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Uwe Rantzsch: Der Rohstoff-Dealer

Uwe Rantzsch: Der Rohstoff-Dealer

Er arbeitet auf der Schattenseite der Konsumgesellschaft. Wandelt ihren Abfall zu goldwerten Rohstoffen. Uwe Rantzsch sitzt in einem schweren Ledersessel und bläst den Zigarrenqualm unter seinem schwarzen, ins Gesicht gezogenen Hut hervor.

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Uwe Rantzsch.

Quelle: Wolfgang Zeyen

Nein, das wäre albern. In Wirklichkeit schiebt der Geschäftsführer des Leipziger Recyclingunternehmens freundlich lächelnd seinen Schlüsselbund über den Tisch. Das grüne Schweinchen habe er zur Deko daran gehängt, sonst hätte der Schlüssel so langweilig ausgesehen, sagt der 59-jährige gebürtige Leipziger mit einem Lachen. Die meisten Schlüssel an seinem Bund sind Sicherheitsschlüssel für verschiedene Alarmanlagen, daneben die Schlüssel für Betriebsgelände und Verwaltungsgebäude.

Herr Rantzsch, wann haben Sie gemerkt, dass dies der Schlüssel zu einer Goldgrube ist?

Das habe ich gar nicht gemerkt. Klar, die Rohstoffe im Müll sind schon sehr wertvoll, aber das war für mich nicht das Motiv, in der Abfallbranche anzufangen. Das hat sich halt einfach so ergeben, und ich habe mich damit angefreundet.

Wie sind Sie dann an den Alba-Schlüssel gekommen?

Das ist eine sehr lustige Geschichte. Ich habe zu DDR-Zeiten an der Handelshochschule Leipzig Betriebs- und Volkswirtschaft studiert und dort auch promoviert. Für eine Laufbahn als Hochschullehrer musste man damals aber drei Jahre in einem Betrieb gearbeitet haben. Zufällig wohnte ich in der Nähe der Zentrale von Sero - so hieß Alba damals. Der dreiminütige Fußweg war eigentlich der Grund, dort anzufangen. Das war 1981 -

Dieses abgenutzte Ledertäschchen stammt bestimmt auch aus dieser Zeit?

Ja, das nehme ich mal an - Ich habe es, wenn ich mich richtig erinnere, an dem Tag bekommen, als ich einen Schlüssel zur Firma brauchte. Ich leite das Unternehmen ja schon seit Mitte der 80er-Jahre. Als Chef habe ich dann auch die Wendezeit miterlebt, die Umstrukturierungen. Anfang der 90er-Jahre sind wir an das Berliner Unternehmen Alba gekommen, das stark auf Recycling ausgerichtet war und schon damals Glas und Papier getrennt gesammelt hat - Ja, und heute hat Alba 200 Mitarbeiter in Leipzig und insgesamt über 7000 in Deutschland!

Stichwort "trennen". Heben Sie Ihre privaten Schlüssel separat auf oder habe ich Ihren Haustürschlüssel übersehen?

Nein, meine privaten Schlüssel hebe ich getrennt auf. Aber natürlich habe ich einen Haustürschlüssel, und zwar zu einem Haus mit Garten. Für den bin ich nach Feierabend verantwortlich, deshalb ist er sehr zweckmäßig gestaltet, mit pflegeleichten Pflanzen. (Lacht.) Also ehrlich gesagt, freut mich an dem Schlüssel am meisten, dass er die Haustür zuschließt. Nämlich dann, wenn ich mit meiner Frau verreise. Das ist unsere große Leidenschaft. Wir waren schon oft weit weg, in Neuseeland zum Beispiel. In Äthiopien haben wir einmal erlebt, wie ein Vulkan ausgebrochen ist. Das war ein gigantisches Ereignis! Wahnsinn!

Das klingt nach Abenteuer. Gibt es noch andere "wilde" Seiten von Uwe Rantzsch?

Nein, also was heißt "wild" - Oder zählt auch Musik? Ja klar! Ich gehe gerne zu Rockkonzerten, Bruce Springsteen stand im Juli natürlich auf dem Programm, bei den Eels war ich Anfang April in Berlin. Eines meiner besten Konzerte bisher war wohl vor zwei Jahren im Haus Auensee: Nick Cave mit dem Projekt Grinderman, unvergesslich-

Das ist ja eher "härtere" Musik. Gehen Sie auch zum Wacken Open Air?

(Lacht.) Also nein, Wacken ist nicht so meine Preisklasse, im Schlamm wälzen ist nichts mehr für mich.

Wenn Sie einen beliebigen Schlüssel für einen Tag haben könnten, welcher wäre es?

Da muss ich kurz überlegen. Ich glaube, es wäre der Schlüssel zum Bernsteinzimmer. Nicht aufgrund der Rohstoffe, wie Sie jetzt vielleicht vermuten. (Lacht.) Nein, es würde mich einfach sehr stolz machen, es wiederentdeckt zu haben!

 

 

@Alle Teile: www.lvz-online.de/schluesselfiguren

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 27.08.2013

Lisa Berins, Sebastian Broening

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