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17. Juni 1953 – Gedenkort für die Opfer auf dem Leipziger Südfriedhof fehlt

Volksaufstand in der DDR 17. Juni 1953 – Gedenkort für die Opfer auf dem Leipziger Südfriedhof fehlt

Beim Volksaufstand starben am 17. Juni 1953 im ehemaligen Bezirk Leipzig neun Menschen. An sie wird jährlich bei einer Gedenkfeier in der Straße des 17. Juni erinnert. Doch wer ihre Gräber auf dem Südfriedhof finden will, muss suchen. Die Stadt will aber künftig das Wegeleitsystem verbessern.

Die Grabstätte auf dem Südfriedhof.
 

Quelle: Mathias Orbeck

Leipzig. Der 17. Juni ist der Tag des Volksaufstandes von 1953. Damals erhoben sich Menschen gegen das SED-Regime – der Aufstand wurde brutal niedergeschlagen. Allein im ehemaligen Bezirk Leipzig starben an jenem Tag neun Menschen. An sie wird jährlich bei einer Gedenkfeier in der Straße des 17. Juni erinnert. Doch wer ihre Gräber auf dem Südfriedhof finden will, muss suchen. Im hintersten Winkel am Nordrand gibt es zwar eine gepflegte Anlage „Für die Opfer der Gewaltherrschaft 1945-1989“, die ist aber recht schwer zu finden. Stadträte von CDU, SPD, Grünen und FDP hatten deshalb in einem gemeinsamen Antrag gefordert, dass die Stadt sie besser in das Wegeleitsystem des Friedhofes integriert. “Alle Friedhofspläne an den fünf Eingängen wurden inzwischen um die Grab- und Gedenkanlage ergänzt, um die Auffindbarkeit zu erleichtern“, sagt Umweltbürgermeister Heiko Rosenthal (Linke), der auch für Leipzigs Friedhöfe zuständig ist. Inzwischen hat die Stadt die Einfassung dieser Grabstätte erneuern lassen, eine zweite Blumenablage angelegt, die Wege im Umfeld der Gräber instand gesetzt. „Wir arbeiten generell an einem neuen Wegeleitsystem auf dem Südfriedhof“, sagt Albrecht Graichen vom Amt für Stadtgrün und Gewässer. Künftig wird es Schilder geben, die zu Soldatengräbern, den Grabstätten berühmter Leipziger und zu den Opfern des 17. Juni weisen.

Was fehlt, ist ein Gedenkort an zentraler Stelle – entlang der Hauptachse des Friedhofes. Dort befindet sich der ehemalige sozialistische Ehrenhain, in dem SED-Funktionäre ihre letzte Ruhe gefunden haben. Darunter auch die ersten beiden Stasi-Chefs von Leipzig. „Die Etablierung eines Gedenkortes für ein bewusstes und würdiges Erinnern an die Toten des 17. Juni 1953 ist gerade in Leipzig, der Stadt der Friedlichen Revolution, mehr als überfällig“, findet Tobias Hollitzer. Der Leiter des „Museums in der Runden Ecke“ wird bei der Gedenkfeier am Sonnabend in der Straße des 17. Juni das Grußwort sprechen. „Eine traurige Sache, dass unser Antrag noch nicht umgesetzt wurde. Wir werden das Thema aufgriffen, da muss noch mehr passieren“, sagt FDP-Mann René Hobusch. Neben dem zentralen Gedenkort fordern Stadträte eine Infotafel, auf der an den ersten antidiktatorischen Volksaufstand erinnert wird. Neben neun Toten gab es im Bezirk Leipzig mindestens 95 Verletzte. Unmittelbar danach setzte eine große Verhaftungswelle ein, bei der mehr als 100 Menschen – teils in Schauprozessen – zu langjähriger Haft verurteilt worden waren. Einer sogar zum Tode.

Ob der ehemalige sozialistische Ehrenhain verändert wird, prüft die Verwaltung gerade. Nach der Friedlichen Revolution wurden Namenswand und der einstige Appellplatz rückgebaut, die historische Hauptachse vom Nordtor zum Krematorium zur Lindenallee umgestaltet. In der Mittelachse ruhen jedoch auch die 84 unbekannten Opfer des Konzentrationslagers Abtnaundorf, an die auch ein Gedenkstein erinnert. Gräber aller Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft müssen laut Gesetz erhalten bleiben. Erschwerend kommt hinzu, dass die Anlage überbaut wurde, also die Ruhestätten praktisch aufeinander liegen können. In den 1950er-Jahren wurden die Urnenanlage als Sozialgräber genutzt, wohl auch um den ein oder anderen „verschwinden“ zu lassen. Deshalb müsste eine aufwändige Suchaktion gestartet werden, wie viele Urnen dort wirklich liegen. Doch auch die Sicht auf die sogenannten SED-Gräber hat sich ein wenig gewandelt. So wird nun geprüft, ob die mittlerweile selbst zum Denkmal geworden sind. Sobald der Status klar ist, befindet der Stadtrat – auch über einen zentralen Gedenkort für die Opfer des 17. Juni 1953.

Von Mathias Orbeck

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