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Boulevard Zarte Bande grob getrennt: Warum die Stadt Leipzig Liebesschlösser an Brücken knackt
Leipzig Boulevard Zarte Bande grob getrennt: Warum die Stadt Leipzig Liebesschlösser an Brücken knackt
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09:13 24.11.2012
Liebesschloss an der Klingerhainbrücke in Leipzig. Quelle: Regina Katzer
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Leipzig

Vorzugsweise ans Geländer der romantisch gelegenen Klingerhainbrücke. Für immer? Könnte sein. Wenn da nicht die Stadt Leipzig wäre. Sie kann, sie darf, sie muss die zarten Bande gröblich trennen.

Baudezernent Martin zur Nedden (SPD) sah sich am Donnerstag im Stadtrat plötzlich mit grauem Juristendeutsch aufs rosige Parkett der Liebe geschickt. Dort flammte ihm die Bürgeranfrage von Manuel Kuzaj entgegen, seines Zeichens unabhängiger OBM-Kandidat, der wissen wollte, warum in aller Welt die Stadt regelmäßig das Liebesritual mit dem Bolzenschneider ad absurdum führt.

Leipzig. Die Liebe braucht ein Schloss, so denken Paare anderswo und auch in Leipzig. Gesagt, gekauft, graviert – und schon wird es als Zeichen inniger Verbundenheit für immer geschlossen. Vorzugsweise ans Geländer der romantisch gelegenen Klingerhainbrücke. Für immer? Könnte sein. Wenn da nicht die Stadt Leipzig wäre. Sie kann, sie darf, sie muss die zarten Bande gröblich trennen.

Schon flogen Paragrafen durch den Raum, gedacht, den Zweifel zu zerstreuen, die Stadt könnt’ gar in bösem Willen handeln. Doch nein. Die Brücke ist es wert, gewiss. Erbaut im Jahre 1898, saniert anno 2003, leide ihr Korrosionsschutz unter dem italienischen Schlösser-Brauch. Das Amt ist nun verpflichtet, Schaden abzuwenden.

Und Diebstahl sei das nicht. Das Schloss, so weiß der Dezernent, geht durch das Schließen den festen Bund mit dieser Brücke ein. Es wird gewissermaßen eins mit jenem Bauwerk, das doch im Eigentum der Stadt zu sehen ist, und gehört fortan ganz ihr. Der Schlüssel tut ein Übriges. Wer ihn ins Wasser wirft, so die Erklärung, bringt zum Ausdruck, über das Schloss nicht mehr in seiner ursprünglichen Funktion verfügen zu wollen.

Das Plenum lacht, die Tragik nicht ermessend. So darf dann wohl der Bolzenschneider ran. Doch nur der des Verkehrs- und Tiefbauamts. Wer eigenmächtig Liebesschlösser knackt, dem wird es schlecht ergehen, denn das ist Diebstahl in der reinen Form.

Doch wer denkt an die Liebenden, die ihren Bund so trügerisch vertraut geschlossen? Der Dezernent weiß Rat: Ein Jahr lang geht die Frist, werden Schlösser, gebrochen, wie sie sind, vom Amt noch eingelagert. Wer will, der kann sein Eigentum zurück erwerben, sagt zur Nedden. Doch das, bekennt er, sei noch nie geschehen.

Evelyn ter Vehn

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Regina Katzer

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