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15 Jahre Pongoland: Eine Super-WG im Fokus der Wissenschaft

Zoo Leipzig 15 Jahre Pongoland: Eine Super-WG im Fokus der Wissenschaft

Das Pongoland im Leipziger Zoo wurde im Frühjahr 2001 eröffnet. Bis heute ist es die größte Menschenaffen-Anlage der Welt. 48 Vertreter aller vier Menschenaffen-Arten leben dort zusammen und stehen täglich im Dienst der Wissenschaft.

Ein Orang-Utan nimmt Kontakt zu einem Besucherkind an der Scheibe auf.

Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig.  Eine Super-WG feiert ihren 15. Geburtstag: Das Pongoland im Leipziger Zoo wurde im Frühjahr 2001 eröffnet. Bis heute ist es die größte Menschenaffen-Anlage der Welt. 48 Vertreter aller vier Menschenaffen-Arten leben in Hör- und teils auch Sichtweite zusammen. In freier Wildbahn würden sie sich nie begegnen, denn ihre Lebensräume sind tausende Kilometer oder gar Kontinente voneinander entfernt: Gorillas leben im westlichen und mittleren Afrika, Orang-Utans in Indonesien, Schimpansen in Zentralafrika, Bonobos (Zwergschimpansen) ausschließlich in der Demokratischen Republik Kongo.

Die markantesten Figuren im Pongoland sind Gorilla Abeeku und Orang-Utan Bimbo. „Wenn diese imposanten Männer sich erheben, gehen alle anderen beiseite“, erzählt Bereichsleiter Frank Schellhardt (59). Er selbst hat es sich zur Gewohnheit gemacht, sich morgens kurz an die Scheibe zu setzen, mit Bimbo ein „Männergespräch“ zu führen und ihn zu begrüßen. „Komme ich mal ein paar Tage nicht dazu, guckt er mich nicht mehr an.“ Geht Schellhardt womöglich gar in Begleitung anderer Personen vorbei, kann es passieren, dass Bimbo eifersüchtig einen Gegenstand nach ihm wirft.

Wie eine Besucheranalyse ergeben hat, gehört Pongoland zu den Zoobereichen, in denen die Besucher die meiste Zeit verbringen. Vor allem wenn Nachwuchs da ist, gibt es viel zu sehen, denn dann geht es besonders lebhaft zu. 29 Affenkinder wurden in den letzten 15 Jahren geboren. Gern spielen sie mit den Besucherkindern auf der anderen Seite der Scheibe. Viele Parallelen zum menschlichen Verhalten gibt es bei den Menschenaffen zu beobachten, das Leben ähnelt dem in einer Familie: Man pflegt sich gegenseitig das Fell, Mütter mit ihren Jungtieren leisten sich in „Müttergruppen“ Gesellschaft, das Verhalten rangniederer Tiere wird mit lautem Gekreische kommentiert und „ausgewertet“ .

Die älteste WG-Bewohnerin ist eine Schimpansin von 50 Jahren, sie hat sichtbar Arthrose wie zu Hause vielleicht die Oma. Übrigens: Bei den Bonobos haben die Frauen das Sagen und machen den Männern Stress, wenn die sich mal was trauen oder sich den Jungtieren über Gebühr nähern. Von der „Erstbesetzung“ der Anlage sind nur noch zwei Tiere dabei. Andere wurden an andere Zoos abgegeben, wie der sensible Orang-Utan-Mann Walter. Oder sind verstorben, wie das legendäre Orang-Utan-Weibchen Dunja.

Vormittags gehe die Affen – falls sie Lust dazu haben – in die „Schule“. Max-Planck-Wissenschaftler machen mit ihnen seit 15 Jahren in rückwärtigen Räumen Tests zum Verhalten und zur Wahrnehmungsfähigkeit. Die Ergebnisse werden in den renommiertesten wissenschaftlichen Zeitschriften der Welt veröffentlicht. Das ständige Beschäftigen zum Beispiel mit dem Gebrauch von Werkzeugen hat die Affen ein ganzes Stück schlauer und geschickter gemacht, schätzt Pfleger Schellhardt ein. „Es gibt Fleißige und Faule, Hochintelligente und weniger Intelligente“, verrät er.

Pongoland wurde im April 2001 feierlich eröffnet und gilt seitdem als Besuchermagnet des Leipziger Zoos.

Quelle: Wolfgang Zeyen

Schimpansendame Dorin sei immer zur Stelle, sobald sich der Schieber zur Forscher-Stube öffnet – auch wenn sie gar nicht an der Reihe ist. Hingegen schauen manche Bonobos erst mal durch die Tür, welcher Forscher und welche Testapparatur sie drinnen erwarten. Wenn sie aus Erfahrung wissen, dass der Test ihre Geduld erfordert und nur geringfügig belohnt wird, machen sie gleich wieder kehrt. Alle Tests sind freiwillig und laufen nach dem Belohnungs-Prinzip.

Der 1999 begonnene Bau der Menschenaffen-Anlage war „ein Sechser im Lotto mit Zusatzzahl und eine Initialzündung für den Masterplan zum Zoo der Zukunft“, sagt Zoodirektor Jörg Junhold (51). Die Max-Planck-Gesellschaft suchte damals einen Partner-Zoo mit Erfahrungen in der Menschenaffen-Haltung. Als die Entscheidung für Leipzig gefallen war, übernahm sie 90 Prozent der Baukosten in Höhe von 30 Millionen D-Mark. Für Junhold war es sein erstes Großprojekt im Zoo, in das er bereits eingebunden war, als seinen Direktoren-Job noch gar nicht angetreten hatte.

Das Osterwochenende steht unter dem Motto „Entdeckertage Pongoland“. Am Karfreitag läuft nach der Sendung „Elefant, Tiger & Co“ ein 90-minütiges Special zum Pongoland im MDR-Fernsehen.

Von Kerstin Decker

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