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Leipzig Buchautor Haq: Leipziger Moschee sollte geschlossen werden
Leipzig Buchautor Haq: Leipziger Moschee sollte geschlossen werden
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13:37 04.12.2018
Der Buchautor und Enthüllungsjournalist Shams Ul-Haq warnt vor einer Radikalisierung von Muslimen. Für sein aktuelles Buch „Eure Gesetze interessieren uns nicht!“ will er nach eigenen Angaben in 150 Moscheen in ganz Deutschland recherchiert haben Quelle: Falko Siewert
Leipzig

Der Enthüllungsjournalist Sham Ul-Haq (43) hat nach eigenen Angaben in den letzten zwei Jahren 150 Moscheen in Deutschland besucht. Das Ergebnis hat der einst als Flüchtling aus Pakistan eingewanderte Autor in seinem gerade erschienen Buch „Eure Gesetze interessieren uns nicht!“ aufgeschrieben. Unter falscher Identität und als angeblicher Flüchtling recherchierte er zumeist undercover in den Moscheen. Sein Urteil: Neben vielen gemäßigten muslimischen Gebetshäusern gebe es eine „nicht zu vernachlässigende Zahl“ an radikal-islamistischen Einrichtungen. Sehr kritisch sieht Ul-Haq auch die Al-Rahman-Moschee in der Leipziger Roscherstraße. Letztere bezeichnet er nach seinen Recherchen als Ausbildungszentrum für radikale Salafisten-Imame in Deutschland.

Wie haben Sie die Leipziger Moschee erlebt?

Ich habe mehr als zwei Jahre regelmäßig 150 Moscheen in Deutschland besucht, unter anderem natürlich die Leipziger Al-Rahman-Moschee. Es ist mir bekannt, dass die meisten Salafisten-Imame ihre Ausbildung in der Al Rahman Moschee absolvieren.

Aber das Gebetshaus in der Roscherstraße wirbt nach eigener Darstellung für sich als toleranter Zugangsort für Muslime und Nicht-Muslime...

...für die Öffentlichkeit wird ein toleranter Islam vertreten. Aber hinter den Türen und in Gesprächen, die außerhalb der Moscheen stattfinden, findet die Radikalisierung statt.

Dem Leipziger Imam Hassan Habbagh werfen Sie vor, er verbreite im Koran-Unterricht Hassbotschaften gegen Ungläubige. Welche haben Sie gehört?

Er dreht oft die Wörter im Mund herum: Das ist eine sehr gefährliche Taktik, derer er sich bedient. Danach ergeben sich viele Fragen für die Zuhörenden, diese werden dann nach dem Gebet in Gruppen besprochen. Hier findet dann die wahre Radikalisierung zwischen diesen Leuten statt.

Geht es bitte konkreter?

Als gläubiger islamischer Muslim bezeichnet er die Medien als eine „Hure“ und sagt, dass sämtliche Kuffar (die Ungläubigen-red.) in die Hölle kommen werden. Unter seinen vertraulichen Personen wird auch gesagt, „inchallah“ (So Gott will – red.) werden die Kuffar an einem Tag sterben und der Islam wird siegen. Jeder müsse seinen Dschihad dazu beitragen.

Sie erheben Ihre Vorwürfe – unter anderem gegen die Leipziger Moschee
im Nachgang in Zeitungsinterviews.
Warum aber steht zu Leipzig nichts im Buch?

Noch einmal: Ich habe bereits 150 Moscheen in Deutschland besucht. Es war einfach nicht möglich, auf alle Moscheen in meinem Buch einzugehen. Dies ist für den Leser auch nicht mehr interessant, so habe ich mich auf einige Beispiele in Österreich und Deutschland konzentriert, um zu zeigen, wie junge Muslime radikalisiert werden.

Der sächsische Verfassungsschutz beobachtet die Leipziger Al-Rahman-Moschee seit Jahren und nennt sie einen „Ort
salafistischer Bestrebungen
.“ Reicht die Beobachtung aus?

Der sächsische Verfassungsschutz macht meiner Meinung nach nicht genug gegen die Al-Rahman-Moschee. Sie haben Vormänner in der Moschee, mit denen ich gesprochen habe, die sagten: „Haq, Du glaubst doch nicht, dass wir unsere islamischen Brüder gegenüber diesen Kuffars verraten“. Es heißt, die Vormänner sind Doppelagenten. In der Leipziger Moschee werden für ganz Deutschland radikale Imame ausgebildet. Solche Moscheen sollten geschlossen werden.

Was Sachsens Verfassungsschutz in seinem aktuellen Bericht der Leipziger Moschee und Imam Dabbah vorwirft, steht unter diesem Link.

In einem früheren Buch haben Sie die trostlosen Zustände in vielen Flüchtlingsheimen beschrieben und geschlussfolgert: Hier haben islamistische Rattenfänger leichtes Spiel. Setzt sich diese Radikalisierung später fort?

Ja. Ich habe zum Beispiel am Hamburger Bahnhof etwa 20 Moscheen besucht, von denen unbekannt ist, wie viele tatsächlich angemeldet sind und welche nicht. Hier gehen jeden Tag hunderte von Flüchtlingen rein und raus, keiner weiß genau, was dort gepredigt wird. Es herrscht Chaos.

Gibt es denn nicht auch positive Beispiele? Viele Moscheen praktizieren ja auch glaubhaft Toleranz und interreligiösen Dialog?

