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100.000 Besucher beim Großflugtag

90 Jahre Flughafen Leipzig/Halle 100.000 Besucher beim Großflugtag

Wie die Zeit fliegt: Der Flughafen Leipzig/Halle begeht in diesem Jahr bereits seinen 90. Geburtstag – und gilt damit als einer der ältesten noch in Betrieb befindlichen Airports weltweit. In einer zwölfteiligen Serie blickt die LVZ auf interessante Begebenheiten in der Historie des Airports zurück. Im fünften Teil geht es um die ersten Jahre.

Das Reklame-Luftschiff Parseval D-PN 28 der Firma Trumpf besucht 1929 Halle/Leipzig. Besucher waren eine nicht unbedeutende Einnahmequelle.

Quelle: Archiv GBSL

Leipzig. Einen durchaus erfolgreichen Start legte der Flughafen Halle/Leipzig 1927 hin: Bereits im ersten Betriebsjahr waren auf dem Flughafen 207 261 Kilogramm Luftfracht umgeschlagen worden. Im Jahr darauf sollten es schon 342 145 Kilogramm Fracht und Post sein, die auf dem neuen Airport abgefertigt wurden. In dem Jahr wurden 8091 Flugzeuge und 20 082 Passagiere gezählt. Mit dabei auch 265 Rundflüge. Werte, die in den Folgejahren noch vervielfacht werden sollten.

Die Junkers G 31 „Hermann Köhl“ D-1310 auf dem Vorfeld

Die Junkers G 31 „Hermann Köhl“ D-1310 auf dem Vorfeld. Besondere Flugzeuge wie dieses lockten immer wieder Besucher zum Flughafen.

Quelle: Archiv Flughafen Leipzig/Halle

Obwohl nur in abgespeckter Form errichtet, wurde der neue Flughafen in den höchsten Tönen gelobt. In einer Denkschrift aus der Eröffnungszeit wird noch einmal auf seine wohl überlegte Lage eingegangen: „Der neue Flughafen Halle/Leipzig liegt am Nordrand der achttausend Einwohner zählenden Stadt Schkeuditz, also nördlich des Elstertals … Er krönt die Kuppe der von Schkeuditz nach Nordwesten streichenden Geländewelle und bietet meteorologisch den Vorteil, daß im Herbst und Winter die Bodennebel der Elster-, Pleiße- und Saaleniederung nicht über ihm zusammenschlagen.“ Wegen seiner großzügigen Anlagen, seiner fortschrittlichen Einrichtungen und seines vorzüglichen Einschwebegeländes sei er damals wohl der modernste und größte Flughafen Deutschlands gewesen.

Gründung der Flughafengesellschaft

Für den Bau des Flughafens wurden insgesamt etwa 2,8 Millionen Reichsmark ausgegeben. Die Stadt Halle musste davon 1,5 Millionen Euro für die Bodenorganisation aufbringen. Die restlichen 1,3 Millionen Euro für die errichteten Bauten hatte die im März 1928 gegründete „Flughafengesellschaft Halle/Leipzig m. b. H.“ zu tragen. Denn die Verwaltung des Airports lag zunächst in den Händen der Stadt Halle. Erst rund ein Jahr nach der Eröffnung in Schkeuditz ging sie auf die eigenständige Flughafengesellschaft über.

Der Ozean-Flieger Hermann Köhl (Mitte, heller Mantel) besucht den Flughafen um 1930

Der Ozean-Flieger Hermann Köhl (Mitte, heller Mantel) besucht den Flughafen um 1930. Rechts hinter ihm steht Flughafenchef Goebel.

Quelle: Sammlung Dieter Drabsch

58 Prozent des Stammkapitals in Höhe von drei Millionen Euro trug ebenfalls Halle: gut 1,7 Millionen Euro. „Die zunächst verhältnismäßig hoch erscheinende Beteiligung der Stadt Halle an der Flughafengesellschaft ist nötig mit Rücksicht auf den späterhin zu erwartenden Beitritt des Freistaates Sachsen und der Stadt Leipzig. Für diesen Fall muss sich Halle schon jetzt die Mehrheit an der Gesellschafterversammlung sichern“, erklärte der damalige Verkehrsdezernent der Saalestadt. An der Gesellschaft beteiligt waren außerdem der preußische Staat (20,3 Prozent), das Deutsche Reich (13,3 Prozent), die Provinzialverwaltung der Provinz Sachsen (fünf Prozent) und die Stadt Schkeuditz (3,3 Prozent). Nur geringfügige Modifizierungen gab es bei diesen Kapitalverhältnissen in den folgenden Jahren. Einkünfte der Gesellschaft ergaben sich aus den Start- und Landegebühren, den Mieten und Pachten sowie aus den Unterstellgebühren.

