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Lokales 13 Siedlungen wollen gelbe Tonnen
Leipzig Lokales 13 Siedlungen wollen gelbe Tonnen
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00:18 19.08.2016
Viele Siedler wollen ihren Plastikmüll nicht mehr mit gelben Säcken entsorgen. Denn diese gelten als unhygienisch und werden häufig von Tieren aufgerissen. Deshalb wurden alle Leipziger Siedlungen aufgerufen, über einen Wechsel von den Säcken zu Tonnen abzustimmen. Der Stadtrat behandelt das Thema im September. Quelle: Fotos: Leipzig report
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Leipzig


Der Verband teilte gestern auf LVZ-Anfrage mit, dass von den 40 erfassten Leipziger Siedlungen bislang 21 über einen möglichen Wechsel von den gelben Säcken auf die gelben Tonnen abgestimmt haben. „Dabei haben 13 Siedlungen den Wunsch geäußert, die Entsorgung ihres Plastikmülls auf Tonnen umzustellen“, berichtet Verbandsvorsitzender Wolfram Heine. In einem weiteren Verein, der Mariental-Gudrun-Siedlung mit ihren stattlichen 1089 Grundstücken, sei die Abstimmung sehr knapp ausgegangen. „Wir wollen nicht am grünen Tisch entscheiden, wie dort künftig entsorgt wird“, so Heine. Mit diesen Siedlern werde nun noch einmal gesprochen. Nicht erfasste Siedlungsteile würden in die Abstimmung einbezogen.

An dem Votum haben sich noch fünf weitere Siedlungen beteiligt, deren Ergebnisse dem Verband aber noch nicht vorliegen. „Es könnte also sein, dass die Anzahl der Siedlungen, die eine Umstellung der Plastikmüllentsorgung von Sack auf Tonne wünschen, noch auf 19 anwächst“, rechnet der Verbandsvorsitzende vor. In acht Vereinen hat sich eine Mehrheit der Siedler dafür ausgesprochen, weiterhin mit gelben Säcken zu arbeiten. „Die Gründe sind durchaus nachvollziehbar“, erläutert Heine. „Dort sind die Grundstücke so klein, dass der Platz für die Tonnen fehlt.“ Auch einige Zufahrten seien so schmal, dass kein Entsorgungsfahrzeug zu den Grundstücken gelangen könne. „Dort werden bislang die gelben Säcke zu zentralen Abholpunkten getragen. Viele Siedler halten Tonnen für beschwerlicher.“ Hinzu komme, dass die Leipziger Siedlungen unterschiedlich stark von Waschbären und Mardern heimgesucht werden – die häufig die dünnen gelben Säcke aufreißen und auf der Suche nach Nahrung den Plastikmüll über ganze Straßenzüge verteilen. „Wo dies der Fall ist, sprechen sich deutliche Mehrheiten für gelbe Tonnen aus“, so Heine. Er persönlich glaubt, dass es nur eine Frage der Zeit ist, „bis die Waschbär-Population so groß geworden ist, dass die Tiere auch in die übrigen Siedlungen vordringen“.

Rätselraten herrscht im Verband darüber, warum sich bislang 13 Vereine noch gar nicht an der Befragung beteiligt haben. „Vielleicht haben wir die Abstimmung nicht genug publik gemacht“, denkt der Vorsitzende laut nach. „Es könnte sein, dass sie gar nicht mitbekommen haben, dass wir das anbieten.“ Wie berichtet, werden in der Verbandszentrale in der Seelestraße 27 a Befragungsformulare an Siedlungen ausgegeben, die abstimmen wollen (Telefon 0341 9616256).

Problematisch ist auch, dass bei den teilnehmenden Vereinen im Durchschnitt nur rund 50 Prozent der Siedler abgestimmt haben. Gemessen an der Beteiligung bei Landtagswahlen sei dies ein ganz gutes Ergebnis, heißt es im Verband. Aber die Forderung des städtischen Eigenbetrie-
bes Stadtreinigung, dass sich mindestens­­­­ 70 Prozent der Siedler eines Vereins für eine Umrüstung auf gelbe Tonnen aussprechen müssen, um diese auch zu erhalten, werde damit nicht erfüllt. „In vielen Vereinen haben sich aber 80 Prozent der Abstimmenden für eine Umstellung auf Tonnen ausgesprochen“, betont Heine. Absolut gesehen werde die Forderung des städtischen Eigenbetriebes aber auch in diesen Fällen nur selten erreicht. „Für uns ist die Forderung nach einer 70-prozentigen Zustimmung willkürlich und nicht nachvollziehbar“, so Heine.

Der Verbandsvorstand hat deshalb beschlossen, den Geschäftsführer des Eigenbetriebes sowie Leipzigs Ordnungsbürgermeister und Vertreter aller Ratsfraktionen zu einem Spitzengespräch einzuladen. „Wir wollen darüber reden, wie es jetzt mit der Umfrage und den Wünschen der Siedler weitergeht“, sagt der Vorsitzende. Wie berichtet, hat die Stadtreinigung eine Umstellung der Entsorgung von Plastikmüll für den 1. Januar 2019 in Aussicht gestellt. Ein von der CDU im Stadtrat initiierter Beschlussvorschlag zielt sogar auf einen früheren Termin. „Für uns ist klar, dass bei der Auswertung dieser Abstimmung die demokratischen Spielregeln gelten müssen“, sagt CDU-Stadtrat Falk Dossin. „Und das heißt, dass 51 Prozent der abgegebenen Stimmen eine Mehrheit sind.“ Also Siedlungen mit einer solchen Beteiligung das gewünschte Entsorgungsmodell erhalten müssen.

Die grüne Stadtratsfraktion hat sich jetzt ebenfalls in die Diskussion eingeschaltet. Sie will durchsetzen, dass der Leerungsturnus von gelben Säcken auf zwei Wochen verkürzt wird. Der aktuelle Vier-Wochen-Rhythmus stelle eine Benachteiligung gegenüber Nutzern von gelben Tonnen dar, die bereits im Zwei-Wochen-Rhythmus geleert werden, begründet dies der bündnisgrüne Ratsherr Michael Schmidt. Er kritisiert auch, dass die Öffentlichkeit bis heute darüber im Unklaren gelassen werde, wer die etwaigen Kosten einer Umstellung zu tragen hat, die die Stadtreinigung für das erste Jahr mit 450 000 Euro und in den Folgejahren mit jeweils
125  000 Euro beziffert hat. „Dadurch ist der Eindruck entstanden, dass diese Kosten bei den Siedlern hängenbleiben“, so Schmidt. „Dem ist jedoch nicht so.“ Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen gehe davon aus, dass mögliche Kostensteigerungen ab der Umstellung über die gesamten Abfallgebühren der Stadt umgelegt und sich daher „in einem fast vernachlässigbaren Umfang bewegen werden“.

Von Andreas Tappert

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