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Lokales 15 Jahre Ronald-McDonald-Haus: Hilfe für 4500 Familien mit schwerkranken Kindern
Leipzig Lokales 15 Jahre Ronald-McDonald-Haus: Hilfe für 4500 Familien mit schwerkranken Kindern
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00:18 05.02.2017
Kamen aus dem Vogtland noch einmal in ihr „Zuhause auf Zeit“, um zum 15. Geburtstag zu gratulieren: Sandra und Jörg Hanf mit ihren Kindern. Hinten zwischen Mama und Papa: Pechvogel Thalia – ihr geht es heute wieder gut. Quelle: Foto: André Kempner
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Leipzig

Es war kurz vor dem Jahreswechsel 2015/2016 – da ereilte Familie Hanf aus dem Vogtland ein schwerer Schlag. Tochter Thalia (10) war bei einem Ausflug von einem Auto erfasst und schwerstverletzt worden. Nach der Not-OP in Borna brachte ein Hubschrauber sie ins Leipziger Uni-Klinikum. Aber wo sollten Jörg Hanf (35), seine Frau Sandra (34) und die vier Geschwister von Thalia unterkommen? – ein Fall für das Ronald-McDonald-Haus. Hier konnte die Familie übernachten und jederzeit bei Thalia sein. „Die Nähe zum Kind hat soviel Heilungspotenzial“, erzählt Jörg Hanf, von Beruf Seelsorger. „Und hier traf man auf andere Eltern mit vielen Sorgen, konnte sich austauschen. Das tat gut. Also ich finde das Konzept hier genial!“

Familie Hanf mit ihren fünf Kindern – zwischen einem und 15 Jahre alt – gehörte am Dienstag zu den Gästen des Geburtstags im Ronald-McDonald-Kinderhaus: 15 Jahre ist es jetzt her, dass Uni-Kinderklinikchef Wieland Kiess und Prinzen-Sänger Sebastian Krumbiegel Seit an Seit auf einem Mini-Bagger hockten und – symbolisch – an der Rubensstraße 1 den ersten Baggerbiss fürs Ronald-McDonald-Haus legten. Jene Einrichtung, in der Eltern und Geschwister eine Heimstatt auf Zeit finden, während ihre schwer erkrankten Sprößlinge in der nahegelegenen Uni-Kinderklinik stationär behandelt werden. Schließlich haben junge Patienten gesetzlich einen Anspruch auf eine Begleitperson – nur die wohnt eben nicht immer in Leipzig. „Ohne Kiess gebe es das Haus nicht, er hatte damals die Idee und die Kontakte zur Stiftung McDonald’s Kinderhilfe“, bekannte Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD). „Und ich hatte Vorbehalte! Um Himmels Willen, dachte ich, was sollen Fastfood-Burger in einer Kinderklinik?“ Er zählte am Dienstag zu den rund 140 Gästen, die zur Geburtstagsfeier in der Rubensstraße waren, darunter auch US-Generalkonsul Scott Riedmann und Stiftungs-Vorstand Adrian Köstler.

„In all den Jahren haben rund 4500 Familien unser Angebot genutzt“, erzählte Hausleiterin Melanie Schröder. Meist stammen sie aus einem Umkreis von rund 100 Kilometern. Die nächsten Übernachtungshäuser, von denen die Mc-Donalds-Stiftung bundesweit 22 betreibt, gibt es erst in Jena und Cottbus. „Vor allem handelte es sich um Eltern von Frühchen sowie von Kindern mit Tumor- oder seltenen Stoffwechselerkrankungen, wofür Leipzigs Uni-Kinderklinik spezialisiert ist“, so Schröder. Im Schnitt verweilten die Angehörigen zwei Wochen. „Wir hatten aber auch schon mal Eltern 234 Tage hier. Und versucht, sie in ihrer Trauer aufzufangen, als das Kind dann starb“, schilderte sie.

Das Haus bietet im Erdgeschoss eine große offene Gemeinschaftsküche. Es gibt von Michael Fischer-Art bunt bemalte Säulen. Nischen und Ecken mit Spielsachen, wohnliche Bereiche zum Fernsehgucken, funktionale Räume wie einen mit Waschmaschinen. Jeden Dienstag wird im Haus ein gemeinsames Verwöhnfrühstück organisiert, jeden Donnerstag ein Verwöhnabendessen für die Gäste. Etwas Balsam auf belastete Seelen sozusagen. Die Kosten für eine Übernachtung betragen 22,50 Euro – in der Regel zahlen das die Krankenkassen.

„Eine öffentliche Förderung bekommen wir jedoch nicht“, meinte Hausleiterin Schröder. „Wir rekrutieren unseren jährlichen Etat für die Betriebskosten aus Spenden.“ Was heißt, jährlich mit vielen Partnern und Unterstützern an die 180 000 Euro aufzubringen. „Zu den wahren Helden, die den Alltag hier zum Laufen bringen, zählen für mich aber auch die Ehrenamtler“, betonte Krumbiegel, den Vorstand Köstler als „den Schirmherren mit dem längsten Durchhaltevermögen aller 22 McDonald’s Häuser“ im Bundesgebiet lobte. Der Prinzen-Sänger hält ja von Anfang an zur Stange.

Sören Hohner hingegen gehört zu den 32 Ehrenamtlern, die sich in der Rubensstraße um Eltern, Haus und Hof kümmern. Vor zweieinhalb Jahren war er bei Leipzigs Freiwilligen-Agentur aufgelaufen, weil er in seiner Freizeit „gern mal etwas tun wollte, wo nicht unbedingt eine Gegenleistung dahinter steht“, so der junge Jurist. „Da hier hilfreiche Hände vor allem am Wochenende gefragt sind, passte mir das zeitlich sehr gut.“ Ein-, zweimal monatlich ist er da seither zur Stelle, erklärt Neuankömmlingen, die sich hier selbst versorgen müssen, wie alles funktioniert. Er putzt, wischt, bezieht Betten beim Gästewechsel. Hohner, mit einer Portion Schalk im Gesicht: „Komm ich heim, kann ich meiner Frau dann sagen, mein hauswirtschaftliches Quantum sei für den Tag bereits erfüllt!“

Von Angelika Raulien

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