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Boulevard Ulf Schirmer: Tempelritter im Geiste
Leipzig Boulevard Ulf Schirmer: Tempelritter im Geiste
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01:00 22.08.2013
Generalmusikdirektor Ulf Schirmer. Quelle: dpa

Denn der 54-Jährige ist berufsbedingt viel unterwegs. Seit Beginn seiner Karriere in den 1980er-Jahren führte sein "Kreuzzug" quer durch die Opernhäuser der Welt; Wien, Graz, Berlin, Paris, Mailand, Genf, Tokio, um nur einige zu nennen. Seit 2006 ist Ulf Schirmer Künstlerischer Leiter des Münchener Rundfunkorchesters, den Schlüssel zum Büro im BR-Hochhaus trägt er stets mit sich. An einem anderen Ring hängen die Generalschlüssel zum Opernhaus Leipzig. Seit 2009 ist er hier Generalmusikdirektor und seit 2011 auch Intendant. Ein schwerer, metallener Anhänger am Schlüsselbund fällt sofort ins Auge.

Herr Schirmer, was ist denn das?

Das ist der Abdruck eines Siegels, das im Hochmittelalter im Umlauf war. Und zwar das der Tempelritter. Die haben ja das Scheckwesen erfunden und damals alles mit einem solchen Siegel abgestempelt. Ich bin fasziniert von der Geschichte dieses Ordens, besonders von seiner Auflösung. Deshalb habe ich mir diese metallene Version des Siegels gekauft, es dient nun als eine Art persönlicher Talisman. Es hat aber nicht nur ideellen Wert, sondern auch einen ganz praktischen Grund. Durch dieses Siegel ist der Schlüsselbund sehr schwer. Wissen Sie, ich neige dazu, mich auszuschließen. Und so weiß ich immer: "Aha, ich habe die Schlüssel dabei".

Diese Vorkehrungen hören sich nach dramatischen Erlebnissen an.

Ich musste vor einem Jahr in mein Büro einbrechen, weil ich meinen Schlüssel vergessen hatte. Mein Anzug lag noch darin und die Ballettpremiere fing in den nächsten Minuten an. Ich brauchte also händeringend diesen Schlüssel. Der Technische Direktor hat erst dann festgestellt, dass es niemanden im Haus gibt, der einen doppelten Schlüssel hat. Zum Glück fiel ihm ein, dass es einen "Notschlüssel" hinter Glas gab. Ich habe dann fotografiert, wie er die Scheibe mit dem Hammer einschlug und mir den Schlüssel gab. Dann hab ich mich umgezogen. (Lacht.) Es war eine Rettung in letzter Minute.

Bei diesen ständigen Terminen - was ist Ihr Schlüssel zur Kreativität?

Zur Kreativität gehört Muße, die ja heutzutage ein bisschen aus der Mode ist. Wenn ich arbeite, dann erlebe ich mich als relativ funktionierend, es geht zack, zack, zack, pünktlich von einem Termin zum nächsten. Kreativität entsteht hier nicht, sondern beim Spaziergang im Wald oder beim Loslassen, beim Meditieren.

Sie meditieren?

Ja, sonst halte ich das doch nicht durch. (Lacht.)

Buddhistische Meditation?

Nein, Christliche. Ich denke, es ist nicht ungefährlich, Religionen zu mixen. Das machen sich viele nicht klar: Da können Sie in Teufels Küche kommen.

Erinnern Sie sich an Schlüsselerlebnisse mit der Musik?

Ja, mein Vater hat Tanzmusik gemacht, als Hobby. Als ich klein war, hat er mir mit dem Zweifingersystem "Rock around the clock" von Bill Haley beigebracht. Das war ein einschneidendes Erlebnis, als ich auf einmal als Fünfjähriger in der Lage war, solche Musik auf dem Klavier zu spielen. Aber es gab noch viele weitere Schlüsselerlebnisse. Zum Beispiel habe ich mir als 13-Jähriger in der Bremer "Glocke" die klassischen Symphoniekonzerte angehört. Daneben fand ich aber auch Rockmusik wahnsinnig gut, die Beatles oder Status Quo, solche Sachen. Die höre ich jetzt übrigens immer noch, vor allem David Bowie. Da bin ich ein ausgesprochener Fan.

Welcher der Schlüssel öffnet denn den aufregendsten Bereich in Ihrem Leben?

Bezogen auf meine Person ist das der Haustürschlüssel. Da sind meine Geheimnisse versteckt.

Da bin ich aber gespannt...

(Lächelt verschmitzt.) Sehen Sie, Geheimnisse sind doch das, was eine Person im Tiefsten ausmacht. Ich meine, jeder von uns hat in irgendwelchen Schubladen etwas herumliegen, das er niemandem zeigt - und seien es unbezahlte Rechnungen.

Aber ein bisschen verraten Sie uns doch? Sie haben gleich drei Schlüssel für Ihr Bremer Haus.

Ja, es ist eigentlich ein städtisches Haus, aber unser Grundstück ist sehr groß und ländlich und erstreckt sich in Richtung eines Flusses. Dann gibt es den Schlüssel für den Kücheneingang, den hat meine Frau nachträglich einbauen lassen. Das Haus ist ein Einraum-Haus; es ist riesengroß, mit Küche, Esszimmer, Wohnzimmer - alles ist ein einziger Raum. Hier trifft man sich im familiären Kreis. Ich habe ja drei erwachsene Kinder, mit denen wir sehr gerne viel unternehmen: Wir essen gemeinsam, unterhalten uns, schauen Filme oder gehen ins Kino. Oder wir gehen mit unserem Hund spazieren, einem riesigen, schwarzen Hovawart, unser Wachhund für Haus und Hof.

Wenn Sie für einen Tag einen beliebigen Schlüssel haben könnten, welcher wäre es?

(Überlegt und denkt vielleicht an den Schatz der Nibelungen.) Der zu Fort Knox. Es interessiert mich, da einmal hineinzuschauen, diese Goldbarren zu sehen und ein paar der Dinger mitzunehmen. (Lacht.)

@Alle Teile: www.lvz-online.de/schluesselfiguren

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 22.08.2013

Lisa Berins

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