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Leipzig Die Westreisen des Gewandhausorchesters
Leipzig Die Westreisen des Gewandhausorchesters
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12:11 10.09.2018
Paul Alexander Stolle (links) und sein Vater Heiner Stolle mit dem Buch „Es hat mal wieder geklappt". Quelle: Andre Kempner
Leipzig

Eine glatte 1,0 hat Paul Alexander Stolle für seine Bachelor-Arbeit bekommen. Bestnote für ein Projekt, das eine Nummer größer ausgefallen ist als andere Abschlussarbeiten: Der 25-Jährige verabschiedete sich mit einem hochwertig gestalteten Buch von der Bauhaus-Universität Weimar. „Es hat mal wieder geklappt“ ist nicht nur seine Abschlussarbeit – sondern auch ein Dankeschön an seinen Vater. Das Buch-Kunstwerk erinnert an die Konzertreisen des Gewandhausorchesters zu DDR-Zeiten ins westliche Ausland. Heiner Stolle (66) spielte 40 Jahre lang als Bratscher im Orchester, bis zu seinem Ruhestand Anfang 2018. Für den Sohn war es etwas Normales, dass der Vater zweimal im Jahr auf Tourneen ging. Was das zu DDR-Zeiten allerdings für ein Privileg bedeutete, hat er als Nachwende-Kind erst nach und nach verstanden.

Tagebücher, Fotos, Erinnerungen

Im Buch des jungen Grafikdesigners geht es um persönliche Erinnerungen, nicht um eine wissenschaftliche Arbeit. 15 Zeitzeugen kommen in acht Beiträgen zu Wort: ehemalige Musiker, der damalige Konzertmeister, der Ex-Orchesterwart, ein Mitarbeiter der Künstleragentur. So überließ der heute 85-jährige Bratscher Friedemann Starke dem Studenten sein Tagebuch, in dem sich auch der Satz „Es hat mal wieder geklappt“ findet. Der Musiker berichtet unter anderem über die erste Japan-Reise des Orchesters 1961.

Zehn Exemplare des Buches „Es hat mal wieder geklappt" gibt es schon, jetzt soll eine richtige Auflage folgen. Quelle: André Kempner

Japan – 1961 eine fremde Welt

Alles war exotisch: der Flug über den Nordpol, wofür jeder eine Urkunde erhielt; die automatischen Türen, die man in Deutschland noch nicht kannte; Sushi und Sashimi, die damals fremde Speisen waren, oder die Geishas im Hotel. Andere Musiker konnten neben Anekdoten auch Dias oder Fotos beisteuern. „Vieles ist aber auch schon weggeworfen worden, weil man dachte, dass sich niemand mehr dafür interessiert“, erzählt Vater Heiner Stolle. Er selbst hat alles aufgehoben, von Reisepässen über Zollerklärungen bis hin zu Eintrittskarten, Fotos und Postkarten. Auch wenn seine Verwandten gar nicht allzu viel davon wissen wollten, da sie keine Chance sahen, sich die westlichen Metropolen jemals mit eigenen Augen anzuschauen.

Reisen ohne Handy und EC-Karte

Ganz zwangsläufig berührt das Buch des jungen Leipzigers nun zwei große Aspekte: den politischen, denn Reisefreiheit gab es für Normalsterbliche in der DDR erst nach dem Renteneintritt. Und den zeitgeschichtlichen, denn man verreiste damals noch ohne Handy und EC-Karte, schickte der Familie zu Hause Postkarten und freute sich, wenn nach vielen Tagen die erste Post aus der Heimat kam. „Wir waren die Exoten aus dem Osten, aber wir waren auch ganz klar die Devisenbringer für die DDR. Es ging darum, dass der Staat mit unseren Konzerten Devisen verdiente“, erinnert sich Vater Stolle. 142 Reisen in 37 Länder auf fünf Kontinenten hat er beruflich absolviert. Die Stadt, in der er am häufigsten gastierte, ist London mit 41 Konzerten.

„Richtige“ Auflage in Vorbereitung

Zehn Exemplare seines Buches reichten Paul Alexander Stolle für seinen Studienabschluss. Doch weil die Nachfrage viel größer ist und das Thema viele Musikfreunde interessiert, will der junge Grafikdesigner jetzt eine „richtige“ Auflage mit 400 Stück hinterher schieben. Um das Geld zusammenzutrommeln, hat er eine Crowdfunding-Campagne bei Startnext gestartet, die bis Ende September läuft. 9500 Euro sind das Ziel, bisher sind schon mehr als 5500 Euro zusammengekommen.

https://www.startnext.com/es-hat-mal-wieder-geklappt 

https://ehmwg.paulstolle.com

Von Kerstin Decker

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