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Lokales 14.000 Unister-Kunden sitzen auf wertlosen Reisegutscheinen – neue Insolvenz
Leipzig Lokales 14.000 Unister-Kunden sitzen auf wertlosen Reisegutscheinen – neue Insolvenz
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14:17 25.07.2016
Die Unister-Tochtergesellschaft U-Deals GmbH ist insolvent. Davon sind auch Kunden betroffen. Quelle: Screenshot
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Leipzig

Nach der Zahlungsunfähigkeit von inzwischen fünf Unister-Gesellschaften bangen jetzt rund 14.000 Kunden des Leipziger Online-Reiseunternehmens um ihr Geld. „Es gibt bislang keine Lösung für Inhaber von Reise-Gutscheinen, die vor dem 20. Juli bei Unister erworben wurden“, erklärte der vorläufige Insolvenzverwalter Lucas F. Flöther. Dies gelte insbesondere für Kunden der seit Mittwoch insolventen Tochtergesellschaft U-Deals GmbH, die unter Marken wie Ab-In-Den-Urlaub-Deals.de Gutscheine für Reisen und Hotelaufenthalte ausgegeben hat.

Mit den Deals sichern sich Kunden einen festen Preis. Offen ist allerdings das genaue Reisedatum. Es richtet sich nach der Verfügbarkeit in Hotels oder Flugzeugen. Es lägen bereits Fälle vor, in denen einzelne Hotels schon bestätigte Anreisen von Kunden ablehnen oder eine doppelte Bezahlung fordern. Die U-Deals GmbH informiere jetzt die betroffenen Kunden, dass diese Gutscheine momentan nicht einlösbar seien. „Das Insolvenzrecht lässt uns hier leider keinen Spielraum, die geleisteten Zahlungen fallen in die Insolvenzmasse“, betonte Flöther. Er bemühe sich für diese Kunden um kulante Lösungen. Versicherungen sind anders als bei Pauschalreisen für die Deals nicht gesetzlich vorgeschrieben, teilte ein Sprecher Flöthers mit.

Flöther: Neubuchungen ab 20. Juli gesichert

Die Insolvenzen im Unister-Konzern gingen auch am Donnerstag weiter. Die Reisetochter Unister Travel Betriebsgesellschaft stellte einen entsprechenden Antrag beim Amtsgericht Leipzig.

Das operative Geschäft laufe weiter, teilte Flöther mit. „Kunden, die ab jetzt bei Unister-Portalen buchen, können sicher sein, dass sie die gebuchte Leistung auch vollständig erhalten“, betonte Flöther. Dies gelte für sämtliche Angebote, neben Flügen und Pauschalreisen auch für  Hotels und Mietwagen.

Ermöglicht wurde dies durch die vollständige Umstellung sämtlicher Buchungen auf das Vermittlergeschäft. Die Sparte Unister Travel trete nun ausschließlich als Reisebüro auf. Deshalb sei auch die Einlösung sogenannter Reise-Gutscheine für alle Neubuchungen vom 20. Juli an gewährleistet.

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Unter dem Dach der Unister Travel Betriebsgesellschaft sind die Reisegeschäfte der Holding gebündelt. Angebote wie das Portal ab-in-den-urlaub.de sind von diesem Insolvenzantrag aber nicht direkt betroffen, weil sie unter einer eigenen Gesellschaft geführt werden.

Mit der Unister Travel Betriebsgesellschaft hat bereits die vierte Tochter der Holding seit Montag einen Insolvenzantrag gestellt. Auch die Holdinggesellschaft selbst hatte die Zahlungsunfähigkeit erklärt.

Unister Travel beschäftigt rund 495 Mitarbeiter - und damit einen großen Teil der insgesamt etwas rund 1100 Beschäftigten von Unister. „Die Löhne und Gehälter der Mitarbeiter sind über das Insolvenzgeld gesichert.“ Insgesamt sind derzeit rund 700 Angestellte von Unister durch die Insolvenzanträge betroffen.

Kirchhof vermutet kriminelle Handlungen

Das Leipziger Internetunternehmen befindet sich bereits seit längerer Zeit in Schieflage. Dramatisch zugespitzt hat sich die Situation in der vergangenen Woche durch einen Flugzeugabsturz, bei dem mit Thomas Wagner und Oliver Schilling zwei der sechs Gesellschafter ums Leben kamen. Die beiden Manager befanden sich auf dem Rückflug von Venedig nach Leipzig. In der Lagunenstadt waren sie mutmaßlich bei dem Versuch frisches Geld zu besorgen, mit falschen Scheinen betrogen worden.

In der Lagunenstadt Venedig wurde Thomas Wagner mutmaßlich mit Falschgeld betrogen. Quelle: Matthias Roth

Im Zusammenhang mit dieser Italien-Reise von Wagner vermutet Mitgesellschafter Daniel Kirchhof kriminelle Handlungen. Sein Verdacht reiche „bis hin zur Geldwäsche“, sagte er. „Die Frage ist, welches Geld ist es gewesen und woher kommt es“, sagte er mit Bezug auf die am Absturzort in Slowenien gefundenen 10 000 Schweizer Franken. Über seinen Anwalt habe er Strafanzeige wegen des Verdachts der Untreue gegen Unbekannt erstattet.

Matthias Roth

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