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1200 Meter neue Gleise werden von den LVB in Leipzig-Mockau verlegt

Planer verwirklichen DDR-Projekt 1200 Meter neue Gleise werden von den LVB in Leipzig-Mockau verlegt

Lange Zeit wurden die Leipziger Verkehrsbetriebe dafür gescholten, dass sie ihr umweltfreundliches Straßenbahnnetz zurückbauen. Jetzt wagt sich das stadteigene Unternehmen wieder an eine Neubaustrecke: Im Stadtteil Mockau soll eine Trasse entstehen, für die schon seit 40 Jahren ein Korridor frei gehalten wird.

Im Computer ist die neue Haltestelle „Mockau, Post“ schon fertig. Sie wird von Bus und Straßenbahn gemeinsam genutzt. Bei der Weiterfahrt in Richtung Norden geht’s über ein Rasengleis (im Hintergrund). Die Animation stammt aus einem Kurzfilm, den die Bauherren an diesem Donnerstag beim Bürgerdialog zeigen wollen.

Quelle: Grafik: Leipziger Verkehrsbetriebe

Leipzig. „Es ist schon ein seltsames Gefühl, eine Neubaustrecke für die Straßenbahn vorzustellen“, gestand am Dienstag Verkehrs- und Tiefbauamtsleiter Michael Jana, als er das Projekt vor Journalisten im Turmzimmer des Neuen Rathauses erläuterte. „So oft kommt das in Leipzig ja nicht vor.“

 Vorgesehen ist, die Straßenbahn von der Kieler Straße in die Mockauer und die Tauchaer Straße zu verlegen. Dort sollen vier neue barrierefreie Haltestellen entstehen – an der Mockauer Post, in Höhe der Komarowstraße, der Simon-Bolivar-Straße sowie an der Endstelle Thekla. Die Gleise werden zum Teil in den beiden Straßen verlaufen, zum Teil daneben. Wenn die Neubaustrecke fertig ist, sollen der verschlissene Gleisstrang in der Kieler Straße zurückgebaut werden. Wie es dann dort weitergeht, ist noch offen. „Wir haben uns noch keine Gedanken darüber gemacht, wie dort künftig die Straßenraumgestaltung aussehen wird“, so Jana. „Aber das wird noch geschehen.“

Die LVB rechnen bei dem neuen Gleisstrang mit Baukosten von rund 14 Millionen Euro. „Wir haben die Chance, dieses Vorhaben teilweise mit Fördermitteln zu finanzieren“, sagte LVB-Technik-Geschäftsführer Ronald Juhrs. „Wir gehen von einer 75-prozentigen Förderung aus.“ Der Zeitplan sehe vor, die kompletten Planungsunterlagen bis Ende 2017 zu erstellen. Im Jahr 2018 soll das offizielle Planfeststellungsverfahren in der Landesdirektion ablaufen. „Dieses förmliche Verfahren ist gesetzlich vorgeschrieben und bietet weitere Möglichkeiten der Bürgerbeteiligung“, betonte Juhrs. Im Jahr 2019 würden dann die Arbeiten ausgeschrieben, damit im Jahr 2020 mit dem Bauen begonnen werden kann. Die Bauzeit werde mit eineinhalb bis zwei Jahren veranschlagt.

Juhrs betonte auch, dass sich das Projekt aktuell im Vorplanungsstadium befindet. „Es sind noch Änderungen möglich“, sagte er. Aus diesem Grund laden die Stadt und die LVB für diesen Donnerstag alle interessierten Mockauer um 18.30 Uhr in die Aula der Waldorfschule in der Berthastraße 15 ein, um über das Projekt zu informieren und Fragen zu beantworten.

Leipzigs Stadtplaner begleiten das Vorhaben mit großen Erwartungen. Denn vom Straßenbahnbau soll Signalwirkung für weitere Vorhaben in Mockau ausgehen. „Mockau hat noch erhebliche Potenziale“, erklärte Wolfgang Krug vom Stadtplanungsamt. Es sei bereits eine gute soziale Infrastruktur vorhanden und es gebe Platz für zusätzlichen Wohnraum. Aktuell entstehe ein Discounter mit 800 Quadratmeter Verkaufsfläche; für die Mockauer Post sei aber noch keine neue Baugenehmigung beantragt worden (die LVZ berichtete).

Auch die LVB rechnen mit einer positiven Entwicklung. Mit der Trassenverlegung werde die Zahl der Fahrgäste von aktuell 550 000 pro Jahr auf 700 000 ansteigen, erklärte Juhrs. Auch der S-Bahn-Haltepunkt Mockau werde besser angebunden, betonte Jana.

Ob ähnliche Potenziale mit neuen Straßenbahnstrecken in anderen Stadtteilen erschlossen werden können, ist weitgehend offen. „Wir haben eine Reihe von Vorbehaltsflächen für die Straßenbahn im Flächennutzungsplan frei gehalten“, sagte Jana. Doch LVB-Geschäftsführer Juhrs wollte sich auf keine weiteren Neubautrassen festlegen. Auch für die geplante Straßenbahnanbindung für das Herzzentrum Probstheida gebe es noch keinen Bautermin. „Er hängt davon ab, wie sich der Standort weiter entwickelt“, so Juhrs. Dort werde die Neubaustrecke wohl erst angegangen, wenn das Projekt in Mockau Realität ist.

Von Andreas Tappert

Leipzig, Berthastraße 15 51.36504 12.40576
Leipzig, Berthastraße 15
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