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Lokales 1900 Scheiben am Leipziger Uniriesen müssen erneuert werden
Leipzig Lokales 1900 Scheiben am Leipziger Uniriesen müssen erneuert werden
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22:09 10.03.2017
Blick entlang der westlichen Fassade des City-Hochhauses. Zwischen der 18. und 19. Etage hatten sich am vergangenen Samstag Bruchstücke einer Glasscheibe gelöst und waren auf den Vorplatz gefallen.  Quelle: Andre Kempner
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Leipzig

 Nach dem erneuten Absturz von Teilen der Glasfassade am Leipziger City-Hochhaus wird ein Großteil der Glasverkleidung erneuert. „Etwa 1900 der Scheiben müssen ausgetauscht werden. Derzeit werden dafür Angebote eingeholt“, so das Gebäude-Management Intown am Freitag gegenüber LVZ.de. Betroffen sei das sogenannte Einscheibensicherheitsglas (ESG), das für Windschutzscheiben und für die Füllung zwischen den Fensterreihen verwendet wurde. Zum Teil besitzen die Scheiben nur einen dreiseitigen Rahmen, mit freier unterer Kante – so wie auch jenes Stück, das am 4. März auf den Vorplatz gestürzt war. „Alle Scheiben erhalten jetzt eine vierseitige Rahmenhalterung und eine Kunstharzbeschichtung (PUR)“, hieß es weiter. Die zusätzliche Halterung soll ein Herausfallen gebrochener Scheiben verhindern. Wie viel die Sanierung kosten wird und wann die Bauarbeiten beginnen können, ist noch unklar. Aktuell wird nur die beschädigte Scheibe ausgetauscht. Der Vorplatz ist deshalb wieder abgesperrt.

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Aufregung am Augustusplatz: Am Sonnabend sind zwei Scheiben aus dem 18. Stock des Leipziger City-Hochhauses gefallen. Die Polizei musste den Bereich nahe der Uni-Mensa weiträumig absperren.

Experten der Kommune sowie ein unabhängiger Sachverständiger hatten die Bruchstelle zwischen 18. und 19. Obergeschoss am vergangenen Wochenende begutachtet. Das Ergebnis der Untersuchung steht zwar noch aus, aber wahrscheinlich sei, dass die gebrochene Scheibe zuvor von Außen beeinträchtigt wurde. „Rahmen und Auflager der Scheibe waren und sind in Ordnung. Es wurden allerdings frische Beschädigungen direkt über der Glasbruchstelle gefunden – insbesondere im 22. und 21. Obergeschoss. Durch einen Suizid an identischer Stelle am 26. Februar können Kratzer oder Einkerbungen in die Scheibe eingetragen worden sein“, so die Angaben von Intown mit Verweis auf den Sachverständigen. Wie die Stadtverwaltung am Donnerstag mitteilte, wurden auch sogenannte Nickel-Sufid-Einschlüsse im Glas analysiert – die bei Sicherheitsglas nicht auszuschließen sind. Hinweise auf grundsätzliche Materialfehler oder eine nicht sachgerechte Installation gebe es allerdings nicht. Auch ein sogenannter Heißlagerungstest (im Englischen Heat-Soak-Test), der Spontanbrüchen vorbeugen soll, wurde einstmals durchgeführt, so Intown.

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Seit 2012 verstärkte Kontrollen – OBM Jung: Eigentümer ist in der Haftung

Bereits im Juni 2011 hatte es einen ähnlichen Vorfall am City-Hochhaus gegeben. Damals sei eine Beschädigung von außen nachweislich dafür verantwortlich gewesen. Weitere Schäden mit Abstürzen von Bruchteilen gab es 2012 und 2015. In Gesprächen mit der Kommune wurden zwischenzeitlich schon verstärkte Kontrollen vereinbart. „Seit 2012 gibt es einen Wartungsplan, der speziell die Inspektionen der Fassaden und der Dächer umfasst. Darin ist beschrieben, was bezüglich der Glassicherheit kontrolliert werden muss. Es gibt jährliche und außerplanmäßige Inspektionen“, so Intown. Unter anderem werden die Fassaden auch nach Suiziden untersucht – zuletzt im August 2016.

Nach Bekanntwerden des erneuten Glasabsturzes hatte Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) vom Eigentümer am Montag sofortiges Handeln gefordert. „Er hat eine Sicherungspflicht. Er ist in der Haftung, wenn dort etwas passiert“, so Jung gegenüber LVZ. Es folgten am Freitag Gespräche der Stadtverwaltung mit Intown, Gutachtern und Baufirmen. „Der Eigentümer des Gebäudes wie die Bauaufsicht der Stadt nehmen ihre Verantwortung umfassend wahr und räumen der Sicherheit oberste Priorität ein“, so Roland Quester, Referent von Baubürgermeisterin Dorothee Dubrau (parteilos), im Anschluss.

Das City-Hochhaus in Leipzig wurde zwischen 1968 und 1972 nach Plänen des Berliner Architekten Hermann Henselmann errichtet und wird im Volksmund aufgrund seiner früheren Funktion auch Uni-Riese oder Weisheitszahn genannt. Zwischen 1999 und 2002 ist das Gebäude im Auftrag der Landesregierung komplett saniert worden. Seither gibt es drei Granit-Fassaden und drei Fassaden mit Glasfüllungen. Auch an den Granitfassaden sind vor allen Fenstern noch ESG-Windschutzscheiben angebracht. Seit 2007 gehört das Gebäude der US-Investmentbank Merrill Lynch und wird von regionalen Partnern verwaltet. Das Hochhaus misst mehr als 142 Meter und hat 34 Etagen.

Von Matthias Puppe

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