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Lokales 167 Wohnungen für Stötteritz: Frühere Schimmel-Piano-Fabrik wird umgebaut
Leipzig Lokales 167 Wohnungen für Stötteritz: Frühere Schimmel-Piano-Fabrik wird umgebaut
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22:39 21.03.2018
Die Altbauten – hier der Teil des früheren Siemens-Telefonwerks an der Unteren Eichstädtstraße – sind schon fertig saniert. Drei Neubauten stehen nun im Rohbau.  Quelle: Fotos: André Kempner
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Leipzig

 Wenn sich der großartige Schlagersänger Udo Jürgens ans Piano setzte, handelte es sich bei seinem Instrument immer um einen Schimmel-Flügel. Jürgens liebte diese, in Braunschweig produzierten Klangwunder. Sein Plexiglas-Piano „Pegasus“ ließ er sogar per Hubschrauber auf einen Alpengletscher fliegen, um dort oben ein Musikvideo zu drehen.

Wiege der Klangwunder stand in Leipzig

Dass die Ursprünge der bekannten Klaviermarke Schimmel in Leipzig liegen, wissen aber selbst viele Udo-Jürgens-Fans nicht. Es dürfte sich nun wieder mehr herumsprechen. Denn das Fabrikgebäude, welches Firmengründer Wilhelm Schimmel 1897 in Stötteritz errichten ließ, wird gegenwärtig aufwendig saniert.

Umzug nach Braunschweig während der Weltwirtschaftskrise

Schon 1879 war der aus Alt-Ohlisch (heute Stará Oleška in Tschechien) stammende Kunsttischler nach Leipzig gekommen, um hier zunächst in der Pianofortefabrik Stichel zu arbeiten. 1885 gründete er in Neuschönefeld seine erste eigene Werkstatt. Schimmel baute technisch fortschrittliche Klaviere und Flügel. Sie fanden so regen Absatz, dass die Werkstatt zweimal im Leipziger Osten umziehen musste, bevor das neue Firmendomizil auf einem 4000 Quadratmeter großen Grundstück in Stötteritz fertig war. Die Werkstätten zogen sich dort über drei Stockwerke des Haupthauses – plus Parterre und Souterrain. Auch einen Konzert- und Ausstellungssaal gab es in dem Ensemble. Im Zuge der Wirtschaftskrise 1929/30 verlegte der Sohn und Nachfolger Wilhelm Arno Schimmel die Produktion jedoch nach Braunschweig.

Frisch sanierte Fassade von Straßenbahnhaltestelle zu sehen

Am besten zu sehen ist die frühere Klavierfabrik, die sich im Hof eines Wohnquartiers befindet, zurzeit von der Weißestraße. Wer an der Haltestelle der Straßenbahn-Linie 4 steht, schaut – durch eine Lücke in der Häuserzeile – genau auf ihre frisch sanierte Fassade. Denkmalgerecht wurden nicht nur die roten und gelben Ziegel des Fünfgeschossers herausgeputzt. Auch das Dach bekam seine Schiefer-Eindeckung zurück, erklärt Jan Heinemann vom Leipziger Projektentwickler Hildebrand & Partner. Dieser plant auch wieder eine kleine Ausstellung zur Geschichte des Gebäudes in den Fluren vor Ort.

Neue Bestimmung auch für früheres Siemens-Telefonwerk

Das renommierte Unternehmen hat in Leipzig unter anderem schon die frühere Mädler-Fabrik, das Ring-Messehaus und jüngst das Bugra-Messehaus in schmucke Wohnanlagen verwandelt. Zu dem aktuellen Vorhaben in Stötteritz gehören nicht nur Teile der ehrwürdigen „Wilhelm Schimmel Hof-Pianoforte-Fabrik“. Deren Baupläne stammten übrigens vom Architekturbüro Händel & Franke, das einst auch die Buntgarnwerke an der Nonnenstraße entworfen hatte. Nebenan, in der Unteren Eichstädtstraße 11, sanieren Hildebrand & Partner jetzt zeitgleich noch ein weiteres Gebäudeensemble, das vielen Leipzigern als Siemens-Telefonwerk in Erinnerung ist. Ursprünglich war in dieser 1904 entstandenen Fabrik die Druckerei und Graphische Kunstanstalt Dr. Trenkler & Co. AG ansässig. 1925 folgte mit Dr. Dietz & Ritter der Produzent der berühmten Körting-Radios, 1948 übernahm dann der VEB Funkwerk Leipzig.

167 Wohnungen in drei Alt- und fünf Neubauten

Beide Gewerbe-Ensemble standen zuletzt lange leer. Sie verfügen über einen gemeinsamen Hof – auch deshalb habe Hildebrand & Partner ein Gesamtprojekt für das 10 000 Quadratmeter umspannende Areal entwickelt, erläutert Heinemann. „Alles in allem entstehen hier 167 Wohnungen. Davon befinden sich 74 in den denkmalgeschützten Altbauten und 93 in den Neubauten“, sagt er. Die Altbau-Wohnungen sind kürzlich fertiggestellt worden. Der Großteil sei bereits vermietet (bei Preisen von 8,50 bis 10 Euro kalt pro Quadratmeter). „Über die Hälfte sind sogar schon bezogen.“

Jede der Zwei- bis Fünf-Raum-Wohnungen verfüge über Balkon, Loggia oder Wintergarten, gespachtelte Wände, Fußbodenheizung, Parkett. Zum Teil gebe es eine Ausstattung mit Kamin oder Maisonette-Wohnungen über mehrere Etagen.

Drei Familien haben sich in einem kleinen Kutscherhaus im Hof eingerichtet, das neben einem historischen Schornstein aus gelben Klinkern steht. Die Einfahrt zur neuen Tiefgarage liegt an der Unteren Eichstädtstraße 11. „Früher war der ganze Hof mit Autos zugeparkt“, erzählt Firmenchef Steffen Hildebrand. „In Zukunft wird dort eine grüne Oase samt Kinderspielplatz sein.“

Erstmals seit vielen Jahren errichte der Projektentwickler wieder mehrere Neubauten in Leipzig, erläutert Hildebrand weiter. Drei davon sind bereits als Rohbauten auf dem Areal zu sehen. Sie sollen von April bis Juli 2018 bezugsfertig werden. Neben den Vorgaben der Energieeinsparverordnung sorge bei ihnen eine Heizanlage mit Luft-Wärme-Pumpen und Gas-Therme für niedrige Betriebskosten.

Noch zwei Lückenschlüsse an den Hauptstraßen

Ebenfalls nach Entwürfen des Leipziger Architekten Stefan Zech folgen in den nächsten Monaten noch zwei neue Mehrfamilienhäuser, welche die vorhandenen Baulücken in der Weißestraße (gegenüber der Straßenbahn-Haltestelle) und in der Unteren Eichstädtstraße schließen. Im Sommer 2019 sollen alle Arbeiten beendet sein, kündigt Hildebrand an. Das Projektvolumen für das Quartier, das nur 500 Meter von der Stötteritzer S-Bahn-Station entfernt liegt: über 50 Millionen Euro.

Von Jens Rometsch

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