zerstört den Charakter“, sagte er 2015 der Bild-Zeitung.

Nach Leipzig verschlug es den gelernten Schlosser nach der Wende als Fensterbauer. Als Frees 1997 arbeitslos wurde, fing er als Klomann bei Nordsee in der Petersstraße an. „Hätte nie gedacht, was man da für Storys erlebt. Tränen, Streit, Sex. Einmal haben sich mal drei Mädels gegenseitig intim auf der Toilette rasiert. Das war schon echt schräg! Ich hab sie aber machen lassen“, erzählte er einst in einem Interview.

Auch als TV-Schauspieler war Lollo bekannt. Unter anderem stand er 2013 in der Sat1-Vorabendserie „Patchwork Family“ als Clubbesitzer Toni Wischnewski vor der Kamera. Im Frühjahr startete das „Elsterartig“ noch eine dreiteilige Youtube-Miniserie mit ihm als Vorleser schlüpfriger Witze.

Fans geschockt – Lollos Stuhl bleibt leer

Auf Lollos Tod reagierten die Fans bei Facebook geschockt. „Du hast uns viele Jahre in vielen Clubs begleitet. Ein Teil unserer Jugend. Ruhe in Frieden“, trauerte ein Nutzer. „Wir verlieren damit nicht nur einen hochgeschätzten Mitarbeiter, sondern auch eine beeindruckende Persönlichkeit und einen guten Freund!“, schrieb das Elsterartig zum Abschied. Ein anderer User postete: „…und ich habe mich Samstag noch gewundert, warum der schwarze Stuhl in der Elster leer war.“

Ob es eine Würdigung oder einen offiziellen Abschied gibt, steht noch nicht fest. Das „Elsterartig“-Team will darüber in Ruhe entscheiden. Einen Nachfolger an der Toilettentür wird es definitiv nicht geben. Club-Chef Lorenz: „So einen wie Lollo kann man nicht ersetzen.“

Von Robert Nößler

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