Natürlich gibt es sehr viele positive Moscheen, die ich in meinem Buch genannt habe. Aber die journalistische Arbeit ist ja, die Missstände der Gesellschaft aufzudecken. Wir müssen das Problem von der Wurzel her angehen, bevor es wachsen kann. Hierfür müssen wir sehr viel an Präventionsarbeit arbeiten. Der Islam ist eine friedliche Religion, gar keine Frage. Nur die verdammten Islamisten haben ihn kaputt gemacht. Natürlich trägt der deutsche Staat die Schuld mit.

Was die Leipziger Al-Rahman-Moschee zu den Vorwürfen des Verfassungsschutzes sagt, steht unter diesem Link.

Sie sind selber Muslim und schreiben auch im Buch: „Nicht die Religion ist schlecht, aber das, was einige wenige Verrückte daraus machen.“ Würden sie den Satz von Ex-Bundespräsident Christian Wulff unterschreiben der 2010 sagte: Der Islam gehört zu Deutschland?

Ich sage: Der politische Islam gehört nicht zu Deutschland. Wir haben auch Probleme im Christentum, Sie wissen selbst, wie vor kurzem viele Kinder sexuell missbraucht wurden. Alle Religionen sind grundsätzlich friedlich; wir Menschen machen daraus nur leider oft eine politische Propaganda und benutzen diese für eigene extreme Interessen.

Werden Sie selbst eigentlich bedroht, nach solchen Vorwürfen wie in Ihren Interviews und Büchern?

Natürlich werde ich immer wieder über Social Media bedroht oder bekomme Anrufe. Aber solange ich weiß, dass ich nichts Falsches mache, habe ich kein Problem. Das ist für mich mein Dschihad, welche ich gegen die Islamisten führe. Glauben Sie mir, ich erhalte sehr viele positive Rückmeldungen auch von Muslimen, die mit meiner Arbeit sehr zufrieden sind.

Shams Ul-Haq: „Eure Gesetze interessieren uns nicht!“ Verlag Orell Füssli, 224 Seiten, 18 Euro

Das sagt Imam Hassan Dabbagh

Der Leipziger Imam Hassan Dabbagh sagt: „Der Autor hätte bei uns nicht undercover sein müssen, da wir alles öffentlich machen, sogar die Freitagspredigt auf arabisch und deutsch.“ Die Vorwürfe seien laut Dabbagh allerdings„erfundene Behauptungen“ und eine „Hetze gegen Muslime.“

„Ich bin seit mehr als 25 Jahren Imam der Al-Rahman- Moschee. Ich benutze in meinen Ansprachen niemals das Wort „Deutsche“ als Nicht-Muslime.“ Auch würde er das Wort „Ungläubig“ für Juden und Christen nicht benutzen. „Deshalb ist diese Aussage, die Deutschen seien Kuffar und sollten getötet werden, eine reine Erfindung.“ Das gleiche gelte für die Aussage ,Politik und Presse wären wie eine Hure. „Wir rufen zu Frieden,Dialog und gerechte Integration auf. Wir sind gegen Gewalt Terror und Diskriminierung. Meinungsfreiheit soll jeder haben, aber Lügen und Behauptungen haben kurze Beine“

Die Beobachtung durch den sächsischen Verfassungsschutz hält Hassan Dabbagh für einen schweren Fehler. Im Bericht aus dem Jahr 2017 wird Dabbagh unter anderem eine „Ablehnung der freiheitlichch-demokratischen Grundordnung“ und eine „Radikalisierung junger Muslime“ vorgeworfen. Dabbagh wehrt sich indes gegen eine ungerechtfertigte „Täterrolle“. Sein Vorwurf: Der Verfassungsschutz schüre „antiislamische Ressentiments“. Und weiter: „Komischerweise ist die AfD kein Fall für den Verfassungsschutz, aber ein kleiner Verein wie wir schon. Naja, was der Bauer nicht kennt, das isst er nicht.“

Das sagt Sachsens Verfassungsschutz

Kriminaldirektor Martin Döring sagt: „Dem Landesamt für Verfassungsschutz (LfV) in Sachsen liegen keine Erkenntnisse über die Ausbildung von Imamen in Leipzig vor.“

Ebenso weist Döring den Vorwurf zurück, dass nicht genug gegen die Al-Rahman-Moschee in Leipzig unternommen wird. „Wir sind im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben verpflichtet, zu beobachten und zu informieren. Diesem Auftrag kommen wir nach.“ Döring betont auf LVZ-Anfrage weiter: „Uns ist unbekannt, was der Autor unter „unternommen“ versteht. Ebenso wird die anschließende Behauptung des Autors nicht geteilt (es gäbe „Vormänner“ des Verfassungsschutzes in der Moschee – red.). Auch könne das LfV nichts mit dem Begriff „Vormänner“ anfangen. Dies sei auch deshalb schwierig, da der Autor den Begriff nicht konkretisiere.

Das LfV Sachsen betont aber, dass man die Al-Rahman-Moschee in Leipzig seit vielen Jahren „im Rahmen des gesetzlichen Auftrags“ beobachte und in den jährlichen sächsischen Verfassungsschutzberichten darüber berichte. „Ob die Beobachtung letztlich zu einer Schließung führen wird, bleibt abzuwarten“, so der Kriminaldirektor.

Das Buch „Eure Gesetze interessieren uns nicht“ liegt dem LfV ebenfalls vor. Eine erste Durchsicht habe allerdings ergeben, dass keine Informationen über Sachsen zu finden sind: Weder über Moscheen und Personen, wie beispilelsweise Hassan Dabbagh, noch das sogenannte Ausbildungszentrum für Salafisten-Imame.

Von Olaf Majer

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