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20-Millionen-Projekt: Ökumenischer Verbund plant Sozial-Campus in Leipzig-Reudnitz

20-Millionen-Projekt: Ökumenischer Verbund plant Sozial-Campus in Leipzig-Reudnitz

Das Projekt ist in Deutschland vermutlich einmalig - und es könnte für eine seit Jahren unansehnliche Ecke in Reudnitz eine Wiederbelebung der besonderen Art bedeuten.

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Reif für den Teilabriss: die Ruine des ehemaligen Paul-Lange-Heimes in der Riebeckstraße. Hier soll der Campus entstehen.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Der gegenwärtige Arbeitstitel des Vorhabens: Campus Lorenzo - ein Sozial-Quartier im Kiez Stötteritzer/Riebeck-/Witzgallstraße, das kleine, heranwachsende und deutlich ältere Menschen, das Haupt- und Ehrenamtler, das Einheimische und Fremde, das Theorie und Praxis zusammenführen will.

Hinter dem Unterfangen, das heute in der Dienstberatung des Oberbürgermeisters und am Montag im Grundstücksverkehrsausschuss des Stadtrates zur Sprache kommen soll, stehen vier Partner: die römisch-katholische Pfarrei St. Laurentius Reudnitz, der katholische Wohlfahrtsverband Caritas, das Bildungsinstitut Mitteldeutschland der Johanniter-Akademie - Spross der evangelischen Hilfsorganisation Johanniter-Unfall-Hilfe - und der Investor "Basis d", ein Wohnungsunternehmen mit kirchlichen Wurzeln aus Dresden. "Campus Lorenzo ist demnach auch ein ökumenisches Projekt", sagt Pfarrer Ulrich Dombrowsky, der seelsorgerische Leiter von St. Laurentius, schmunzelnd. "Eines, das verstärkt an die Tradition dieses Standortes anknüpfen will."

Mit dem Standort ist zunächst einmal die 1893 erbaute Laurentius-Kirche samt Gemeindehaus gemeint. Das alte Gemäuer in der Witzgallstraße 20 beherbergte einst ein Waisenhaus und eine Suppenküche für die Armen des Viertels und war bei seiner Eröffnung Ausdruck des karitativen Engagements der Katholiken gegen Ende der Industriellen Revolution. In unmittelbarer Nachbarschaft entstand nur wenig später die sogenannte Zweiganstalt I des Neuen Johannishospitals. Als die DDR unterging, befand sich in dem Komplex Witzgallstraße 18/Riebeckstraße 37-47/Stötteritzer Straße das Paul-Lange-Heim, eine Außenstelle des Städtischen Altenpflegeheimes Martin Andersen Nexö auf der gegenüberliegenden Straßenseite.

In den Neunzigerjahren schloss die Kommune das Lange-Heim, seither verkommt die Immobilie. Mal hieß es, sie solle verkauft werden, dann wurde sie für den Abriss vorbereitet. Gegenwärtig gammelt sie fensterlos weiter vor sich hin - und zieht nach Beobachtung von Nachbarn Kleinkriminelle an. Die Katholiken wiederum betrachten das Grundstück schon eine ganze Weile äußerst interessiert, denn sie würden es gern nutzen. Und mit ihnen die Johanniter-Akademie, die gegenwärtig Mieter in Teilen des Gemeindezentrums ist und sich ihrerseits vergrößern möchte. In dem Bildungsinstitut werden Altenpfleger, Heilerziehungspfleger, Erzieher, Notfall- und Rettungssanitäter ausgebildet. 450 junge Menschen bereiten sich in der Witzgallstraße gerade auf einen sozialen Beruf vor. Lars Menzel, der Leiter des Instituts, möchte die Akademie in Reudnitz profilieren, um 50 Plätze und um ein Wohnheim für seine Schüler erweitern. Da trifft es sich gut, dass die katholische Pfarrei und der Leipziger Caritasverband auf dem Campus Lorenzo eine Kita für 100 Kinder errichten, der stationären Jugendhilfeeinrichtung St.-Hilarius-Haus - derzeit im Grünauer Neptunweg untergebracht - zu einer neuen Heimstatt verhelfen, jungen Frauen aus sozial schwierigen Verhältnissen eine Außenstelle der Mutter-Kind-WG offerieren und 80 älteren Menschen ein betreutes Wohnen ermöglichen wollen. "So hätten unsere Auszubildenden gleich optimalen Praxisbezug", findet Johanniter-Mann Menzel. Findet im Übrigen auch Alfred Winter, Mitglied im Pfarrgemeinderat von St. Laurentius: "Unser Campus würde zu einem Schmelztiegel der sozialen Kompetenz."

Bleibt als Fragezeichen, wie die Stadt Leipzig, der die Liegenschaften des früheren Paul-Lange-Heimes gehören, wie die Stadtratsfraktionen über den Campus Lorenzo denken. Sie alle müssen wollen, dass die Kommune an Investor "Basis d" verkauft. Verhandlungen zwischen dem Rathaus und dem ökumenischen Verbund gibt es seit Langem. Inzwischen deutet sich an, dass die Stadtverwaltung Gefallen an dem 20-Millionen-Projekt gewinnt. Denn die Campus-Partner, allen voran das Johanniter-Bildungsinstitut, haben signalisiert, in dem Gebäudeteil, in dem das Akademie-Wohnheim entstehen soll, Platz für 30 Flüchtlinge schaffen zu wollen. Und so könnten sie Kraft und Hoffnung aus folgenden Worten schöpfen: "Kita-Plätze werden in Zukunft weiter gebraucht und Unterbringungsmöglichkeiten für Flüchtlinge auch", sagt Leipzigs Sozialbürgermeister Thomas Fabian (SPD) auf LVZ-Anfrage.

Caritas-Geschäftsführer Tobias Strieder würde es freuen, stellte die Verwaltung ein erstes Signal auf Grün. "Auch städtebaulich ist der Campus eine Bereicherung. Ein Schandfleck verschwände." Beim Investor legen sie gern noch eine Schippe drauf: "Dieses Projekt wird landesweit für Furore sorgen", verspricht "Basis-d"-Geschäftsführer Steffen Kretzschmar.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 15.04.2015

Dominic Welters

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