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Leipzig Hitze hält Sachsen auf Trab
Leipzig Hitze hält Sachsen auf Trab
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22:00 24.07.2018
Leichte Mittagskost im Seniorenheim Am Silbersee in Leipzig. Küchenchef Andreas Lehmann serviert Ingeburg Scheidhauer (92) und Annemarie Rudolph (65) Suppe und Salat. Quelle: Foto: André Kempner
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Leipzig

Sonne satt. Und die Temperaturen steigen weiter, was den Gaststätten volle Freisitze und den Freibädern zahlreiche Besucher beschert. Doch das Karibikwetter hat auch seine Tücken, wie eine Umfrage der LVZ ergab.

Zu viel Sonne und Hitze kann dem Körper schaden. Derzeit gebe es mehr Patienten als sonst, die wegen Problemen mit der Hitze behandelt werden, sagt Dr. Thomas Hartwig, Leitender Oberarzt an der Zentralen Notfallaufnahme am Uniklinikum Leipzig. Meistens hätten sie zu wenig getrunken. Die Folge: Kreislaufprobleme oder Kreislaufkollaps, so Hartwig. „Sie bekommen in der Regel Infusionen – die meisten fühlen sich dadurch rasch wieder gut.“ Auch in der Notaufnahme des St.-Georg-Krankenhauses ins Leipzig werden derzeit mehr Patienten als sonst behandelt. Allerdings weniger als noch im Juni mit Beginn der Hitzeperiode, sagt Chefärztin Dr. Stefanie Hanschke. Gut möglich, meint die Medizinerin, dass sich die meisten besser auf die Temperaturen eingestellt haben. Die größten Probleme würden sich bei Patienten ergeben, die aufgrund einer Herz- oder Nierenerkrankung entwässernde Medikamente nehmen oder auf eine reduzierte Flüssigkeitszufuhr achten müssten. Dadurch würden sie rasch aus ihrem gewohnten Gleichgewicht kommen.

Die Hitze stellt auch das Personal in Altenpflegeheimen vor große Herausforderungen. „Wir sind aber gut vorbereitet“, meint Marion Zimmermann, Geschäftsführerin des Kreisverbandes Leipzig des Arbeiter-Samariter-Bundes. Der ASB hat allein in der Region Leipzig vier Einrichtungen mit rund 300 Pflegebedürftigen, in Sachsen sind es insgesamt über 60 Heime. „Ältere Menschen brauchen bei der Hitze unbedingt Ruhe. Wir achten ferner darauf, dass sie viel trinken“, so Zimmermann. In den Heimen habe man zahlreiche Wasserspender aufgestellt. „Stilles, Medium und Sprudel, dazu gibt es alternativ ungesüßte Tees“, ergänzt Sibylle Dölling, Qualitätsbeauftragte beim ASB. „Ganz wichtig in diesen Tagen ist zudem leichte Küche. Keine fettigen Speisen, immer einen Salat und Früchte.“

Rettungsschwimmer haben viel zu tun

Wer bei den Temperaturen Sport treiben will, sollte auf jeden Fall ausreichend trinken. „Die Empfehlung für Erwachsene liegt normalerweise bei eineinhalb bis zwei Litern pro Tag, im Hochsommer kann der Bedarf auf drei bis vier Liter steigen“, sagt Dr. med. Enzo Hamann, Oberarzt am MediClin Waldkrankenhaus Bad Düben. „Sobald man bei der sportlichen Belastung Durst verspürt, ist es eigentlich schon zu spät und ein Leistungseinbruch von rund zehn Prozent bereits eingetreten.“ Sporttreibende sollten kontinuierlich im Takt von 15 bis 30 Minuten Flüssigkeit in kleineren Mengen zu sich führen, rät der Betreuer der LVZ-Sportaktion „Lauf geht’s!“ Von zu großer Anstrengung rät er aber ab. „Beim Joggen oder Radfahren sollten Sie eine schattige Route auswählen, zum Beispiel durch einen Wald, und sich zusätzlich mit Sonnencreme, Kopfbedeckung und Sonnenbrille schützen.“

Rettungsschwimmer haben bei den hohen Temperaturen derzeit allerhand zu tun. Häufig helfen sie Schwimmern, die ihre Kraft überschätzt haben, erzählt Sebastian Knabe, Geschäftsführer der Deutschen-Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) Sachsen. Unterschiedliche Temperaturen im Seewasser könnten den Kreislauf schwächen oder gar zu Herzinfarkten führen, warnt Knabe. Vorsicht ist besonders in Flüssen oder Stauseen geboten. Die Strömungen seien schwer einzuschätzen. Selbst geübte Schwimmer könnten Strudeln nicht ohne fremde Hilfe entkommen.

Insgesamt dokumentierte die Wasserwacht Sachsen des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) seit Beginn des Jahres elf Badetote. Allein im Juli kamen in Sachsens Gewässern sieben Menschen ums Leben. Im Vorjahr starben im Freistaat insgesamt 34 Menschen beim Baden.

Etwa 350 aktive Rettungsschwimmer engagieren sich derzeit ehrenamtlich bei der DLRG – an über 50 Gewässern im Freistaat. Zudem kontrollieren etwa 3500 Rettungsschwimmer der Wasserwacht die Seen und Freibäder an insgesamt 44 Einsatzstellen. Dennoch: „Ganz wenige Tagebauseen sind überwacht“, kritisiert Joachim Weiß, Referent der Wasserwacht. Er sieht „Nachholbedarf“. Die Wasserrettung müsse an die touristische Entwicklung, etwa im Leipziger Neuseenland und im Lausitzer Seenland, angepasst werden.

Von Theresa Held und Andreas Dunte

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