Einnahmequelle Besuchereintritt

Außerdem mussten Platzbesucher zehn Pfennig Eintritt bezahlen. Das summierte sich. Dank offensiver Werbung rückten Schulen gleich klassenweise an. Besonders viel Besucherbetrieb herrschte zu „Flugtagen“ oder, wenn besondere Flieger in Schkeuditz eintrafen: Die Junkers G 38/D 2000 lockte 1931 etwa 5000 Neugierige. Etwa 1000 mehr waren es im Jahr darauf, als die größere D 2500 eintraf. Zum „Großflugtag 1935“, der besonders für militärische Demonstrationen genutzt wurde, kamen 100 000 Besucher.

Nachtpost nach Berlin

Schon 1929 wurde der neue Logistikstandort gestärkt, als die Deutsche Lufthansa sich mit eigenen Werkstätten in Halle/Leipzig ansiedelte. Die Techniker der Airline warteten und reparierten jetzt untergestellte Flugzeuge und der Flughafen bekam den Status Kontrollflughafen für die „Große Kontrolle“ verliehen. Lufthansa nutzte die moderne Ausstattung am Flughafen und investierte in weitere Anlagen und Werkstätten. Den ersten Nachtflug übrigens hatte Erich Glatz am 24. August 1928 hinter sich gebracht. Am 1. Mai 1934 dann beförderte eine Messerschmitt M 27b die erste Nachtpost nach Berlin. Im Oktober des Folgejahres verzeichnete der Flughafen einen Anstieg der Frachtabfertigung um 52 Prozent und rechnete mit einer Vervierfachung des „Flugeisenbahn-Expressgut-Verkehrs“.

Das Vorfeld mit Hanger und Abfertigungsgebäude um 1929/30

Das Vorfeld mit Hanger und Abfertigungsgebäude um 1929/30. Ein Bretterzaun trennt die Besucher vom Flugplatzgelände.

Quelle: Archiv Flughafen Leipzig/Halle

*Hans-Dieter Tack, 1940 in Schkeuditz geboren, lebte bis 1986 in der Region. Der Flugzeugschlosser und Diplom-Ingenieur für Maschinenbau war 17 Jahre in Schkeuditz tätig. Als profunder Kenner der Luftfahrtgeschichte arbeitete er an mehreren Publikationen mit. Er ist Vizechef der Gesellschaft zur Bewahrung von Stätten deutscher Luftfahrtgeschichte.

Luftfahrt-Sprache

Drei-Letter-Code: Dies ist die auch IATA-Code genannte Abkürzung aller Flughäfen und Verkehrslandeplätze mit einer eindeutigen Kombination aus drei Buchstaben. So steht beispielsweise LEJ für Leipzig, FRA für Frankfurt und MUC für München. Diese Codes gibt es unter anderem auch für Fluggesellschaften (Zwei-Buchstaben-Code) und Flugzeugtypen.

Ausgeprägte Materialprüfung: Bezeichnet eine besonders harte Landung eines Flugzeugs – ohne bleibende Schäden an der Maschine.

Hätten Sie’s gewusst?

Warum sind Flugzeugfenster so wie sie sind? Warum sind sie oval und nicht rechteckig?

Eine simple physikalische Erklärung gibt es dafür. Ursprünglich waren zu Beginn des Luftverkehrs alle Fenster rechteckig. Allerdings waren die Flieger der ersten Stunde nicht mal ansatzweise in den heutigen Höhen unterwegs. Mit der turbulenten Entwicklung samt neuer (Düsen-)Flugzeuge und deren Möglichkeiten (deutlich größere Höhen) musste damit begonnen werden, den Kabinendruck auszugleichen. Als optimale Form der notwendigen Druckkabine erwies sich eine zylindrische. Je höher der Flieger unterwegs ist, desto größer sind innen und außen die Druck- und Temperaturunterschiede – der Zylinder dehnt sich minimal aus. Bei rechteckigen Fenstern würde sich dadurch der Druck in den Ecken sammeln, was im schlimmstmöglichen Fall zum Bersten des Glases, damit zur Beschädigung des Rumpfes und in dessen Folge fast zwangsläufig zum Absturz führen würde. Die Spannungen werden durch ovale Fenster wesentlich besser ausgeglichen. Aus den selben Gründen sind übrigens auch die Kabinen- und Frachttüren von Flugzeugen sowie die Bullaugen von Schiffen oval. lvz

Von Hans-Dieter Tack* und Roland Heinrich

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